Mit Pluta übernimmt eine der führenden deutschen Verwalterkanzleien die Märklin-Geschicke. Sie zählt zu den Vorreitern einer transparenten Verfahrensabwicklung. Neben Michael Pluta arbeiten für die Sozietät über 20 weitere Insolvenzverwalter, von denen Dr. Martin Prager in der Vergangenheit die größte Bekanntheit erlangt hat, zum Beispiel 2006 als Verwalter der Ex-Siemens-Handysparte BenQ Mobile.
Letztlicher Auslöser des Insolvenzantrags des Modellbahnbauers war nach Darstellung des Eigentümers Kingsbridge Capital die fehlende Bereitschaft der Märklin-Hausbanken, der Kreissparkasse Göppingen und der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), abgelaufene Kreditlinien zu verlängern. Kingsbridge wartet nun auf den Abschluss eines Sanierungsgutachten, mit dem die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beauftragt ist.
Neben der Gebr. Märklin & Cie. GmbH ist auch die Märklin Holding GmbH insolvent. Zuständiger Insolvenzrichter ist in beiden Fällen Jan Bandszer am Amtsgericht Göppingen.
Märklin setzte 2008 rund 128 Millionen Euro um. Der operative Verlust, der 2007 noch 3,2 Millionen Euro betragen hatte, soll Berichten zufolge leicht gesunken sein. Allerdings drücken den ältesten Modellbahnbauer der Welt hohe Kosten und hohe Schulden.
Von der Insolvenz betroffen sind insgesamt 710 Mitarbeiter in Göppingen und Nürnberg, die Fertigung im thüringischen Sonneberg wurde bereits 2007 geschlossen. Der ungarische Standort Györ mit 600 Beschäftigen ist nach Angaben Plutas von dem Insolvenzantrag nicht betroffen.
Märklin stand bereits 2006 kurz vor der Insolvenz, weil sich die Eigentümer-Familien nicht über Sanierungsmaßnahmen verständigen konnten. Schließlich hatte der Londoner Finanzinvestor Kingsbridge mit Unterstützung von Goldman Sachs das Unternehmen übernommen und einen radikalen Sparkurs eingeleitet.
Bei der Übernahme beriet Linklaters den Investor, Gleiss Lutz die Altgesellschafter und Weil Gotshal & Manges begleitete Goldman Sachs.