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14.12.2017

Niki-Insolvenz: Flöther hat für den Express-Verkauf eine Woche Zeit

Der Verkauf der Air Berlin-Tochter Niki an die Lufthansa ist geplatzt. Die europäische Kartellbehörde hat den Deal nicht genehmigt, deshalb musste Niki Insolvenz anmelden. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Prof. Dr. Lucas Flöther, der bereits Air Berlin-Sachwalter ist. Niki musste sofort den Betrieb einstellen. Damit werden fast eine Million Tickets ungültig, und viele tausend Passagiere sitzen fest.

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Lucas Flöther

Eigentlich wollte die Lufthansa Niki übernehmen und in ihre Billigtochter Eurowings integrieren. Seit der Unterzeichnung des Kaufvertrags im Oktober hält die Lufthansa die 28 Niki-Flugzeuge mit einer Zwischenfinanzierung in der Luft. Als aber am Dienstag die EU-Kommission mitteilte, dass sie den Deal so nicht genehmigt, trat die Lufthansa vom Kaufvertrag zurück und stellte die Zahlungen für den operativen Betrieb von Niki ein. Die österreichische Airline stellte daraufhin sofort einen Insolvenzantrag.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Flöther versucht nun, den Geschäftsbetrieb durch einen Schnellverkauf noch zu retten. Nach eigenen Angaben hat er dafür „ein paar Tage“ Zeit. Solange nämlich hat Niki noch die Betriebserlaubnis und damit auch die wertvollen Start- und Landerechte sicher.

Insolvenz könnte Niki für Käufer interessanter machen

Der Verkauf aus der Insolvenz würde über einen Asset Deal statt über einen Share Deal vollzogen, wodurch sich die Risiken für den Käufer reduzieren. Ein wichtiges Verkaufshindernis etwa, das ebenso entfällt: Niki befördert seine Passagiere mit 14 Flugzeugen von Tui auf der Basis einer sogenannten Wet-Lease-Vereinbarung. Dieser Deal war 2009 zwischen Tui und Air Berlin zu sehr vorteilhaften Bedingungen für Tui abgeschlossen worden. Durch die Insolvenz wäre ein Käufer nun nicht mehr daran gebunden. Aufgrund der Wet-Lease-Konstellation spielt Tui im Air Berlin-Insolvenzverfahren eine wichtige Rolle.

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Peter Niggemann

Air Berlin hatte bis zuletzt vergeblich versucht, die Kommission davon zu überzeugen, dass außer der Lufthansa kein ernstzunehmender Kaufinteressent für Niki bereitstand. Bekannt ist aber, dass es neben der Lufthansa zwei weitere Bieter für Niki gab: Thomas Cook/Condor legte mit Airline-Gründer Niki Lauda ein Angebot vor, ebenso die International Airlines Group (IAG), zu der British Airways und Iberia gehören. Nun spricht der Insolvenzverwalter im Zuge des Schnellverfahrens noch einmal mit allen potenziellen Käufern. Durch die Insolvenz von Niki könnte sich der Interessentenkreis nochmals erweitern.

Der Gläubigerausschuss, den das Amtsgericht Berlin Charlottenburg eingesetzt hat, besteht aus drei Parteien: TUIfly GmbH, Falcon Aero Space Leasing (Ireland) Ltd. und Bundesagentur für Arbeit.

Sachwalter Air Berlin und vorläufiger Insolvenzverwalter der Niki Luftfahrt GmbH
Flöther & Wissing (Leipzig): Prof. Dr. Lucas Flöther (Insolvenzrecht)

Generalbevollmächtigter Air Berlin
Kebekus et Zimmermann (Düsseldorf): Dr. Frank Kebekus (Insolvenzrecht)

Berater Air Berlin
Inhouse Recht (Berlin): Michelle Johnson (General Counsel)
Freshfields Bruckhaus Deringer: Dr. Konrad Schott (Bank- und Finanzrecht) Dr. Matthias-Gabriel Kremer (Corporate/M&A; beide Frankfurt), Dr. Peter Niggemann, Juliane Ziebarth (beide Kartellrecht; beide Düsseldorf), Dr. Farid Sigari-Majd (M&A; Wien); Associate: Dr. Marvin Knapp (Insolvenzrecht; Hamburg)
BRL Boege Rohde Luebbehuesen (Hamburg): Stefan Denkhaus, Dominik Demisch, Katharina Gerdes, Dr. Carsten Siebert, Friedemann Schade (Berlin), Björn Schwencke (alle Insolvenzrecht – für die PLC und die Luftverkehrs-KG)
Finkenhof (Frankfurt): Dr. Lorenzo Matthaei (Federführung), Stephan Strumpf; Associates: Dr. Kaan Güzel, Tim Grabbe (alle Insolvenzrecht – für operative Gesellschaften)
Jank Weiler Operenyi (Wien): Alexander Operenyi, Dr. Andreas Jank; Associate: Gerald Hendler (alle Corporate/M&A)

Berater Niki
Graf & Pitkowitz (Graz): Dr. Alexander Isola, Stefan Weileder (beide Insolvenzrecht)

