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16.11.2018

Goldfinger-Folgen: Kanzlei AFR löst sich auf

Die Kanzlei AFR Aigner Fischer Rechtsanwälte ist Geschichte. Wie Recherchen des JUVE Steuermarkt ergeben haben, hat sich die Sozietät Anfang Oktober aufgelöst. Hintergrund sind die Verwicklungen einiger Partner in die sogenannten Goldfinger-Ermittlungen.

Zwar ist AFR noch im Unternehmensregister verzeichnet, allerdings ist die Homepage der Kanzlei bereits seit Oktober nicht mehr zu erreichen. Zudem haben sich alle Anwälte mittlerweile anderen Häusern angeschlossen oder selbstständig gemacht. So sind vier ehemalige AFR-Juristen laut Unternehmensregister mittlerweile als FMDH Fischer Muess Dittmer Heilmeier tätig, zwei weitere firmieren unter GHSR Goerg Hunstein, einer unter dem Kunstnamen emnay.

Hintergrund des Auseinanderbrechens von AFR ist die Verwicklung einiger Partner in die sogenannten Goldfinger-Geschäfte. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hatte Mitte Januar in einer großangelegten Razzia mehr als 200 Wohn- und Geschäftsräume in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchsucht. Über 100 Beschuldigte sollen in dem Fall Steuern hinterzogen und einen potenziellen Schaden von mehreren 100 Millionen Euro verursacht haben. Insgesamt saßen sieben Berater aus unterschiedlichen Kanzleien zwischenzeitlich für einige Monate in Untersuchungshaft. Nach Beschwerden vor dem Oberlandesgericht sind alle Beschuldigten gegen Auflagen wieder auf freiem Fuß.

Steuerberatungsgesellschaft verbuchte Goldfinger-Gewinne

Die Staatsanwaltschaft hatte zu Beginn der Ermittlungen mitgeteilt, dass der Verdacht bestehe, „dass zwei Beschuldigte ein illegales Steuersparmodell initiiert und maßgeblich zusammen mit drei weiteren Beschuldigten betrieben haben. Die weiteren Beschuldigten stehen im Verdacht, dieses von den Initiatoren vertriebene Modell umgesetzt und im Zeitraum von 2009 bis 2016 nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt zu haben.“

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sind zwei Ex-AFR-Partner die Initiatoren der Geschäfte gewesen. Dafür nutzten sie – wie aus Beraterkreisen hervorgeht – jedoch nicht die Kanzlei AFR, sondern die von ihnen gegründete Steuerberatungsgesellschaft H.G. Perseus, die sie neben AFR betrieben haben. Nur in der Steuerberatungsgesellschaft seien die Gewinne aus den Goldfinger-Geschäften angefallen.

Für die Steuerberatungsgesellschaft sind nach Recherchen des JUVE Steuermarkt auch zwei weitere ehemalige AFR-Anwälte tätig gewesen. Die betroffenen Anwälte fühlen sich aber zu Unrecht von der Staatsanwaltschaft verfolgt.

Ausländische Goldhandelsfirmen im Ermittlungszentrum

Laut Staatsanwaltschaft Augsburg sind die Ermittlungen in dem aktuellen Fall weit vorangeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Allerdings wechselte die bislang zuständige Staatsanwältin Simone Bader als Richterin ans Landgericht Augsburg. Zudem konzentriert sich die Staatsanwaltschaft, die bereits seit 2012 ermittelt, JUVE-Recherchen zufolge weniger auf das Modell selbst. Vielmehr geht sie Verdachtsmomenten nach, wonach es sich bei den im Ausland eingesetzten Firmen um Scheinfirmen mit nicht ausreichender wirtschaftlicher Substanz handeln könnte.

Das Steuervermeidungs-Modell ‚Goldfinger‘ war bis 2013 beliebt: Spitzenverdiener erzeugten mit dem Kauf von Gold oder anderen Edelmetallen Verluste. Für die Transaktionen bedienten sie sich einer eigens dafür gegründeten Goldhandelsfirma im Ausland. Der Trick dabei: Die Firma musste in einem Land sitzen, mit dem ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht. Dann konnte der Steuerpflichtige seine Verluste aus dem Ankauf von Gold bei der Ermittlung des Progressionsvorbehaltes in Deutschland geltend machen. Im besten Fall betrug der auf das inländische Einkommen anzuwendende persönliche Steuersatz dann sogar null.

Der Gesetzgeber machte dem Treiben 2013 ein Ende. Zuvor hatte der Bundesrechnungshof gerügt, dass dem Staat durch die Goldgeschäfte jährlich Steuern in dreistelliger Millionenhöhe entgingen. (Ulrike Barth)

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