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14.02.2013

Pleite nach Bilanzskandal: Grub Brugger stellt Hess-Insolvenzverwalter, Ärger geht weiter

Der von einem Bilanzfälschungsskandal erschütterte Leuchtenhersteller Hess ist pleite. Das Schwarzwälder Unternehmen reichte gestern beim Amtsgericht Villingen-Schwenningen Insolvenzantrag ein. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Martin Mucha, Partner im Stuttgarter Büro von Grub Brugger & Partner.

Martin Mucha

Die bundesweit angesehene Insolvenzkanzlei gilt in Villingen-Schwenningen als eine der gesetzten Adressen für größere Insolvenzverfahren. Mucha hatte zuletzt Ende des vergangenen Jahres ein größeres Verfahren erfolgreich abgeschlossen, die Insolvenz des Maschinenbauers Mathias Bäuerle. Mucha will sich nun zunächst um das Insolvenzgeld für die rund 300 Mitarbeiter der Hess AG und deren Tochter Hess Lichttechnik kümmern.

Als juristische Beraterin für insolvenzrechtliche Fragen und Restrukturierungsthemen agiert Görg für die Hess AG. Die Kanzlei berät mit einem Team um den Kölner Partner Dr. Christian Bärenz.

Christian Bärenz

Die Insolvenz des Unternehmens hatte sich zumindest für die Öffentlichkeit erst in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Ende Januar war der Vorwurf der Bilanzmanipulation gegen den bisherigen Vorstandschef Christoph Hess und Finanzvorstand Peter Ziegler aufgekommen (mehr…). Gegen beide ermittelt seither die Staatsanwaltschaft Mannheim wegen des Verdachts auf Anlagebetrug und Bilanzfälschung. Auch zwei weitere Mitarbeiter des Unternehmens sind inzwischen wegen Beihilfe ins Visier der Strafverfolger gerückt.

Umfangreiche Aufarbeitung

Das Unternehmen selbst hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe Till Becker als neuen Alleinvorstand eingesetzt und eine Sonderprüfung in die Wege geleitet. Juristisch arbeitet P+P Pöllath + Partners die Angelegenheit auf. Nach JUVE-Recherchen agiert die Kanzlei mit zwei separaten Teams an dem Fall. Eine Gruppe um Dr. Wolfgang Grobecker begleitet demnach den Aufsichtsrat bei der Aufklärung. Ein Team um den Münchner Partner Dr. Frank Thiäner operiere als Sonderprüfer, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch Mitglieder des Aufsichtsrats in den Bilanzskandal verwickelt sind oder zumindest Beihilfe geleistet haben.

Daneben hat die Hess AG die Wirtschaftsprüfer von Ebner Stolz Mönning Bachem mandatiert. Hier kümmern sich vor allem die Partner Dr. Wolfgang Rust und Dr. Volker Hecht um den Fall. Ziel dieser Son­deruntersuchung ist es, das genaue Ausmaß eines möglichen Schadens bei der Ge­sellschaft sowie etwaige bestehende Ansprüche festzustellen. Der Schaden könnte sich in einer zweistelligen Millionenhöhe bewegen, so Presseberichte.

Für Holland Private Equity (HPE), neben der Gründerfamilie zweiter Großaktionär des Unternehmens, geht JUVE-Recherchen zufolge der Hamburger Freshfields Bruckhaus Deringer-Partner Prof. Dr. Christoph Seibt möglichen Ansprüchen nach. Mögliche Forderungen von Anlegern prüft derweil die Kanzlei Rotter

Die im Zentrum des Skandals stehenden geschassten Vorstände Christoph Hess und Ziegler lassen sich sowohl zivil- als auch strafrechtlich vertreten. Hess, Enkel des Unternehmensgründers, setzt in zivil- und gesellschaftsrechtlichen Fragen sowie im Hinblick auf Compliance-Vorwürfe auf Gleiss Lutz. Dort agiert ein Team um die Stuttgarter Partner Dr. Christian Cascante, Dr. Hansjörg Scheel und Dr. Andreas Spahlinger. In strafrechtlicher Hinsicht setzt Hess auf Dr. Dietrich Quedenfeld aus der Stuttgarter Kanzlei Frick Quedenfeld. Sein Ex-Vorstandskollege Ziegler vertraut zivilrechtlich auf die Stuttgarter Kanzlei Kleiner und dort den Namenspartner Dr. Christoph Kleiner sowie Kristian Gamer. Für die strafrechtlichen Fragen hat Ziegler den Frankfurter Dr. Jürgen Fischer aus der Kanzlei Fischer & Euler mandatiert. Sowohl Hess als auch Ziegler bestreiten die Vorwürfe.

Geschasste Vorstände wehren sich

Hess und Ziegler hatten sich in einer ersten Stellungnahme bereits kurz nach ihrer Entlassung heftig gewehrt. Ihre Abberufung sei betrieben worden, ohne ausreichend zu den Vorwürfen gehört worden zu sein – insbesondere zu kritischen Buchhaltungsaspekten. Sie griffen die neue Unternehmensführung Becker und den Aufsichtsratsvorsitzen Tim van Delden, Vertreter des Großaktionärs HPE, massiv an und zweifelten deren Sanierungsabsichten an. Stattdessen arbeiteten diese vielmehr auf eine Insolvenz hin. So führe deren Vorgehen auch dazu, dass die Beraterhonorare in Millionenhöhe steigen werden. Mit der Sonderprüfung sei ausgerechnet Pöllath beauftragt, die bislang den Großaktionär HPE beriet.

Eigene Berater haben sich inzwischen auch die Banken besorgt, die wesentliche Verbindungen zur Hess AG haben. Sie vertrauen JUVE-Recherchen zufolge Dr. Andres Zanner, Frankfurter Partner von CMS Hasche Sigle. Auch auf die Banken könnte größerer Ärger zukommen, denn es steht auch die Frage im Raum, ob sie mögliche Bilanzverfehlungen nicht spätestens im Zusammenhang mit dem Börsenstart der Hess AG vor wenigen Monaten hätten erkennen können. Hess war im Oktober von einem Konsortium um die federführende Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) an die Börse gebracht worden. (René Bender)

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