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12.05.2021

Grenke: Neuer Chief Compliance Officer kommt von der Staatsbank Baden-Württemberg

Grenke baut ihr Compliance-Team aus: Achim Kunkel, bislang Bereichsleiter Recht bei der Karlsruher L-Bank, ist seit Mitte April Chief Compliance Officer und Head of Corporate Compliance. Das börsennotierte Unternehmen Grenke muss sich derzeit mehreren Untersuchungen unterziehen und verstärkte daher jüngst schon die Vorstandsetage.

Kunkel hatte seine Laufbahn bei 2004 bei Gleiss Lutz begonnen und wechselte dann 2007 zur Swiss Re. Bei seinen mehrjährigen Stationen in Luxemburg, Bratislava und Zürich trug er unter anderem die Personalverantwortung für die Corporate-Abteilung, managte die konzernweite Legal-Entity-Datenbank, arbeitete an der Schnittstelle zur Schweizer Aufsicht Finma und befasste sich mit der Weiterentwicklung der globalen Compliance-Abteilung. 2018 ging er als Bereichsleiter Recht zur L-Bank, der Staatsbank für Baden-Württemberg, wo er ein 25-köpfiges Team leitete und primär für regulatorische Themen und Finanztransaktionen zuständig war.

Dass Grenke mit seinem Zugang auch die Compliance-Funktion insgesamt ausgeweitet hat, gilt als recht wahrscheinlich. In seiner neuen Funktion ist Kunkel nun gruppenweit für Compliance und deren Weiterentwicklung zuständig – dazu gehören auch Geldwäscheprävention, Datenschutz und Informationssicherheit. Er berichtet an Vorständin Isabel Rösler, die  zum Jahresbeginn als Chief Risk Officer an Bord geholt wurde. Marcel Bodemer, bislang Chief Compliance Officer des Leasing-Anbieters, reiht sich angesichts der Prozessausweitungen nun als Kunkels Stellvertreter ein.

Kostenexplosion bei den Aufräumarbeiten

Grenke, die sich als Finanzierungspartner für den Mittelstand sieht, erwähnte im Zuge Ihrer vorläufigen Jahresbilanz 2020 auch steigende Prüfungs- und Beratungskosten, die der im September 2020 veröffentlichten Bericht eines Leerverkäufers ausgelöst habe. Diese addierten sich zum Jahresende auf 24,2 Millionen Euro – und lagen damit rund 10 Millionen über dem Budget von 2019. Das aktuelle Kalenderjahr betrachtet das SDax-Unternehmen als ‚Übergangsjahr‘, in dem die Maßnahmen aus den Sonderprüfungen weitgehend umgesetzt werden sollen.

„Vorstand und Aufsichtsrat haben die Kritikpunkte aus den noch laufenden Sonderprüfungen aktiv aufgenommen, zahlreiche Veränderungen initiiert und betreiben deren Umsetzung mit Nachdruck“, hieß es in einer Presseaussendung. So sei in der Grenke Bank schon die Geldwäscheprävention durch das Transaktionsmonitoring intensiviert worden. Zudem würden Kontroll- und Prüfprozesse sowie die Risikoanalyse optimiert. Unterhalb der Vorstandseben wurde nicht nur die Corporate Compliance, sondern auch die Konzernrevision personell ausgeweitet. Das Baden-Badener Unternehmen, zu dem auch die Grenke Bank gehört, wird im Umbauprozess von einem Partnerteam von Hengeler Mueller begleitet.

Interner Nachwuchs bei der Staatsbank

Bei der L-Bank führt seit März Karsten Klein das Rechtsteam, er war seit dem vergangenen Jahr Kunkels Stellvertreter. Klein war als Anwalt und beim Land Baden-Württemberg tätig, bevor er 2011 zu dessen Kreditinstitut wechselte. Als Bereichsleiter Recht hat er ein Team von 40 Mitarbeitern, die sich auf das Stammhaus in Karlsruhe und den weiteren Dienstsitz in Stuttgart verteilen.

Die L-Bank hatte angesichts der Corona-Pandemie im Jahr 2020 Fördermittel in Höhe von 12,1 Milliarden Euro vergeben und damit 46 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit einer Bilanzsumme von zuletzt 86,8 Milliarden Euro zählt die L-Bank zu den 20 größten Finanzinstituten Deutschlands. (Sonja Behrens, Astrid Jatzkowski)

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