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05.03.2013

Alpine-Sanierung: Gläubigerbanken vertrauen Fellner bei Einigung mit Republik

Der finanziell angeschlagene Baukonzern Alpine kommt bei seinen Sanierungsbemühungen voran. Die Gläubigerbanken und Kreditversicherer erzielten am vergangenen Wochenende eine Einigung mit der Republik Österreich, die über Kredithaftungen involviert ist. Danach stimmten die Banken einem Forderungsverzicht zu.

Markus Fellner

Markus Fellner

Dem Gläubigerkonsortium unter Führung der Erste Bank und der Bank Austria gehören insgesamt 50 finanzierende Banken und Versicherungen aus über 30 Jurisdiktionen an. Bereits im November hatten sich die Gläubiger und das Unternehmen auf ein Stillhalteabkommen geeinigt, das nun ausgelaufen war.

Für die Forderungen der Banken bleibt die Haftung des Bundes für zwei Konsortialkredite in Höhe von 300 Millionen Euro zu insgesamt 50 Prozent bestehen, sie wird jedoch vorerst nicht geltend gemacht. Die in Rede stehenden Kredite wickelt die Österreichische Kontrollbank (OeKB) ab.

Neben den Banken sollen dem Sanierungskonzept zufolge auch die Gläubiger größerer Bauprojekte 30 Prozent der Schulden nachlassen, die durch Verzögerungen auf den Baustellen entstanden waren.

Um die Sanierung voranzutreiben, hatte Alpine selbst bereits vor einiger Zeit angekündigt, sich von den Tochtergesellschaften Energie, Hazet Bau und GPS Underground Engineering zu trennen. Den größten Erlös verspricht dabei die Energietochter. Begleitet wird diese Transaktion von Erste Group und UniCredit, die auch zu den Hauptgläubigern von Alpine gehören.

Der zweitgrößte österreichische Baukonzern, der dem spanischen Baukonzern FCC gehört, hatte im dritten Quartal 2012 einen Verlust von mehr als 89 Millionen Euro ausgewiesen. Alpine erwirtschaftete 2011 mit 15.300 Mitarbeitern, 7.500 davon in Österreich, einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro. Laut Presseberichten hat der Konzern vor allem aufgrund seines Expansionskurses in Osteuropa Verbindlichkeiten in Höhe von 600 Millionen Euro angehäuft.

Berater Bankenkonsortium
Fellner Wratzfeld & Partner (Wien): Dr. Markus Fellner, Johannes Schmutzer (beide Restrukturierung), Dr. Florian Kranebitter; Associates: Dr. Ortwin Arko (beide Sicherheiten), Carina Wolf (Restrukturierung), Sandra Vukic (Sicherheiten; beide RAA)

Berater Republik Österreich
Finanzprokuratur (Wien): Dr. Wolfgang Peschorn (Präsident), Dr. Michaela Faller (Präsidialanwältin), Dr. Robert Steiner (Leitender Prokuraturanwalt)

Berater Alpine/FCC
Freshfields Bruckhaus Deringer (Wien): Dr. Friedrich Jergitsch; Associate: Dr. Florian Klimscha (beide Bank- und Finanzrecht) – aus dem Markt bekannt
Baker & McKenzie (Wien): Dr. Gerhard Hermann (Federführung; Corporate), Dieter Buchberger (Bank- und Finanzrecht) ; Associate: Wendelin Ettmayer (Corporate)

Hintergrund: Fellner ist für seine Expertise im Umfeld von Restrukturierungen bekannt und an nahezu jeder Aufarbeitung von Unternehmenskrisen auf Seiten der Banken beteiligt. Beispiele aus jüngerer Zeit sind die Sanierungen von Baumax (mehr…) und Ankerbrot (mehr…).

Die Finanzprokuratur ist zur anwaltlichen rechtlichen Beratung und Vertretung der Republik Österreich sowie aller Einrichtungen und Unternehmen berufen, die im Mehrheitseigentum des Staates stehen oder von diesem beherrscht werden. Sie schreitet somit nicht nur in gerichtlichen Verfahren – auch in jenen Fällen, in denen Anwaltszwang besteht – als Prozessvertreterin ein, sondern berät ihre Mandanten umfassend in allen rechtlichen Belangen. Die Juristen haben binnen fünf Jahren nach Eintritt in den Anwaltsdienst erfolgreich die Anwalts- und die Prokuraturprüfung zu absolvieren. Sie werden Prokuraturanwalt bzw. Leitender Prokuraturanwalt genannt.

Zwischen Alpine und dem Finanzierungsteam von Freshfields besteht schon seit vielen Jahren eine Mandatsbeziehung. Die Kanzlei betreute unter anderem die Bankfinanzierungen des Unternehmens.

An Kapitalmarktfinanzierungen war Freshfields dagegen nicht beteiligt. Die letzte von drei Anleihen seit 2008 begab Alpine 2012. Das Unternehmen vertraute dabei auf CHSH Cerha Hempel Spiegelfeld Hlawati, eine der renommierten Kapitalmarktkanzleien. (Geertje Oldermann)

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