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19.02.2013

Nächster Coup: Anwaltslegende Wilhelm Haarmann wechselt zu Linklaters

Prof. Dr. Wilhelm Haarmann, eine der prägendsten Persönlichkeiten der deutschen Anwaltschaft, schließt sich Linklaters an. Der 62-jährige Steuer- und Gesellschaftsrechtler wechselt in das Frankfurter Büro der Magic-Circle-Kanzlei.

Wilhelm Haarmann

Wilhelm Haarmann

Linklaters ist es damit erneut gelungen, einen der größten Rainmaker im hiesigen Kanzleimarkt zu gewinnen. Vor rund fünf Jahren war bereits der damalige M&A-Star von Freshfields Bruckhaus Deringer, Dr. Ralph Wollburg, zu der britischen Konkurrentin gestoßen (mehr…).

Der Wechsel Haarmanns erfolgt aus ähnlichem Kalkül. Wie Wollburg in Düsseldorf soll nun Haarmann von Frankfurt aus die Kontakte in die Top-Etagen börsennotierter Konzerne und großer Familienunternehmen ausbauen.

Haarmann verfügt seit Jahrzehnten über ein bedeutendes Netzwerk zu Vorständen und Aufsichtsräten deutscher und internationaler Unternehmen sowie zu Bundes- und Landesministerien. Seit 1988 ist er Aufsichtsratsmitglied beim Dax-Konzern SAP, unter anderem war er auch Mitglied der Aufsichtsräte von vwd (mehr…) und Vodafone Deutschland. Im Jahr 2000 hatte er die britische Vodafone bei der Übernahme von Mannesmann beraten, die größte Unternehmenstransaktion auf deutschem Boden.

Lange geplant

Der Einstieg bei Linklaters war nach JUVE-Informationen seit vielen Monaten geplant, verzögerte sich jedoch immer wieder. Unter anderem war Haarmann in ein großes Schiedsverfahren involviert, das eine Tätigkeit bei Linklaters verhindert hatte. Für seine bisherige Kanzlei kam die Nachricht überraschend. Allerdings gab es in den vergangenen Monaten vor dem Oberlandesgericht Frankfurt bereits einen Streit um die Vertretungsmacht der Gesellschaft.

Über Haarmanns Aufnahme in die Partnerschaft beriet das Executive Committee von Linklaters, das höchste Geschäftsführungsgremium der Kanzlei, formal erstmals Ende Januar. In der anschließenden Partnerabstimmung sei am vergangenen Wochenende auch formal die Entscheidung für Haarmann abgesegnet worden, ist aus Kanzleikreisen zu hören.

Bis zuletzt war jedoch offenbar auch auf internationaler Ebene umstritten, wo Haarmann im Linklaters-Vergütungssystem eingestuft werden soll. Jetzt scheint auch hier eine Entscheidung gefallen: Anders als Wollburg wird Haarmann wohl nicht auf dem Plateau britischer Partner eingestuft, sondern auf der etwas niedrigeren höchsten deutschen Stufe.

Seit 2006 war Haarmann in eigener Kanzlei tätig (mehr…). Diese ist jedoch nie über den Status einer mittelgroßen Transaktions- und Steuerboutique hinausgekommen. 2012 waren zwei der ursprünglich vier Gründungspartner ausgeschieden (mehr…), nachdem die Kanzlei schon in den Jahren zuvor eine Reihe von Abgängen zu verzeichnen hatte (mehr…). Aktuell sind bei Haarmann neben dem Namenspartner noch zwei weitere Partner an Bord sowie fünf weitere Anwälte.

Legendärer Kanzleigründer

Zusammen mit seinem Kollegen Prof. Dr. Alexander Hemmelrath hatte der als Rechtsanwalt, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater dreifach qualifizierte Haarmann 1987 die multidisziplinäre Kanzlei Haarmann Hemmelrath gegründet, das sich bis Anfang der 2000er-Jahre zu einer der größten deutschen Anwaltskanzleien entwickelt hatte und international weiter verzweigter war als die allermeisten Wettbewerber. Noch heute gehört etwa die damalige Haarmann-Allianzpartnerin bpv Hügel zu den wichtigsten Kanzleien in Österreich.

Auch mit dem Ende von Haarmann Hemmelrath schrieb Haarmann Geschichte: Die Kanzlei zerbrach letztlich aufgrund einer angeblich fehlerhaften steuerliche Beratung des Familienkonzerns Werhahn. Die Vorwürfe erwiesen sich zwar später als haltlos (mehr…), dennoch wurde die Kanzlei ab 2006 liquidiert. (Jörn Poppelbaum)

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