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09.05.2008

Wie erwartet: Alexander Falk zu Haftstrafe verurteilt

Nach mehr als 150 Verhandlungstagen hat das Landgericht Hamburg Alexander Falk wegen gemeinschaftlichen versuchten Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt. Die vier Mitangeklagten Maarten Reidel, Ralph S., Dirk W. und Michael B. erhielten Freiheitsstrafen zwischen zweieinhalb Jahren und acht Monaten. Der Prozess gilt als einer der komplexesten und schwierigsten Wirtschaftsstrafprozesse bislang.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten mit Scheingeschäften den Wert der Internetfirma Ision geschönt und dann an die britische Energis verkauft hatten. Energis zahlte im Jahr 2000 weit mehr als 750 Millionen Euro – und rutschte in die Pleite.

Im Laufe des Ermittlungsverfahrens saßen Falk und Reidel monatelang in U-Haft, die Hauptverhandlung begann schließlich im Dezember 2004. Das Gericht hatte bereits vor Urteilsverkündung angekündigt, es ginge nur von versuchtem Betrug aus. Die Staatsanwaltschaft hingegen sah einen vollendeten Betrug sowie weitere Delikte verwirklicht und beantragte für alle Angeklagten Haftstrafen, für Falk fünf Jahre und neun Monate, für den ehemaligen Finanzvorstand Reidel vier Jahre und drei Monate.

Falk hatte schon im Vorfeld angekündigt, Berufung einzulegen. Das Verfahren dürfte also noch lange nicht beendet sein. (Astrid Jatzkowski)

Vertreter Alexander Falk
@DIERBACH & BLIWIER (Hamburg): Thomas Bliwier
DR. MARC LANGROCK (Hamburg)
STRATE & VENTZKE (Hamburg): Dr. Gerhard Strate
TDWE THOMAS DECKERS WEHNERT ELSNER (Düsseldorf): Dr. Sven Thomas

Vertreter Maarten Reidel
FEIGEN GRAF (Frankfurt): Hanns Feigen, Dr. Bernd Gross
KRAUSE LAMMER WATTENBERG (Berlin): