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08.05.2018

Markteintritt: Jones Day-Mandantin Parkwind kauft Offshorewindparkprojekt bei Kap Arcona

Kürzlich hat die Bundesnetzagentur die Ergebnisse ihrer zweiten Versteigerungsrunde von Offshore-Windparkprojekten bekannt gegeben. Unter den sechs Gewinnern des Auktionsverfahrens befindet sich auch die hessische KNK Wind, die ihr Projekt Arcadis Ost 1 ins Rennen geworfen hatte. Wie nun bekannt wurde, verkaufen die Eigentümer des Projekts ihre Anteile vollständig an die belgische Parkwind, die mit der Transaktion in den deutschen Markt einsteigt.

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Kerstin Henrich

Eigentümer der KNK Wind war bis zuletzt die hessische WV Energie, die 93 Prozent an der Projektgesellschaft hielt. Weitere sieben Prozent entfielen auf die Stadtwerke Bad Vilbel. Bis Mitte März war auch der Rostocker Hersteller von Windkraftanllgen, Nordex, mit rund 40 Prozent an der Gesellschaft beteiligt, verkaufte seine 2010 erworbenen Anteile allerdings vollständig an WV Energie, die nun wiederum an Parkwind verkauft. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

Arcadis Ost 1 ist ein auf die Produktion von 350 MW ausgerichtetes Offshore-Windenergieprojekt 19 Kilometer von Kap Arkona auf Rügen in der Ostsee gelegen. Geplant ist die Installation von 58 Windkraftanlagen vom Typ GE Wind Energy. WV Energie hatte das vorentwickelte Projekt bereits 2008 erworben und in die Projektgesellschaft KNK Wind ausgelagert. 2014 erhielt das Projekt die planungsrechtliche Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz.

Der Baustart verzögerte sich im Anschluss allerdings, weil die Bundesrepublik alle erteilten Offshore-Genehmigungen mit dem sogenannten Windenergie-auf-See-Gesetz aufhob. Ein Vorgehen, dass dem Bund viel Kritik sowie zwei Verfassungsbeschwerden einbrachte. Projektentwickler wurden aufgerufen, bereits genehmigte Bestandsprojekte in das nach dem Gesetz vorgenommene Übergangsauktionsverfahren einzubringen, deren erste Runde die Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr durchführte und deren zweite Runde gerade zum Abschluss gebracht wurde.

Bereits in der ersten Runde des Auktionsverfahrens der Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr hatte WV Energie ihr Projekt Arcadis Ost 1 in die Waagschale geworfen, allerdings mit einem anderen Partner. Für die zweite Runde gewann die KNK Wind den belgischen Offshore-Windparkentwickler Parkwind, dessen in Aussicht gestellte finanzielle Beteiligung unter anderem maßgeblich zum Erfolg im Auktionsverfahren beigetragen haben dürfte.

Höhere Förderung in zweiter Auktionsrunde

Die Ende April bekannt gewordenen Ergebnisse der zweiten Auktionsrunde von Offshore-Projekten begünstigen neben dem Acadis Ost 1-Projekt, das nun Parkwind gehört, auch zwei Ostsee-Windparkprojekte der spanischen Iberdrola sowie drei Nordsee-Projekte, von denen zwei Orsted (ehemals Dong) und eines von Innogy entwickelt wird.

Das Auktionsverfahren zielt darauf ab, die staatliche Förderung von Offshore-Projekten auslaufen zu lassen. Anders als bei der ersten Auktion im vergangenen Jahr, bei der die Projektentwickler ihre Gebote auf eine durchschnittliche Förderung von nur 0,66 Cent pro Kilowattstunde stützten, stieg die von den Projektentwicklern in der zweiten Runde benötigte Förderung deutlich an. Zwar gaben insbesondere Ostred und Iberdrola 0-Cent-Gebote ab, womit sie auf eine staatliche Förderung völlig verzichten. Insgesamt liegt die für die sechs Windparks genehmigte Förderung jedoch bei durchschnittlich 4,66 Cent pro Kilowattstunde.

