Artikel drucken
03.04.2012

Q-Cells-Pleite: hww-Partner Hennig Schorisch wird Insolvenzverwalter

Der ehemals weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells ist nun auch offiziell pleite. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter des Unternehmens mit Sitz in Thalheim in Sachsen-Anhalt bestimmte das Amtsgericht Dessau-Roßlau Hennig Schorisch, der in Halle/Saale Partner der Sozietät hww Wienberg Wilhelm ist. Das Unternehmen hatte den Berliner Insolvenzexperten Hartwig Albers vorgeschlagen, Partner bei Brinkmann & Partner.

Zu den von Albers betreuten größeren Insolvenzverfahren der vergangenen Jahre gehörte unter anderem 2010 die des Kabelnetzbetreibers Primacom (mehr…)..Das Gericht begründete seine Entscheidung indes nicht.

Für Schorisch ist es das zweite Insolvenzverfahren, mit dem er binnen weniger Tage beauftragt wurde. Seit Ende März kümmert er sich auch um die Pleite der FTD Fahrzeugtechnik GmbH. Die Pleite von Q-Cells ist aber nun für Schorisch das mit Abstand prominenteste Verfahren, mit dem er bislang betraut wurde. Zu Schorischs bisher größten Fällen gehören die Insolvenzen der sächsischen Möbelkette Zick mit 1.250 Beschäftigten und des 1.000 Mitarbeiter starken Logistikers E-Logistics24, ebenfalls aus Sachsen. Schorischs Kanzlei hww ist zudem seit wenigen Tagen mit einem weiteren Insolvenzverfahren in der Solarbranche befasst. Der bekannte Insolvenzverwalter und Namenspartner Rüdiger Wienberg wurde zum Verwalter des brandenburgischen Unternehmens Odersun bestellt. Hier sind 260 Mitarbeiter betroffen.

Q-Cells, die bei ihrer geplanten Sanierung Hengeler Mueller vertraute, ist bereits das vierte große deutsche Solarunternehmen, das Insolvenz anmelden muss. Zuvor waren schon Solarhybrid, Solar Millennium und Solon (mehr…) in die Pleite gerutscht. Auch bei Solon stellte hww den Insolvenzverwalter, hier fiel die Wahl ebenfalls auf Rüdiger Wienberg.

Gründe für die Probleme der deutschen Solarindustrie sind unter anderem die wachsende Konkurrenz aus China und die Kürzungen der staatlichen Förderungen. Auch bei Q-Cells hatte es deswegen seit Langem gekriselt. Alleine im vergangenen Jahr verbuchte das einstige Vorzeigeunternehmen der Branche einen Verlust von 846 Millionen Euro. Wie viele der 2.200 Arbeitsplätze bei Q-cells nun gefährdet sind, ist noch nicht klar.

Q-Cells wollte sich zuletzt unter anderem dadurch sanieren, dass Gläubiger mehrerer Anleihen des Unternehmens einen Zahlungssaufschub gewähren und auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Dafür hatte das Unternehmen mit wesentlichen Gläubigern Ende Februar einen Schulden-und Kapitalschnitt vereinbart. Allerdings durchkreuzte ein Gerichtsurteil  in der vergangenen Woche diese Pläne. Das OLG Frankfurt hatte dem Holzverarbeiter Pfleiderer und dessen Sanierungsplan letztlich deswegen blockiert, weil dieser ebenfalls mithilfe von Hengeler seine Anleihe auf einem ähnlichen Weg restrukturieren wollte. Daraufhin hatte schon Pfleiderer Insolvenz angemeldet (mehr…).

Auch bei Q-Cells gab es schon länger Streit um die geplante Sanierung. Zuletzt hatte die kleine Anlegerschutzkanzlei Dreier Riedel für einen einzelnen Anleger geklagt, um eine fristgerechte Auszahlung seiner Einlage zu erzielen. Dreier Riedel-Namenspartner Peter Dreier hatte Anleger auch schon im Sanierungskomplex Pfleiderer vertreten, die aber trotz des juristischen Erfolgs leer ausgingen. Sowohl bei Pfleiderer als auch bei Q-Cells stand Dreier Riedel dabei Hengeler gegenüber, die jeweils das Unternehmen beriet. In beiden Fällen war der Frankfurter Partner Dr. Daniel Weiss maßgeblich involviert.

Auch die weiteren an den Restrukturierungsmaßnahmen wesentlich beteiligten Sozietäten sind ausschließlich Großkanzleien. So beriet Kirkland & Ellis, insbesondere der Münchner Partner Sacha Lürken, ein Ad-hoc-Committee von institutionellen Gläubigern einer Anleihe, die Ende Februar fällig, aber gestundet wurde. Freshfields Bruckhaus Deringer wiederum betreute vor allem durch die beiden Partner Dr. Lars Westphal und Jochen Ellrott ein Ad-hoc-Committee von Anleihegläubigern, deren von der geplanten Restrukturierung betroffene Anleihen 2014 und 2015 fällig werden.

Wie schon im Fall Pfleiderer stehen auch bei Q-Cells die hohen Kosten für die externen Berater massiv in der öffentlichen Kritik, ebenso der Umstand, dass das Unternehmen sogar Anwaltskosten der Gläubiger übernommen hat.

Anders als bei Pfleiderer wird die Q-Cells-Insolvenz indes nicht als Insolvenz in Eigenregie durchgeführt. Dies hatte Q-Cells in den vergangenen Tagen noch angestrebt. Bei einer Insolvenz in Eigenregie gibt es keinen eigens eingesetzten Insolvenzverwalter. Anstelle dessen kontrolliert lediglich ein vom Gericht benannter Sachwalter das Management und achtet darauf, dass die Insolvenz juristisch korrekt abgewickelt wird. Die Sanierung liegt weiter in den Händen des Managements.

Bei Q-Cells hängen nun alle Entscheidungen letztlich an Schorisch. Zwar ist Schorisch nicht der alleinige Handlungsberechtigte. Alle geplanten Maßnahmen des Unternehmens brauchen aber seine Zustimmung. (René Bender)

  • Teilen