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06.11.2012

Ende einer längeren Suche: Allen & Overy holt Feldges als Grosch-Nachfolger

Der bekannte Münchner Patentprozess- und Pharmarechtler Dr. Joachim Feldges (54) verstärkt zukünftig Allen & Overy. Feldges wechselt von Field Fisher Waterhouse, wo er nicht nur Kopf der IP-Praxis, sondern zuletzt auch deutscher Managing-Partner war.

Joachim Feldges

Joachim Feldges

Derzeit ist noch nicht klar, wann genau Feldges bei der Magic-Circle-Kanzlei anfangen wird. Nach derzeitigem Stand der Dinge wechselt er ohne Team.

Feldges gilt als einer der angesehensten Patentprozessrechtler Deutschlands, insbesondere für Pharmaprozesse. Daneben hat er große Erfahrung in der Beratung der Pharma- und Biotech-Industrie zu allgemeinen arzneimittelrechtlichen Fragen. In den vergangenen Jahre hat er zudem Kompetenz bei Schiedsverfahren aufgebaut.

Der Münchner IP-Rechtler war zunächst langjährig bei Clifford Chance tätig, um 2003 seine eigene Kanzlei zu gründen. 2006 eröffnete er dann für Howrey deren erstes deutsches Büro (mehr…). In Folge baute er die deutsche Praxis der internationalen Top-Kanzlei für IP, Kartellrecht und Litigation personell erheblich aus und gründete ein zweites Büro in Düsseldorf.

Von der drohenden Insolvenz der US-Kanzlei überrascht, wechselte Feldges mit dem nahezu kompletten Howrey-IP-Team 2011 zu Field Fisher Waterhouse (mehr…), wo er seither die IP-Praxis und die drei deutschen Büros leitet. Gezeichnet durch zahlreiche Konflikte aus Howrey-Zeiten und durch eine schwierige Aufbauphase bei Field Fisher, die bis zu Feldges Zugang über keine nennenswerte Erfahrung im Patentrecht verfügte, hatte Feldges’ Team aber seit Längerem nicht wieder zu alter Stärke zurückgefunden.

Vermutlich abermals überrascht durch die aktuellen Fusionsverhandlungen seiner Kanzlei mit Osborne Clarke, hatte sich Feldges schon früh entschlossen, sich nicht der möglichen Fusion anzuschließen. Dies war aus Kreisen beider Kanzleien zu vernehmen. Feldges selbst äußerte sich nicht. Die Fusionsgespräche waren im August von den britischen Büros beider Kanzleien angestoßen worden. Der mögliche Field Fisher-Fusionspartner Osborne Clarke gilt international nicht als Schwergewicht im Patentrecht.

Auch die gesamte deutsche IP-Praxis von Osborne Clarke würde erheblich von dem Zusammenschluss mit den Patent- und Markenteam von Field Fisher profitieren. Allerdings ist fraglich, ob das Team ohne Feldges bestehen bleibt. Nach JUVE-Informationen führen mehrere IP-Anwälte Gespräche mit anderen Kanzleien.

Für Allen & Overy geht mit dem Gewinn von Feldges eine lange entbehrungsreiche Zeit im Patentrecht zu Ende. Die Magic-Circle-Kanzlei mit einer bekannten Patentpraxis in London, Brüssel und Paris musste in Deutschland zuletzt mehrere Rückschläge hinnehmen. Einschneidend war vor allem 2010 der Weggang von Dr. Marcus Grosch zu Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan (mehr…). Allen & Overy war es seitdem nicht gelungen, einen adäquaten Ersatz zu finden. Partner im Patentrecht gelten in Deutschland generell als wenig wechselwillig.

Mit Feldges holt die Kanzlei nun einen der bekanntesten Prozessanwälte für Pharmapatente dazu. Umgekehrt findet Feldges bei Allen & Overy eine hervorragende Mandantenbasis in seinem Schwerpunktbereich vor.

In Deutschland verfügt Allen & Overy seit dem vergangenen Frühjahr nur über einen bekannten IP-Spezialisten, Dr. Jens Matthes. Den aufstrebenden Düsseldorfer Linklaters-Anwalt hatte die Kanzlei geholt, als das gesamte Hamburger IP-Team geschlossen zu Quinn Emanuel wechselte (mehr…). Matthes begleitet im Schwerpunkt IP-Fragen in Transaktionen

Allen & Overy wird Feldges und das IP-Team künftig stark an die Praxis für Dispute Resolution anbinden. Diese hatte die Kanzlei in Deutschland in den vergangenen drei Jahren massiv erweitert. (Mathieu Klos)

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