Artikel drucken
19.03.2019

Berlin: CLP-Direktor Markus Hartung steigt bei Flightright-Spin-off ein

Nachdem der Legal-Tech-Pionier Flightright schon vor einigen Monaten die Arbeitsrechtskanzlei Chevalier aus der Taufe gehoben hat, ist dort nun Markus Hartung (61) als Geschäftsführer und Gesellschafter eingestiegen. Der ehemalige Linklaters-Partner war zuletzt geschäftsführender Direktor des Center of the Legal Profession (CLP) an der Hochschule Bucerius in Hamburg. Nach JUVE-Informationen stehen im Laufe des Jahres auch Veränderungen im Direktorium des CLP an.

Markus Hartung

Markus Hartung

Gemeinsam mit den Digitalisierungsgründern Marius Eßer, Markus Petrykowski und Simon Wolff will Hartung nun das Projekt Chevalier vorantreiben. Das Arbeitsrecht-Start-up besteht aus der Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, zu der derzeit vier Anwälte gehören, und der Chevalier GmbH, die Technologie und Service zur Verfügung stellt. Hartung ist Geschäftsführer der Rechtsanwaltsgesellschaft, Eßer Petrykowski und Wolff sind Geschäftsführer der GmbH. Gegründet wurde Chevalier mithilfe des Fluggastportals Flightright bereits Mitte vergangenen Jahres. Anfang des Jahres ist zudem der Intermedia-Verlag bei Flightright eingestiegen, zu dem unter anderem Soldan und der Deutsche Anwaltverlag gehören. 

Software, Projektmanager und Anwälte

Im Gegensatz zu Flightright wurde Chevalier jedoch als Kanzleiform gegründet. Auch wenn Kündigungen häufig nach Schema F ablaufen, ist die Beratung doch individueller als bei einem verspäteten Flug. Deshalb erhofft sich die Start-up-Kanzlei auch eine höhere Marge als bei Flugverspätungen.

Seit ihrem offiziellen Start im Oktober vergangenen Jahres hat Chevalier knapp 300 Mandanten beraten. Sie setzt dabei einerseits auf juristisch vorgebildete Projektmanager, die die Mandanten von der ersten Kontaktaufnahme an betreuen, den Fall einordnen und den Prozess steuern, während sich die Anwälte auf die juristische Einzelberatung konzentrieren sollen. Parallel sorgt eine selbst entwickelte Software samt elektronischer Akte für die Automatisierung der Abläufe. Ziel ist, dass mit wachsender Anzahl von Fällen ein mit dem Know-how von Flightright programmierter Algorithmus künftig immer zuverlässiger die Höhe von möglichen Abfindungen vorhersagen kann.

Bislang wurde ein Großteil der Fälle über Rechtsschutzversicherungen der Mandanten finanziert. Ein kleinerer Teil von rund 30 Prozent wählte die Prozessfinanzierung über die voraussichtliche Abfindung. Es ist auch möglich, die Rechnung einfach klassisch nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz zu zahlen.

Gründungsanwalt von Chevalier war im vergangenen Jahr zudem der Arbeitsrechtler Tim Schneidewind. Er ist auch Partner der Leipziger Kanzlei KTR, die in unterschiedlichen Rechtsgebieten berät. Dazu gehören neben Arbeitsrecht auch Marken- und Wettbewerbsrecht, Urheberrecht sowie IT- und Datenschutzrecht. Zielgruppe sind Unternehmensgründer und junge Unternehmen.

Fieldfisher beriet Kanzleigründung

Für Hartung, der schon seit Jahren das Thema Legal Tech in Forschung und Lehre voran treibt, ist das neue Projekt eine logische Fortführung seiner bisherigen Arbeit: „Als sich jetzt die Gelegenheit bot, das alles selber zu machen, zu beweisen, dass es nicht nur Theorie bleiben muss, sondern wirklich funktionieren kann, und das auch noch in einem Super-Team – da war für mich völlig klar, was ich machen muss”, sagte er. Beraten wurden die Chevalier-Gründer und auch Gesellschafterin Flightright von den Fieldfisher-Anwälten Dr. Philipp Plog und Martin Lose.

Der frühere Linklaters-Partner Hartung ist seit 2010 Direktor des CLP. Seit Anfang 2017 leitet er es gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt, Partner bei Freshfields Bruckhaus Deringer. Demnächst stehen offenbar auch Veränderung im Leitungsgremium des Bucerius-Instituts an, genaueres soll nach JUVE-Informationen im Laufe des Jahres bekannt gegeben werden. (Christiane Schiffer)

  • Teilen