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Simeon Held

Berater Parkwind
Jones Day (Düsseldorf): Dr. Kerstin Henrich (Federführung; Corporate/M&A), Marc Peisert (Banking & Finance), Dr. Klaus Herkenroth (Steuerrecht; Frankfurt), Ferdinand Brughmans (Projektfinanzierung; Brüssel); Associates: Oliver Staatz (Steuerrecht; Frankfurt), Dr. Moritz Maier (Corporate/M&A), Serkan Alhan (Projektfinanzierung; Brüssel)
Held Jaguttis (Köln): Dr. Simeon Held, Dr. Malte Jaguttis; Associate: Bernard Altpeter (alle Öffentliches Wirtschaftsrecht)

Kai Bandilla

Kai Bandilla

Berater WV Energie und Stadtwerke Bad Vilbel
Heuking Kühn Lüer Wojtek (Hamburg): Dr. Kai Bandilla (Federführung), Dr. Stefan Duhnkrack, Dr. Hans-Henning Hoff (alle Corporate/M&A), Dr. Stefan Bretthauer (Kartellrecht), Falko Keller (Steuerrecht)

Berater Nordex
Hogan Lovells (Hamburg): Matthias Hirschmann (Federführung; Corporate/M&A), Michael Dettmeier (Steuerrecht; Düsseldorf), Dr. Kristina Rebmann (Corporate/M&A); Associates: Malte Neumann (Corporate/M&A)

Hintergrund: Parkwind ist eine Gesellschaft der belgischen Einzelhandelsfamilie Colruyt, die seit 2009 in Offshore-Windparks investiert. Dabei greift sie regelmäßig auf die Hilfe des belgischen Jones Day-Partners Brughmans zurück, der im Herbst 2016 mit seinem Team von White & Case ins Brüsseler Büro der Kanzlei wechselte, um die Infrastrukturberatung der Kanzlei zu stärken. Über Brughmans erreichte das Mandat die Düsseldorfer Partnerin Henrich, die im Juni 2016 von Orrick Herrington & Sutcliffe unter ähnlichen Vorzeichen zu Jones Day gewechselt war. Henrich sollte den Kontakt zu drei Projektgesellschaften aufnehmen, die bereits genehmigte Ostsee-Windparkprojekte im Portfolio hielten und planten, sich an der zweiten Auktion der Bundesnetzagentur zu beteiligen. Dabei fiel die Wahl auf KNK Wind, mit der sie seit Ende des vergangenen Jahres das Projekt vorbereitet.

Bei der regulatorischen Prüfung des Auktionsverfahrens standen Henrich die beiden Partner des Kölner Hengeler-Mueller-Spin-offs Held Jaguttis zur Seite. Mit beiden, Held und Jaguttis, verbindet Henrich einige gemeinsame Jahre im Düsseldorfer Hengeler-Büro. Als Henrich 2010 zu Orrick wechselte, blieben Held und Jaguttis noch einige Jahre vor Ort, bis sie sich Anfang 2014 in Köln selbstständig machten und seither regelmäßig unter anderem mit Jones Day oder Arqis zusammenarbeiten.

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Matthias Hirschmann

WV Energie lässt sich immer wieder vom Hamburger Heuking-Partner Duhnkrack beraten. Da die Transaktion jedoch vielfache energierechtliche Bezüge aufwies, kam insbesondere Partner Bandilla, Fachmann für Offshore-Projekte, eine erhebliche Rolle zu. Das Heuking-Team war nicht nur für den Einstieg von Parkwind, dem ein Bieterwettbewerb vorausging, mandatiert, sondern auch für den Kauf der Anteile von Nordex sowie die Vorlage des Angebots bei der Bundesnetzagentur. Diesen Vorgang begleitete Heuking bereits im vergangenen Jahr für die WV Energie.

Nordex mandatierte ihren langjährigen Stammberater Hirschmann von Hogan Lovells, wie schon beim Kauf der Anteile an KNK Wind 2010. (Martin Ströder)