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17.04.2013

Aufarbeitung: ThyssenKrupp beruft externe Berater und Ombudsmann

Der von diversen Skandalen erschütterte Konzern ThyssenKrupp hat seine Compliance-Aktivitäten intensiviert und ein Amnestieprogramm etabliert. Das Unternehmen beauftragte Noerr als externe Verstärkung für ihre Compliance-Organisation und berief den Düsseldorfer Taylor Wessing-Anwalt Dr. Dietrich Max zum Ombudsmann.

Dietrich Max

Dietrich Max

Gleichzeitig erklärte der Konzern, dass unter Leitung von Chief Compliance Officer Dr. Christoph Klahold ein zeitlich begrenztes Amnestieprogramm eingeführt wurde. Dieses läuft weltweit bis Mitte Juni und gilt nicht für Vorstände, Bereichsvorstände, Leiter der sogenannten Operating Units sowie Geschäftsführer von Konzernunternehmen. Andere Mitarbeiter, die bis zu diesem Zeitpunkt ihr Wissen über Compliance-Sachverhalte, namentlich Kartellabsprachen und Korruptionsvorfälle, offenbaren, sollen weder arbeits- noch schadensersatzrechtliche Konsequenzen zu befürchten haben. Der Konzern hofft mit diesem Angebot, den existierenden Missständen auf den Grund gehen zu können.

Die Beauftragung des angesehenen Gesellschaftsrechtlers Max, der vor Kurzem in den Status eines of Counsel wechselte, geht zeitlich über dieses Amnestieprogramm hinaus. Der 65-Jährige berät den Konzern schon seit vielen Jahren, fungiert nun aber als neutrale Vertrauensperson. Er ist berechtigt, den Auskunftspersonen Vertraulichkeit auch gegenüber ThyssenKrupp zuzusichern.

Der genaue Aufgabenzuschnitt von Noerr ist derzeit nicht bekannt, ebenso wenig, welche Anwälte beauftragt wurden. Noerr ist in Compliance-Fragen erfahren und berät unter anderem das EADS-Unternehmen Cassidian. Die Kanzlei war eine der ersten, die ein fachübergreifendes Beraterteam für Compliance aufstellte. Soweit bekannt bestanden bislang keine engeren Verbindungen zu ThyssenKrupp. In ihrem Team hat sie jedoch seit wenigen Wochen mit Oliver Jung einen Anwalt, der bis 2011 im Compliance-Team bei ThyssenKrupp tätig war (mehr…). Auch dürfte Chefjurist Arne Wittig die Kanzlei gut aus seinen Deutsche-Bank-Zeiten (mehr…) kennen.

ThyssenKrupp musste sich zuletzt gleich mehreren Kartellverfahren stellen und Millionenbußen zahlen. Aktuell laufen noch Ermittlungen wegen Absprachen über den Verkauf von Autoblechen. Für unerfreuliche Schlagzeilen sorgte das Unternehmen auch mit Luxusreisen für Journalisten und angebliche Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit einem Projekt in Kasachstan. Der halbe Vorstand wurde inzwischen ausgetauscht. Anfang April übernahm zudem Ulrich Lehner den Aufsichtsratsvorsitz von seinem langjährigen Vorgänger Gerhard Cromme. (Astrid Jatzkowski)

 

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