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09.11.2006

Lovells in Berlin: Partner gehen künftig getrennte Wege

Nachdem Lovells im Oktober angekündigt hatte, ihr Berliner Büro im April 2007 zu schließen, verlassen die meisten Berliner Partner nun die Kanzlei. Der bisherige Standortleiter Dr. Johannes Meinel (49) gründet mit Dr. Benedikt Bräutigam (50) und Counsel Jan-Peter Heyer (43) ab Februar eine eigene Kanzlei. Diese wird voraussichtlich unter dem Namen BMH Bräutigam & Partner firmieren. Die beiden Öffentlich-Rechtler Dr. Alexander von Negenborn (48) und Dr. Olav Wagner (39) schließen sich zu Jahresbeginn dem Berliner Büro von Nörr Stiefenhofer Lutz an. Der Baurechtler Dr. Bernhard Kuhn ist der einzige Berliner Partner, der bei Lovells bleibt: Er wird in das Frankfurter Büro der Sozietät wechseln.

Meinel, Bräutigam und Heyer übernehmen unter dem neuen Label BMH Bräutigam & Partner auch die Räume des Lovells-Büros, sechs Associates bleiben bei den drei Partnern. Die Schwerpunkte der neuen Sozietät liegen bei Transaktionen in den Bereichen Grundstücksrecht und Gesellschaftsrecht sowie bei der Prozessführung. Die Partner wollen sich auf Mandate im Mid-Capital Market zwischen 5 und 100 Millionen Euro konzentrieren. „In diesem Bereich können wir besser sein als Großkanzleien, weil wir ein homogenes und erfahrenes Team und ein hohes Maß an direkter Betreuung des Mandates durch im internationalen Geschäft versierte Partner anbieten können“, sagte Meinel.

BMH ist bereits der zweite Spin-off aus dem Berliner Lovells-Büro in diesem Jahr. Die Bankrechtspartner Dr. Thomas Lindemann und Dr. Andreas Schwennicke hatten ihren Ausstieg bereits im Mai angekündigt und sich im Oktober mit sechs ehemaligen Lovells-Associates unter dem Namen Lindemann Schwennicke & Partner selbstständig gemacht. Außerdem stiegen die bisherigen Associates Andreas Conen, Dr. Ludwig von Motke und Dr. Daniel Radig als weitere Partner in die auf Bank- und Finanzrecht spezialisierte Kanzlei ein.

Die beiden Lovells-Partner Wagner und Negenborn entschieden sich dagegen für einen Wechsel zu Nörr, die damit ihre öffentlich-rechtliche Praxis in der Hauptstadt ausbaut. Die Partner gelten als Experten für Public Private Partnership (PPP), Privatisierung und Vergaberecht. So berät Negenborn beispielsweise vergaberechtlich beim Bundeswehr-IT-Projekt „Herkules“. Wagner beriet im vergangen Jahr unter anderem Veolia Wasser im Bieterverfahren um den Wasserverband Lausitz. Mit ihnen wechseln auch die vier Associates Dr. Benjamin Görs, Carsten Kunkel, Marc Petit und Alexander Weigelt.

Das neue Team wird in die Praxisgruppe Immobilienrecht/Öffentliches Recht bei Nörr integriert. „Während andere Kanzleien ihre Büros in Berlin schließen, setzen wir auf den Ausbau regierungsnaher Geschäftsfelder wie PPP, Public Affairs, subventionierter Branchen wie erneuerbare Energien sowie große Infrastruktur- und Konversionsprojekte“, sagte Dr. Tobias Bürgers, Sprecher von Nörr. Das Berliner Büro wächst mit den Lovells-Anwälten auf 18 Partner und 36 Associates.

Dr. Harald Seisler, Managing Partner bei Lovells, äußerte Verständnis für die Entscheidung der Partner, in Berlin bleiben zu wollen. Gleichzeitig bekräftigte er jedoch grundsätzlich den Entschluss, das Büro aufzugeben. „Wir haben uns entschieden unser Berliner Büro zu schließen, da andere lokale Märkte für uns besser Chancen für unsere Investitionen und unser Wachstum bieten“, sagte er. (Ulrike Barth)

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