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21.08.2019

Lieblingsgegner VW: Ex-Hausfeld-Partner gründet Prozessfinanzierer

Nachdem Christopher Rother Hausfeld im Januar überraschend verlassen hat, wussten auch viele frühere Wegbegleiter nicht, was er treibt. Nun ist er wieder da, und er bleibt sich treu: Als Gründer des Prozessfinanzierers Profin will er Verbrauchern zu Schadensersatz im Zuge der VW-Dieselaffäre verhelfen. Er ist damit nicht der einzige.

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Christopher Rother

Unter Kanzleien und Finanzierern ist ein Wettlauf entbrannt: Wer holt die meisten der etwa 430.000 Kläger aus der Musterklage gegen VW wieder heraus, um sie für aussichtsreichere Einzelklagen zu gewinnen? Die Uhr tickt: Nach dem Prozessauftakt am 30. September ist ein Wechsel nicht mehr möglich.

Nach Angaben Rothers verfügt Profin über einen dreistelligen Millionenbetrag, um Klagen geprellter Dieselkunden zu finanzieren. Das Geld gehört einem namentlich nicht genannten britischen Private-Equity-Investor und liegt aus steuerlichen Gründen in einem irischen Fonds. Von dort ruft Profin die Gelder ab. Anders als viele Prozessfinanzierer, zu deren Geschäftsmodell Diesel-Einzelklagen mit ein paar Tausend Euro Streitwert nicht passen, hat es Rother genau auf diese Fälle abgesehen.

Damit sich das am Ende rechnet, ist Profin wählerisch: Finanziert werden nur besonders aussichtsreiche Klagen. Um die Erfolgsaussichten gut einschätzen zu können, hat Profin in Zusammenarbeit mit diversen Klägerkanzleien etwa 5.000 Urteile und 3.000 Vergleiche im Dieselskandal ausgewertet. Eine von dem IT-Unternehmen Phoenix entwickelte Software, die laufend mit weiteren Daten gefüttert wird, kann daraus für jeden Einzelfall eine prozentuale Erfolgswahrscheinlichkeit errechnen – abhängig etwa von Kaufpreis, Kilometerstand und davon, an welchem Gericht der Fall liegt. So fließt etwa in die Rechnung ein, dass am Landgericht Heilbronn bisher fast immer die Kläger gewonnen haben und in Braunschweig meist der Konzern.

Musterklage als Parkplatz

Mehrere Klägerkanzleien haben Kampagnen gestartet, um Mandanten, die sie in der Musterklage „geparkt“ haben, zum Austritt aus der Musterklage zu bewegen. Die Berliner Kanzlei Gansel etwa, die insgesamt rund 20.000 Autobesitzer in Sachen Diesel gegen Hersteller vertritt, war damit nach eigenen Angaben bereits in fast 2.000 Fällen erfolgreich. Insgesamt hatten sich etwa 7.000 Gansel-Mandanten der Musterklage angeschlossen. Es geht dabei, wie auch bei Rothers potenzieller Kundschaft, um VW-Kunden, die keine Rechtsschutzversicherung haben.

Bisher hatten diese, wenn sie einen Prozess nicht selber bezahlen wollten, zwei Möglichkeiten. Erstens: Sie konnten ihre Ansprüche an die Plattform Myright abtreten, die zigtausende Ansprüche zu riesigen Klagen gebündelt hat – für die übrigens bis Januar bei Hausfeld federführend Rother zuständig war. Im Erfolgsfall behält Myright etwa ein Drittel der erstrittenen Summe als Provision. Hinter diesen Klagen steht der Prozessfinanzierer Burford. Zweitens: Seit November können VW-Kunden sich der Musterfeststellungsklage von Verbraucherzentrale und ADAC anschließen. Das kostet nichts, aber auch im Gewinnfall fließt kein Geld, weil danach Ansprüche immer noch per Einzelklage durchgesetzt werden müssen – allerdings unter besseren Voraussetzungen.

Prozessfinanzierer entdecken das Geschäft mit dem Kleinklein

Rother und andere bieten nun eine dritte Möglichkeit: Sie finanzieren auch Einzelklagen. Bis vor wenigen Monaten haben Prozessfinanzierer einen Bogen um Einzelklagen im VW-Fall gemacht, weil die zu kleinteilig sind. Für den deutschen Finanzierer Foris etwa wird es ab 100.000 Euro Streitwert interessant, bei internationalen Finanzierern wie Burford oder Vannin geht es erst im Millionenbereich los.

In Zusammenarbeit mit den Klägerkanzleien, die inzwischen Erfolgschancen von Dieselklagen gut einschätzen können, wittern Finanzierer, häufig mit Private-Equity-Investoren im Hintergrund, aber zunehmend doch ein Geschäft. Gansel etwa arbeitet mit dem britischen Prozessfinanzierer Therium zusammen – das Angebot zur Finanzierung von Einzelklagen bietet die Kanzlei ihren Mandanten aus der Musterklage erst seit ein paar Wochen an. Myright, die Erfinderin des Abtretungsmodells im Dieselskandal, bietet ebenfalls seit etwa drei Monaten die Finanzierung von Einzelklagen an. Nach Angaben des Unternehmens betrifft dies bereits mehr als 1000 Fälle, für die drei namentlich nicht genannte Prozessfinanzierer das Risiko tragen.

Auch Schirp & Partner buhlt um VW-Kunden, die sich der Musterklage angeschlossen haben, seit neustem mit einer „Wechsel-Kampagne“. Die Berliner Kanzlei arbeitet mit dem Wiesbadener Anwalt Robert Peres zusammen, der dafür eine eigene Internetplattform gegründet hat. Schirp wirbt „aufgrund der stark gestiegenen Erfolgsaussichten bei Klagen gegen VW und andere Hersteller“ damit, dass nun auch bei Einzelklagen „Prozessfinanzierung über Dritte“ möglich sei. Einer dieser Dritten, so viel ist im Markt bekannt, ist Rothers Profin. (Marc Chmielewski)

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