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09.04.2009

Karmann insolvent: Gericht holt Ottmar Hermann nach Osnabrück

Vorläufiger Insolvenzverwalter beim Automobilzulieferer Karmann ist Ottmar Hermann von Hermann Rechtsanwälte in Frankfurt. Das Unternehmen hatte wegen drohender Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Osnabrück gestellt.Das Unternehmen mit weltweit rund 8.000 Mitarbeitern ist auf die Eventualitäten eines Insolvenzverfahrens vermutlich gut vorbereitet: Vorsitzender des Aufsichtsrats ist seit mehreren Jahren Insolvenz-Altmeister Dr. Jobst Wellensiek aus Heidelberg.

Ottmar Hermann ist in erster Linie als Verwalter des Baukonzerns Philipp Holzmann bekannt geworden. Zuletzt war er für die insolvente Offenbacher Egana-Goldpfeil-Holding aktiv. Auch in der Automobilbranche kennt sich der Frankfurter Verwalter aus, wo er zuletzt den großen Autohändler Georg v. Opel fortführte und dann verkaufte. Die Bestellung Hermanns in Osnabrück dürfte vor allem der Größe des Verfahrens geschuldet sein. Bislang wurden er und die anderen Verwalter seiner Kanzlei dort nicht bestellt. Allerdings gehört Hermann-Partner Rainer Bähr seit Jahren zu den häufig bestellten Verwaltern in Hannover und Gifhorn.

Niedersachsen hat mit 33 Insolvenzgerichten die größte Zahl dieser Gerichte in ganz Deutschland. Aus Sicht vieler Insolvenzrechtler ist die Aufsplitterung der Zuständigkeit auf viele Gerichte ein Nachteil für den Insolvenz-Standort Deutschland, weil sich die Richter so nicht in diesem Bereich spezialisieren können.

Karmann hatte vor zwei Jahren eine drastische Kapazitätsanpassung begonnen und die Auftragsfertigung für Autohersteller wie Volkswagen schließlich eingestellt. Danach war Karmann nur noch im Zuliefergeschäft tätig. Ein im September 2008 mit dem Betriebsrat vereinbarter Sozialplan über den Abbau von knapp 1.400 der 3.400 inländischen Stellen scheint angesichts des großen Umsatzrückgangs im Zulieferbereich zu teuer geworden zu sein.

Noch in der vergangenen Woche hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass die dafür gegründete Transfergesellschaft erst mit Verpätung an den Start gehen werde. Karmann hofft auf Entschädigungszahlungen von Chrysler wegen ausgebliebener Aufträge, die mittels eines internationalen Schiedsverfahrens geklärt werden sollen.

Mit Karmann hat die Insolvenzwelle bei den Autozulieferern einen neuen Höhepunkt erreicht. Seit Ende 2008 stecken mehrere große Unternehmen im Insolvenzverfahren, etwa Tedrive in Aachen mit Verwalter Dr. Andreas Ringstmeier (Dr. Ringstmeier & Kollegen), Edscha in Remscheid mit Verwalter Dr. Jörg Nerlich (Görg Rechtsanwälte) oder die ae-Group in Gerstungen mit Verwalter Rolf Rombach (Rombach & Steinfeld). Bei dem Bremsenhersteller TMD Friction in Leverkusen gelang Verwalter Dr. Frank Kebekus vor wenigen Tagen der Verkauf (mehr…). (Markus Lembeck)

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