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29.10.2020

Corona-Krise: Seitz berät Lufthansa bei Stellenabbau

Coronabedingt fährt die Lufthansa ihren Betrieb im Winter weiter herunter. Am Wochenende kündigte Lufthansa-Chef Carsten Spohr seinen Mitarbeitern erneute Sparmaßnahmen und die Stilllegung von 125 Flugzeugen an. Bis zu 29.000 Stellen könnten weltweit betroffen sein, die Verhandlungen mit den Personalvertretungen der Flugbegleiter, Piloten und des Bodenpersonals laufen.

Stefan Seitz

Stefan Seitz

Auch für die verbleibenden 100.000 Mitarbeiter habe man aktuell nicht annähernd genug Beschäftigung, so Spohr. Die Kurzarbeit wurde wieder hochgefahren, so arbeiten die Verwaltungsmitarbeiter zunächst bis Ende Februar 2021 auf maximaler Kurzarbeit, für das Kabinenpersonal steht voraussichtlich für das komplette kommende Jahr Kurzarbeit an. Bereits im September hatte das Unternehmen bestätigt, dass rund 27.000 Stellen abgebaut werden müssen, bevorzugt über Teilzeit und freiwillige Abgänge, aber auch über betriebsbedingte Kündigungen. Ein Großteil dürfte das Kabinenpersonal treffen.

Das Kabinenpersonal und ihre Gewerkschaft UFO hatten im August als bislang einzige Berufsgruppe einen langfristigen Sanierungs-Tarifvertrag geschlossen. Auf die rund 22 000 Flugbegleiter kommen Nullrunden, zusätzliche Teilzeit und ausgesetzte Versorgungsleistungen zu. Dafür soll es laut UFO einen Beschäftigungsschutz bis Ende 2023 geben. Wichtige Details zur genauen Ausgestaltung sind allerdings noch offen.

Mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte die Fluglinie im August lediglich eine kurzfristige Vereinbarung zur Bewältigung der Corona-Krise getroffen. Sie gilt für Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo, Lufthansa Aviation Training sowie Teile der Germanwings-Piloten. Danach wurde etwa die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes reduziert, ebenso die Arbeitgeberbeiträge zur Dotierung der Altersversorgung. Auch eine bereits vereinbarte Tariferhöhung soll ins kommende Jahr verschoben werden, dafür verzichte der Konzern bis Ende März 2021 auf betriebsbedingte Kündigungen. Ab 2022 seien jedoch mindestens 1.100 Stellen bei den Piloten gefährdet, hieß es nun. 

Für die dritte große Gruppe von Mitarbeitern, das Bodenpersonal, verhandelt Verdi mit der Lufthansa, bislang ohne Ergebnisse. Unabhängig von den Verhandlungen über Interessenausgleiche und Sozialpläne für betriebsbedingte Kündigungen für alle Berufsgruppen zielt die Lufthansa darauf, mit den Tarifpartnern Krisenpakete zu vereinbaren, die die Zahl der notwendigen betriebsbedingten Kündigungen begrenzen.

Michael Mensching

Michael Mensching

Berater Deutsche Lufthansa
Seitz (Köln): Dr. Stefan Seitz

Berater Personalvertretungen Cockpit/Vereinigung Cockpit
MRD Mensching Rotermundt Dieth (Köln): Dr. Michael Mensching, Dr. Martell Rotermundt
HNK Rechtsanwälte (Frankfurt): Thomas Haedge

Berater Personalvertretung Kabine/Betriebsräte Boden
Ulrich Weber & Partner (Köln): Daniel Hartmann

Hintergrund: Die arbeitsrechtlichen Berater sind aus dem Markt bekannt.

Die Kölner Kanzlei Seitz begleitet auch Galerie Karstadt Kaufhof im Schutzschirmverfahren und ist dementsprechend erfahren in großen krisenbedingten Restrukturierungen und dem damit einhergehenden Stellenabbau. Die Lufthansa setzt bei dieser groß angelegten Restrukturierung erstmals auf Seitz. Zuletzt zog der Konzern regelmäßig Hengeler Mueller und SGP Schneider Geiwitz hinzu, zuletzt bei der Liquidierung von Sun Express. Beim Einstieg des Bundes im Zuge des milliardenschweren Rettungspakets vertraute der Personalvorstand ebenfalls auf beide Kanzleien. In Streikfragen gilt hingegen der Arbeitskampfexperte Thomas Ubber von Allen & Overy als gesetzt. Vieles erledigt die erfahrene Rechtsabteilung des Konzerns jedoch auch selbst. Auch in den jetzigen Verhandlungen ist sie mit einem großen Inhouse-Team involviert, um bei den verschiedenen Strängen zeitgleich beraten zu können.

Die Beratung der Personalvertretungen für die Piloten teilen sich zwei Kanzleien auf. Neben dem Frankfurter Arbeitsrechtler Haedge holten die Cockpit-Vertreter den Kölner Anwalt Mensching für die Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite hinzu. Letzterer berät die Personalvertretungen der Lufthansa und ihrer Töchter bereits seit Jahren arbeitsrechtlich. 2014 kam die Vereinigung Cockpit als Mandantin hinzu. Sein Partner Rotermundt ist auf die tarifrechtliche Beratung spezialisiert und hatte im Sommer den Krisentarifvertrag zwischen Lufthansa und VC mit verhandelt. Bis 2019 firmierte ihre gemeinsame Kanzlei unter Strunden & Partner, der namensgebende Miet- und Bankrechtler Dr. Stefan Strunden ist seit Mitte letzten Jahren als Einzelanwalt tätig.

Daniel Hartmann

Daniel Hartmann

Die Personalvertretungen des Boden- und Kabinenpersonals wandten sich an den erfahrenen Betriebsratsberater Hartmann. Neben dem Konzernbetriebsrat, dem Gesamtbetriebsrat und den örtlichen Lufthansa-Betriebsräten vertritt er die Personalvertretung Kabine sowie die Betriebsräte von Lufthansa Cargo und Eurowings. Hartmann steht seit mehr als zehn Jahren regelmäßig für die Lufthansa-Betriebsräte bereit. (Annette Kamps)

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