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15.08.2019

Prozessfinanzierung: Burford wehrt sich mit Quinn, Freshfields und Morrison & Foerster gegen Attacke

Prozessfinanzierer Burford Capital, hierzulande bekannt für die Finanzierung der von Hausfeld betriebenen Diesel-Massenklagen gegen Volkswagen, hat Ärger. In einem Bericht ging der US-Leerverkäufer Muddy Waters mit den Geschäftspraktiken des Litigations-Funders hart ins Gericht. Infolgedessen brach Burfords Aktienkurs ein. Nun wehrt sich Burford gegen die Vorwürfe und spricht selbst von Marktmanipulation.

John Quinn

John Quinn

Burford sieht sich in der Rolle des Opfers. Um der „Marktmanipulation“ auf die Spur zu kommen, will der amerikanische Prozessfinanzierer laut einer Mitteilung eine forensische Untersuchung der Handelsdaten vom 6. und 7. August einleiten, um mögliche „illegale Aktivitäten“ aufzudecken. Dazu habe man bereits die Kanzleien Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan, Freshfields Bruckhaus Deringer und Morrison & Foerster engagiert, um dem Sachverhalt auf die Spur zu kommen.

Das Team von Quinn Emanuel wird vom Londoner Co-Managing-Partner Richard East und dem Partner Khaled Khatoun angeführt. In den USA werden sie von dem geschäftsführenden Gesellschafter der Kanzlei, John Quinn, sowie den New Yorker Partnern Andy Rossman und Corey Worcester und dem Washingtoner Partner Mike Liftik unterstützt. Bei Morrison & Foerster übernehmen zwei Prozesspartner die Leitung: Der New Yorker Partner Michael Birnbaum und Scott Llewellyn aus Denver. Freshfields setzt ein Team unter der Leitung von Christopher Mort und Ali Sallaway für Burford ein.

Was war passiert?

Muddy Waters, ein US-Leerverkäufer, hatte einen Bericht und ab dem 6. August mehrere Tweets publiziert, in denen er seine Short-Position zu Burford erklärt. Der Bericht zweifelt an der finanziellen Substanz von Burford und kritisiert die Geschäftspraktiken des Unternehmens hart.

So wird Burford vorgeworfen, der Prozessfinanzierer führe eine „Enron-esque“ Buchhaltung, eine Anspielung auf den Bilanzfälschungsskandal des ehemaligen amerikanischen Energiekonzerns Enron. Burfords Finanzberichte seien methodisch fragwürdig, die Governance-Kultur undurchsichtig, heißt es in dem Muddy-Waters-Bericht weiter. Zudem sei es noch untertrieben, die Vermögenswerte der von Burford finanzierten Prozessen als „esoterisch“ zu bezeichnen. Der Prozessfinanzierer stütze sich auf nur wenige lukrative Fälle. Der Bericht kommt zu dem Schluss, Burford sei ein „armes Unternehmen“ und „wohl insolvent“.

Einstürzender Aktienkurs

In der Folge ging der Aktienkurs von Burford ab dem 6. August auf Talfahrt: Er gab um mehr als 40 Prozent nach und erholte sich in den vergangenen Tagen nur leicht. Der Prozessfinanzierer sieht sich daher einer „Leerverkäufer-Attacke“ ausgesetzt, wie es in einer Mitteilung heißt. Konkret ist von „Spoofing“ und „Layering“ die Rede. Bei diesen Methoden werden Verkäufe vorgetäuscht, um Marktteilnehmer über das tatsächliche Ausmaß an Angebot und Nachfrage zu täuschen.

Dazu hat Burford bereits eine Analyse von Joshua Mitts, Professor an der Columbia Law School in New York, durchführen lassen, aus der hervorgehe, dass am 6. August im Volumen von 90 Millionen Pfund Verkaufsordern aufgegeben und dann storniert wurden. Das habe zu dem Kursabsturz um 60 Prozent in zehn kurzen Handelsperioden von rund einer Minute geführt. Am folgenden Tag habe es ein noch größeres Volumen solcher stornierten Aufträge gegeben.