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Sven Völcker

Berater Lufthansa
Inhouse Recht (Frankfurt): Dr. Stephan Zilles (General Counsel)
Hengeler Mueller: Dr. Daniel Kress (Corporate/M&A; London)
Latham & Watkins (Brüssel): Dr. Sven Völcker, Dr. Michael Esser (Kartellrecht)
SGP Schneider Geiwitz (Neu-Ulm): Arndt Geiwitz (Insolvenzrecht)

Berater Tui
Gleiss Lutz: Dr. Fred Wendt (Corporate/M&A; Hamburg), Dr. Andreas Spahlinger (Restrukturierung; Stuttgart)
WilmerHale (Berlin): Ulrich Quack, Dr. Oliver Fleischmann (beide Kartellrecht)

Berater Thomas Cook/Condor
Noerr: Dr. Thomas Hoffmann (Insolvenzrecht; Berlin), Holger Alfes (Corporate/M&A; Frankfurt; beide Federführung), Uwe Erling (Luftverkehrsrecht; München), Alexander Israel (Kartellrecht; Brüssel)
Herbst Kinsky (Wien): Dr. Philipp Baubin, Dr. Christoph Herbst, Dr. Christoph Wildmoser, Dr. Wolfgang Schwackhöfer (alle Corporate/Bank- und Finanzrecht)

Berater Easyjet
Clifford Chance (Frankfurt): Dr. Cristina Weider (Restrukturierung)

Berater IAG
Luther: Susanna Fuchsbrunner (Frankfurt), Dr. Andreas Kloyer (beide M&A; beide Federführung), Andrea Metz (M&A/Insolvenzrecht), Reinhard Willemsen (Insolvenzrecht; alle München), Dr. Helmut Janssen (Kartellrecht; Brüssel), Dr. Christian Rodorff (Corporate/M&A; München)
bpv Hügel (Wien): Dr. Elke Napokoj (Federführung), Stefan Gaug, Dr. Michaela Pelinka (alle Corporate/M&A), Dr. Bernhard Schatz (Baden/Niederösterreich, Insolvenzrecht)

Berater British Airways/Iberia
DLA Piper: Mike Danielewsky (Restrukturierung; Frankfurt), Guido Kleve (Öffentliches Wirtschaftsrecht; Köln)

Berater Etihad
Shearman & Sterling (Frankfurt): Dr. Alfred Kossmann, Frank Miller (London; beide Federführung), Matthew Powell (Abu Dhabi), Georg Thoma (alle Corporate/M&A), Winfried Carli (Finanzierung/Restrukturierung), Geert Goeteyn (Kartellrecht; Brüssel)

Berater Niki Lauda
Schuppich Sporn & Winischhofer (Wien): Dr. Haig Asenbauer

Berater Hans Rudolf Wöhrl
Gerloff Liebler (München): Dr. Christian Gerloff (Insolvenzrecht)
BTU Simon (München): Eberhard Simon (Federführung), Susanne Schröder (Arbeitsrecht), Gregor Wenzel (Steuern); Associates: Dr. Frank Harmann (Luftfahrtrecht), Michael Baumann (Steuern)

Amtsgericht Berlin-Charlottenburg
Martin Horstkotte

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.

Der Beschluss des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg, Flöther zum vorläufigen Insolvenzverwalter einzusetzen, ist ausführlich begründet, wie es nach der Neufassung der Europäischen Insolvenz-Verordnung (EuInsVO) seit diesem Jahr nötig ist. Weil der Geschäftsbetrieb von Niki hauptsächlich in Deutschland liegt, kann auf dieser Grundlage zudem ein deutsches Gericht einen Insolvenzverwalter bestellen, obwohl Niki formal eine österreichische Firma ist.

Viele Berater sind nicht erst seit Beginn des Air Berlin-Insolvenzverfahrens im Mandat. Sie pflegen langjährige Beziehungen zu Air Berlin. Freshfields etwa hat Air Berlin bereits bei der Umstrukturierung beraten, die im Herbst 2016 angestoßen wurde. Zuvor hatte die Kanzlei Air Berlin bereits bei der Expansion sowie späteren Umstrukturierungen und Maßnahmen der Rekapitalisierung begleitet. Beim geplanten Verkauf der Niki-Anteile von Air Berlin an den Großaktionär Etihad Anfang 2017 beriet Freshfields auch Etihad. Da mit der Insolvenz die Interessen von Air Berlin und ihrer Großaktionärin nicht mehr identisch waren, mandatierte Etihad ihre langjährige Stammberaterin Shearman & Sterling. Die Kanzlei hat mit dem Insolvenzverfahren nicht direkt etwas zu tun, unterstützt Etihad allerdings etwa bei der Abwehr von Forderungen des Sachwalters Flöther – der verlangt Geld, weil er die Insolvenz von Air Berlin auf gebrochene Finanzierungszusagen der Großaktionärin Etihad zurückführt.

Im Gläubigerausschuss vertritt nach JUVE-Informationen Clifford Chance-Partner Dr. Stefan Sax die Interessen der Leasinggesellschaft Falcon Aero Space, während Tuifly auf Gleiss setzt. Die Partner Wendt und Spahlinger beraten das Unternehmen schon seit längerem zu seiner Wet-Lease-Vereinbarung mit Air Berlin und später Niki sowie im Zuge der Air Berlin-Insolvenz. (Marc Chmielewski, Markus Lembeck, Claudia Otto, Jörn Poppelbaum)

Der Artikel wurde am 15.12.2017 ergänzt.

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