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18.04.2019

Brexit-Hängepartie: LLP-Kanzleien schieben den Rechtsformwechsel auf

Die politische Verlängerung des Brexits in London und Brüssel gehen einige LLP-Kanzleien mit: Noerr und Clifford Chance haben den vorbereiteten Formwechsel vorerst ausgesetzt. Die Vorteile der LLP sind für sie zu überzeugend, um nicht doch noch auf den Verbleib der Briten in der EU zu hoffen. Auch Freshfields Bruckhaus Deringer hält sich ihre künftige Rechtsform offen. Nach JUVE-Recherchen will sie wegen der berufsrechtlichen Risiken des Brexits für ihre zahlreichen, in Prozessen tätigen Partner in eine Partnerschaftsgesellschaft wechseln. Die Kanzlei äußert sich zu den Gründen nicht offiziell.

Bereits im Vorfeld des ersten Brexit-Termins Ende März hatten Clifford und Noerr angedeutet, solange als LLP firmieren zu wollen, wie dies möglich sei. Während einige kleinere Einheiten wie HFK Rechtsanwälte und Raue bereits umfirmiert haben, binden etwa Noerr, Clifford, Chatham Partners und auch Freshfields den Wechsel strikt an einen No-Deal-Brexit. Denn auch ein geordneter Brexit würde es den Kanzleien im Rahmen der Übergangsfrist erlauben, mindestens zwei Jahre als LLP in Deutschland weiterzumachen.

JUVE-Informationen zufolge plant beispielsweise Clifford von Brexit-Termin zu Brexit-Termin. Da es möglich scheint, dass Großbritannien ab sofort jeweils zum ersten Tag des Folgemonats die EU verlässt, würde die Kanzlei jeweils zum Monatsende Notartermine anberaumen. Letzter potenzieller Termin ist der 31. Oktober. Auch bei Noerr ist der Formwechsel vorerst aufgeschoben. Allerdings gibt es in der Kanzlei durchaus Stimmen, die davor warnen, sich vor den Karren der politischen Unentschlossenheit spannen zu lassen. Irgendwann brauche man Sicherheit, zumal die Kanzlei den Wechsel bereits en detail vorbereitet hat. Beispielsweise hat die Kanzlei bereits das neue Briefpapier drucken lassen.

Auch nach dem Brexit eine europäische Kanzlei

Freshfields bestätigte gegenüber JUVE, dass sie für das Deutschlandgeschäft den Wechsel in eine PartG mbB plant, „die vollständig Teil der Kanzlei sein würde”. Im Markt hatten sich zuletzt die Hinweise verdichtet, dass die Gerüchte um die Brexit-Pläne der Kanzlei stimmen. Wie aus dem Partnerschaftsregister hervorgeht, gründete Freshfields bereits Ende März eine PartG mbB, um im Brexit-Fall das deutsche Geschäft zu migrieren und wie Clifford einen Verwaltungssitz in Frankfurt zu gründen.

Auch die Gründe für den geplanten Wechsel scheinen mittlerweile klarer: Ausschlaggebend ist dem Vernehmen nach die Postulationsfähigkeit der Freshfields-Anwälte. Dieses Risiko will die Kanzlei im Fall eines No-Deal-Brexits nicht eingehen. Vor allem für die Vielzahl der bei Freshfieds in laufende Gerichtsverfahren involvierten Partner wäre die Gefahr zu groß und ließe sich auch nicht pauschal über die Mandatsvereinbarung auffangen, meinen Experten.

Manche Marktbeobachter sehen durch den Brexit den europäischen Integrationsprozess im Rechtsmarkt torpediert, zudem schwäche er die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Großkanzleien im internationalen Wettbewerb. Auch Freshfields würde durch den Wechsel in die PartG mbB in ihrer DNA angegriffen, da sie sich wie keine andere als europäische Kanzlei fühle, meinen einige. Dem tritt die Kanzlei entgegen und teilt mich, dass sie „im Falle eines harten Brexits unverändert als ein Unternehmen operieren“ werde.  (Martin Ströder)

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