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14.11.2011

Kurzes Gastspiel: Ferrostaal-Vorstand Pohlmann geht

Nach nur rund eineinhalb Jahren verlässt Compliance-Vorstand Dr. Andreas Pohlmann den Industriedienstleister Ferrostaal mit derzeit unbekanntem Ziel. Im Mai 2010 hatte der von einer Korruptionsaffäre erschütterte Essener Konzern den Compliance-Fachmann von Siemens geholt (mehr…).

Andreas Pohlmann

Andreas Pohlmann

Schon seit Längerem gab es im Markt Gerüchte, dass es immer wieder Differenzen in den Führungsgremien von Ferrostaal gegeben haben soll, die auch Pohlmanns Ressort betrafen. Die genauen Gründe für seinen Abgang sind jedoch nicht bekannt. Für die arbeitsrechtlichen Fragen mandatierte Pohlmann den Allen & Overy-Partner Hans-Peter Löw, der ihn ihn auch schon bei Antritt seiner Stelle Mitte Mai 2010 begleitet hatte.

Seit Juni 2010 hat Ferrostaal mit Jan Secher einen neuen CEO. Der Vorstand besteht derzeit nur noch aus ihm und Joachim Ludwig. Finanzvorstand Peter Sassenfeld hatte Mitte September dieses Jahres bereits seinen Wechsel zum Baukonzern Hochtief angekündigt.

Pohlmanns Hauptaufgabe der vergangenen Monate war die Aufarbeitung der Korruptionsaffäre bei Ferrostaal und der Aufbau einer Compliance-Organisation. Als CCO fungiert seit Sommer 2010 Michael Thun, der Pohlmann von Siemens gefolgt war. Ob die Compliance-Funktion wieder im Vorstand verankert wird, ist derzeit, wie es heißt, noch offen. Allerdings wäre es auch nicht ungewöhnlich, wenn das Unternehmen auf ein solches Ressort künftig verzichten würde. Nur sehr wenige große Konzerne verfügen in Deutschland über Vorstandsressorts für Compliance und/oder Recht.

Ferrostaal hatte nach dem Bekanntwerden der Bestechungsvorwürfe nicht nur die Vorstandsriege umgebaut: Neben Thun als CCO gab es auch Veränderungen in der Rechtsabteilung: Dr. Thomas Sonnenberg wechselte vor einem Jahr vom Bankhaus Sal. Oppenheim an die Spitze des Ferrostaal-Teams (mehr…).

Inzwischen ist die Korruptionsaffäre für Ferrostaal so gut wie abgeschlossen. Im vergangenen Monat hatte das Unternehmen sich bereit erklärt, einen Bußgeldbescheid in Höhe von 149 Millionen Euro zu akzeptieren (mehr…). Allerdings ist diese Einigung Marktinformationen zufolge noch nicht endgültig.

Der Ferrostaal-Mehrheitseigner IPIC hat inzwischen Bürgschaften für das Unternehmen zugesagt (mehr…). Allerdings streitet sich IPIC, auf deren Wunsch Shearman & Sterling-Partner Georg Thoma den Aufsichtsrat führt, und der MAN-Konzern weiter: IPIC hatte die Ferrostaal-Mehrheit wenige Monate vor Bekanntwerden der Korruptionsvorfälle von MAN erworben (mehr…). (Astrid Jatzkowski)

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