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30.12.2011

München: Weiter Unruhe bei Sibeth, Heussen gewinnt zwei Steuerpartner

Heussen verstärkt sich am Standort München zum Jahreswechsel im Steuerrecht mit den beiden Partnern Rupert Klar (48) und Martin Grasser (41) sowie zwei Associates. Alle kommen von der örtlichen Wettbewerberin Sibeth, die sich im Umbruch befindet.

Rupert Klar

Rupert Klar

Mit den beiden Zugängen baut Heussen eigene steuerrechtliche Kompetenz auf. Bislang gehörte das Steuerrecht nicht zu den originären Beratungsfeldern der Kanzlei, einen eigenen Fachbereich Steuern gibt es bei Heussen nicht. Steuerliche Themen etwa bei Transaktionen deckten vorrangig Kooperationspartner ab. In der Vergangenheit gab es hier enge Verbindungen zur Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers, doch die Kontakte wurden mehr und mehr gelöst, auch weil PwC eine eigenen Rechtsberatungsarm gründete.

Martin Grasser

Martin Grasser

Klar und Grasser sind beide Steuerberater und Wirtschaftsprüfer und haben ihre Beratungsschwerpunkte im Unternehmenssteuerrecht. Ein weiterer Fokus liegt auf der Beratung von Finanzdienstleistern bei der Strukturierung offener und geschlossener Fonds. Klar leitete bei Sibeth die Praxisgruppe Steuern, bei Heussen verantwortet er nun gemeinsam mit Grasser den Aufbau einer eigenen Praxisgruppe. Zum Startteam gehören neben den beiden Partnern zwei ehemalige Sibeth-Associates und ein weiterer jüngerer Berufsträger in München. Insgesamt beschäftigt Heussen an ihren vier deutschen Standorten gut 60 Berufsträger, 17 davon sind Equity-Partner.

Die beide Heussen-Neuzugänge verfügen über eine langjährige Erfahrung im Beratungsgeschäft: Grasser kam Ende 2008 von PricewaterhouseCoopers (mehr…). Klar gehört zum Gründungsteam von Sibeth. Zusammen mit dem Gesellschaftsrechtler Dr. Andreas Kloyer war er Anfang 2005 von Graf von Westphalen Bappert & Modest gekommen (mehr…). Es ist bereits bekannt, dass auch Kloyer Sibeth zum Jahreswechsel verlässt. Er steigt bei Luther ein (mehr…).

Sibeth setzt bei Steuern nun auf Kooperation mit BDO AWT

Bei Sibeth setzt sich damit der Umbau fort. Zwar rücken im Steuerrecht die beiden Associates Dr. Johannes Stehr (33) und Stefan Voith (37) in die Partnerschaft auf, doch insgesamt verringert sich die Zahl der Sibeth-eigenen Berufsträger in der Praxisgruppe Steuern auf drei. Da Stehr und Voith keine Wirtschaftsprüfer sind, kann die Kanzlei zudem künftig nicht mehr als ‚Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer‘ firmieren.

Dafür rückt nun die vor einiger Zeit angekündigte Zusammenarbeit mit Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO AWT stärker in den Vordergrund. “Steuerrecht bleibt eine wichtige Säule, allerdings setzen wir in diesem Bereich verstärkt auf die enge Kooperation mit BDO AWT. Ab 2012 wollen wir die Integration der Dienstleistungen vorantreiben”, sagte die Frankfurter Partnerin Prof. Dr. Antje Boldt. Sibeth hatte im Oktober die Allianz mit BDO AWT publik gemacht (mehr…).

Da stand die Entscheidung von Klar und Grasser bereits fest. Beide haben, so Klar, schon vor einem halben Jahr ihre Kündigung zum Jahresende ausgesprochen. „Wir haben uns für den Wechsel entschieden, weil bei Sibeth der ganzheitliche Beratungsansatz aus unserer Sicht in den Hintergrund gedrängt wird. Wir sahen die für uns wichtige integrative Beratung in den Bereichen Gesellschaftsrecht, Immobilienwirtschaftsrecht und Steuerrecht gefährdet“, sagte Klar. Bei Sibeth hatte es schon vor einem Jahr Unruhe gegeben, bereits damals waren etliche Partner ausgeschieden. Die meisten haben sich der Neugründung Satell angeschlossen (mehr…). „Insgesamt setzt Sibeth verstärkt auf das Baurecht, vor allem auf das eher lokal geprägte Bauprozessrecht. Uns fehlte ein Bekenntnis zu der für uns wichtigen internationalen Ausrichtung“, sagte Klar.

„Wir bedauern, dass die Herren Grasser und Klar den Weg der Allianz mit der BDO AWT nicht mitgehen“, so Sibeth Geschäftsführer Thomas Richter. Doch insgesamt sei der Weg nun freigemacht, den zentralen strategischen Ansatz, die integrierte Beratung in den Feldern Immobilienwirtschaft, Gesellschaftsrecht und Steuern auf nationaler wie internationaler Ebene verstärkt auszubauen. „Wir sind sehr zuversichtlich, was den Erfolg unserer Neuaufstellung im Steuerrecht und der nachrückenden Anwaltspersönlichkeiten im Gesellschafts- und im Steuerrecht betrifft.“

Im Gesellschaftsrecht setzt Sibeth nach dem Wechsel der Praxisgruppenleiters Kloyer jetzt verstärkt auf spezielle Themen. „Neben der laufenden gesellschaftsrechtlichen Beratung und M&A werden wir vor allem Spezialgebiete wie zum Beispiel erneuerbare Energien, Fonds oder Unternehmensfinanzierungen weiter ausbauen, die bei Sibeth traditionell stark sind“, sagte Boldt. „In diesen Gebieten können wir Synergieeffekte zum Immobilienwirtschaftsrecht und zum Bereich Steuern erzielen. Zudem haben wir durch die Allianz mit der BDO AWT die Plattform bei Sibeth auch für das Gesellschaftsrecht weiter verbessert.“

Insgesamt verliert Sibeth zum Jahreswechsel mindestens drei Partner und vier Associates. Nach Informationen aus dem Markt könnte es jedoch zu einem weiteren Abgang in der Corporate- und Finance-Praxis kommen. Damit sind zurzeit 16 Partner und 17 Associates in der Kanzlei tätig. (Volker Votsmeier, Jörn Poppelbaum)

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