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15.10.2018

Eigenverwaltung: Tragsystemhersteller versucht Neustart mit Anchor und Gleiss

Anfang Oktober hat Europoles, ein großer Hersteller von Masten, Stützen und Tragsystemen mit 1.200 Mitarbeitern, Insolvenz angemeldet. Für das Verfahren in Eigenverwaltung verstärken Alexander Reus und Vincenz von Braun aus der Kanzlei Anchor die Geschäftsführung. Zum Sachwalter bestellte das zuständige Amtsgericht Nürnberg Dr. Harald Schwartz von SRI.

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Alexander Reus

Europoles hatte für ein 110 Millionen Euro schweres Großprojekt im Voraus viel investiert und personell aufgestockt. Als dieser Auftrag kurzfristig gestoppt wurde, war das Unternehmen nicht mehr liquide. Die jetzt begonnene Eigenverwaltung soll für eine Restrukturierung genutzt werden. Europoles ist ein Portfoliounternehmen der VTC Beteiligungsgesellschaft in München und zählt rund 1.200 Mitarbeiter.

Europoles war unabhängig von der akuten Krise in den vergangenen Jahren schon im Fokus von Beratern mit Restrukturierungsauftrag. Dem Vernehmen nach war die Sanierung auf einem guten Weg, bis der Liquiditätsengpass eintrat.

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Vincenz von Braun

Berater Europoles
Gleiss Lutz (Stutgart): Dr. Matthias Tresselt; Associates: Sonja Miletzki (Berlin), Friedrich Schlott, Joachim Glöckler (alle Corporate/Restrukturierung)
Anchor (München): Alexander Reus, Vincenz von Braun (Geschäftsführung; Insolvenzrecht)

Sachwaltung
SRI (Nürnberg): Dr. Harald Schwartz (Sachwalter)

Hintergrund: VTC hatte die Europoles-Aktivitäten in den vergangenen Jahren mehrfach durch Transaktionen erweitert. Sie erwarb 2014 mit Hilfe von Heuking Kühn Lüer Wojtek den polnischen Stahlmastenhersteller Kromiss-Bis. 2016 kam dann ein Teil des Offshoregeschäfts von Bilfinger hinzu, die Transaktion beriet P+P Pöllath + Partners.

Die Kanzlei des Sachwalters Schwartz hat seit Jahren einen festen Platz unter den viel bestellten Verwaltersozietäten in Bayern, wird jedoch nicht so häufig für überregional auffällige Verfahren berücksichtigt. Im Sommer allerdings wurde Schwartz-Partner Dr. Jochen Zaremba vom Gericht in Coburg mit der Insolvenz des Möbelherstellers Ewald Schillig beauftragt, der 230 Mitarbeiter hatte.

Anchor hat sich seit dem Spin-off von Wellensiek 2007 zu einer interdisiziplinären Beratungseinheit für Sanierung und Insolvenz entwickelt. In der klassischen Insolvenzverwaltung ragt der Fall Alno-Küchen heraus, der nach einer kurzen Phase der Eigenverwaltung bei Prof. Dr. Martin Hörmann als starkem Verwalter landete. Der Mannheimer Partner Tobias Wahl kümmert sich aktuell um die Rettung des Marburger Ionenstrahl-Therapiezentrums. Neben der Sanierungsberatung setzt Anchor seit einigen Jahren auch auf die krisennahe Unternehmensberatung, speziell auf das Interims-Management.

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Matthias Tresselt

Gleiss Lutz ist seit 2014 für Europoles tätig und hat das Unternehmen seitdem bei der außergerichtlichen Restrukturierung und Refinanzierung begleitet. Bei der Refinanzierung im Jahr 2015 hatten zudem Dr. Andreas Spahlinger und Dr. Kai Birke beraten. Die Zusammenarbeit zwischen Anchor und Gleiss, die seit 2014 Europoles zu Restrukturierungsschritten berät, hat sich auch bei Alno bewährt. (Markus Lembeck)

 

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