Auf die Kritik im Muddy-Waters-Bericht ging Burford bereits in der vergangenen Woche Punkt für Punkt ein. Der Bericht von Muddy Waters sei falsch und irreführend, so Burford, und geht im Folgenden auf die „vielen sachlichen Ungenauigkeiten des Berichts, einfache Analysefehler und den selektiven Einsatz von Informationen“ ein. Burford betonte zudem, dass man auf eine Vielzahl von Kapitalquellen zurückgreifen könne und zum Stichtag 5. August über liquide Mittel von über 400 Millionen Dollar verfügt habe.

Dem Leerverkäufer reichen diese Erklärungen jedoch nicht. Muddy Waters hält seine Kritik insbesondere an den Accounting-Methoden von Burford aufrecht. Auch auf die Ankündigung von Burford, wegen der vermuteten Kursmanipulation die Börsenaufsicht Financial Conduct Authority (FCA) einzuschalten, reagierte der Leerverkäufer. Muddy Waters sei bereit, die FCA bei jeder Untersuchung zu unterstützen und habe nichts zu verbergen, was das eigene Handeln betrifft, heißt es in einer Mitteilung. Die „einzige Manipulation“, die es gebe, finde in Burfords Geschäftsberichten statt.

Die New Yorker Kanzlei Rosen Law Firm versucht bereits, Aktionäre für eine Sammelklage gegen Burford hinter sich zu bringen. 

Auch VW-Fall in der Kritik

Auf das Investment bei Hausfeld geht Muddy Waters in seiner Burford-Kritik explizit ein und hält dem Prozessfinanzierer vor, dass die VW-Klage in Deutschland bislang erfolglos war und nun zum Bundesgerichtshof (BGH) getrieben werden müsse. Darüber hinaus habe der BGH im Februar 2019 entschieden, dass Burford die Möglichkeit verwehrt wird, den Erlös aus dem Hausfeld-Fall einzuziehen.

Burford gibt sich in seiner Replik gelassen: Da VW bereits mehr als 30 Milliarden Dollar an Vergleichszahlungen im Zusammenhang mit der Dieselkrise gezahlt habe, könne man den Fall auch positiver bewerten.“ Zudem, so Burford weiter, betreffe das BGH-Urteil, welches im Übrigen bereits im September 2018 ergangen sei, eine nicht von Burford finanzierte Gewinnabschöpfungsklage und habe daher mit Hausfelds VW-Verfahren oder Burford insgesamt nichts zu tun.

Burford wurde 2009 in den USA gegründet und ist im Alternative Investment Market an der Londoner Börse gelistet. In Deutschland ist der Prozessfinanzierer vor allem aufgrund seines Engagements bei der amerikanische Klägerkanzlei Hausfeld bekannt. Diese wird seit ihrer Eröffnung hierzulande durch die „Bereitstellung von mindestens 30 Millionen Euro für die Finanzierung von Rechtsstreitigkeiten deutscher Mandanten“ unterstützt. Darunter ist auch der Prozess gegen VW, der gemeinsam mit dem Rechtsdienstleister Myright gesteuert wird. 

Mit der Finanzierung durch Burford im Rücken hat Hausfeld ihre Aktivitäten in den vergangenen Jahren ausgebaut. So verfolgt die Kanzlei neben den zehntausenden Klagen von VW-Kunden auch andere Massenklagen. Hausfeld vertritt unter anderem verschiedene Logistikverbände unter Führung des Bundesverbandes Güterverkehr BGL in Klagen wegen illegaler Preisabsprachen von Nutzfahrzeugherstellern gegen das sogenannte LKW-Kartell.

Die Portfolio-Finanzierung von Prozessen einer Kanzlei gehört ebenso zum Geschäftsmodell von Burford wie die Finanzierung einzelner Fälle von Kanzleien und Unternehmen. Mittlerweile prüft Burford einen Börsengang an der New Yorker Börse oder am Nasdaq, nachdem Investoren die ausschließliche Notierung an der London Stock Exchange kritisiert hatten. (Ulrike Barth)

Wir haben den Artikel am 15. August 2019 ergänzt.

 

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