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23.02.2010

Überraschung in Mannheim: Quinn Emanuel eröffnet mit Top-Patentrechtler von Allen & Overy

Quinn Emanuel Urquhart Oliver & Hedges eröffnet ihr erstes kontinentaleuropäisches Büro in Mannheim. Zum März wechselt der Patentprozessrechtler Dr. Marcus Grosch mit Team zu der renommierten US-Kanzlei. Der 37-Jährige leitete zuletzt für Allen & Overy das Mannheimer Büro.

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Marcus Grosch

Quinn Emanuel gilt als eine der renommiertesten US-Kanzleien im Bereich Business Litigation. Sie ist ausschließlich auf diesen Bereich fokussiert und mit über 400 Anwälten in Los Angeles, New York, San Francisco, Silicon Valley und Chicago tätig. Einzige Auslandsbüros waren bislang Tokio sowie London, wo sie erst im April 2008 eröffnet hatte. Zudem ist Quinn Emanuel seit Jahren eine der profitabelsten US-Kanzleien. 2009 betrug der Gewinn pro Partner 3,2 Millionen US-Dollar. Seit mehreren Jahren rangiert die Kanzlei damit auf einem der ersten fünf Plätze im Am Law 100-Ranking. 2009 betrug ihr Gesamtumsatz 420 Millionen US-Dollar.

Dass sich die Kanzlei nun ausgerechnet Mannheim und nicht etwa Frankfurt oder München als ersten Standort auf dem europäischen Festland ausgesucht hat, dürfte an Grosch liegen: Er gilt als einer der bekanntesten deutschen Patentprozessanwälte mit einer dominierenden Stellung in Mannheim. Das dortige Gericht ist nach Düsseldorf das zweitwichtigste Spezialgericht in Deutschland für technische Schutzrechte.

Grosch war erst 2007 aus eigener Kanzlei zu Allen & Overy gewechselt und hatte eine erfolgreiche und sehr profitable Prozesspraxis für die Magic-Circle-Kanzlei aufgebaut (mehr…). Das Patentteam war in den vergangenen drei Jahren von zunächst zwei auf fünf Anwälte gewachsen. Alle vier Associates werden Grosch zu Quinn Emanuel folgen. Der Patentrechtler ist in Mannheim an einigen der wichtigsten Prozesse beteiligt, unter anderem an den umfangreichen Auseinandersetzungen um die MP3-Technologie für Sisvel oder für IPCom in Prozessen gegen HTC.

Grosch betonte ausdrücklich, sein Wechsel sei eine Entscheidung für Quinn Emanuel und nicht gegen Allen & Overy: „Das Angebot von Quinn Emanuel, ein deutsches Büro aufzubauen und eine transatlantische Top-Praxis in der IP-Litigation zu etablieren, ist für mich und mein Team eine einmalige Gelegenheit.“

Mit Quinn Emanuel eröffnet eine weitere Top-Kanzlei im US-Patentrecht in Deutschland. 2006 hatte Howrey ein Büro in München mit renommierten Patentrechtlern eröffnet (mehr…). 2007 war Fish & Richardson nach Deutschland gekommen (mehr…).

Für Allen & Overy bedeutet der Weggang des Teams einen herben Schlag. Grosch ist der einzige ausgewiesene Patentprozessrechtler der Kanzlei in Deutschland. Als IP-Partnerin verbleibt noch Dr. Nadine Herrmann mit fünf Associates im Hamburger Büro. Sie ist auf Technologietransfer und transaktionsbegleitendes IP spezialisiert.

Vor allem bei Patentprozessen entsteht nun jedoch eine Lücke, die nicht so leicht zu schließen sein dürfte. Die wenigen deutschen Experten auf diesem Gebiet gelten als sehr wechselunwillig. Dennoch will Allen & Overy weiter auf das streitige Patentrecht setzen. Die Kanzlei ist mit Büros in Düsseldorf, Mannheim, München und Hamburg vor den vier wichtigsten Spezialgerichten präsent. Senior Partner Dr. Neil Weiand sagte: „IP hat für Allen & Overy weiterhin einen hohen Stellenwert. Deshalb werden wir den Bereich Patentlitigation nach dem Weggang von Herrn Grosch nicht aufgeben, sondern wieder aufbauen.“

Grosch hatte zudem erst kürzlich auch die Leitung der Dispute Resolution-Praxis von Allen & Overy übernommen, nachdem der Prozessexperte Dr. Carsten Salger die Kanzlei im April verlassen und der Frankfurter IP-Partner Dr. Wolfgang Witz im Laufe des Jahres in den Ruhestand treten wird. Über die Nachfolge in der vergleichsweise kleinen Praxis hat die Kanzlei noch nicht entschieden.

Das Mannheimer Büro will Allen & Overy trotz des Verlusts der Mehrheit ihrer Anwälte weiterführen. Der Frankfurter Gesellschaftsrechtler Dr. Hans-Christoph Ihrig ist dabei verstärkt von Mannheim aus tätig. Er wird voraussichtlich im Juni mit drei Associates ganz nach Mannheim wechseln und das Büro weiterführen. (Mathieu Klos)

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