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08.10.2009

Ausgestritten: Haarmann/Werhahn-Prozess endet mit Vergleich

Der langwierige Rechtsstreit zwischen der ehemaligen Kanzlei Haarmann Hemmelrath & Partner und der Neusser Werhahn-Gruppe ist abgeschlossen. Die Parteien einigten sich am vergangenen Montag in einem Vergleich auf die Beendigung des beim Landgericht Düsseldorf anhängigen Schadensersatzprozesses. Der Familienkonzern Werhahn wird Haarmann Hemmelrath & Partner i. L. (HHP) eine Ausgleichszahlung für „die Aufwendungen und Nachteile leisten“, die die Kanzlei in Folge einer Klage Werhahns wegen angeblicher Falschberatung erlitten haben soll. Über die Einzelheiten des laut Pressemitteilung „beiden Seiten gerecht werdenden Vergleichs“ haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

HHP hatte Werhahn in dem jetzigen Verfahren vorgeworfen, durch eine von ihr im August 2004 angestrengte Feststellungsklage und durch die Forderung von 430 Millionen Euro Schadensersatz wesentlich zum Niedergang der Kanzlei beigetragen zu haben. Dafür forderte HHP ihrerseits Schadensersatz in Höhe von 68 Millionen Euro (mehr).

Parallel dazu hatte der ehemalige Gründer der Kanzlei, Prof. Dr. Wilhelm Haarmann, ebenfalls Klage gegen Werhahn und ihren damaligen Prozessvertreter Dr. Bernd-Wilhelm Schmitz (damals Latham & Watkins, jetzt in eigener Kanzlei) beim LG Düsseldorf angestrengt. Dabei soll es um weitere 3,2 Millionen Euro Schadensersatz gegangen sein.

Im Laufe der Vergleichsverhandlung hatte der Mischkonzern Werhahn, zu dem unter anderem der Solinger Messer- und Kochgerätehersteller Zwilling gehört, vor geraumer Zeit bereits eine Summe von neun Millionen Euro in Aussicht gestellt, um das Verfahren vor dem LG Düsseldorf zu beenden. Die ehemaligen Haarmann-Partner hatten dagegen immer eine Einigung bei einem mindestens zweistelligen Millionenbetrag angestrebt.

Die genaue Summe, auf die sich beide Parteien jetzt geeinigt haben, ist nicht bekannt.
In solchen Verfahren ist jedoch ein Betrag üblich, der 10 bis 15 Prozent des Streitwertes umfasst, der sich – zählt man beide Klagen zusammen – auf insgesamt 71,2 Millionen Euro beläuft. Nach letzten JUVE-Informationen soll die Vergleichssumme allerdings noch deutlich unter diesem Prozentwert gelegen haben, bei maximal fünf Millionen Euro.

Im letzten Erörterungstermin vor dem Landgericht Düsseldorf hatte der Prozessvertreter von Werhahn, Hengeler Mueller-Partner Dr. Markus Meier, noch unterstrichen, dass eine Zahlung Werhahns sämtliche potenzielle weiteren Forderungen von Ex-Haarmann-Partnern und Gläubigern der Kanzlei ausschließen müsste (mehr). Ob der Vergleich entsprechende Regelungen vorsieht, wollten weder Werhahn noch die Liquidatoren von HHP näher kommentieren.

Auch die Klage gegen Dr. Bernd-Wilhelm Schmitz, der als Nebenintervenient dem Schadensersatzverfahren beigetreten war, wird mit dem nun geschlossenen Vergleich zurück genommen. (Ulrike Barth)

Erstmals veröffentlicht auf www.juve.de am 06. Oktober 2009

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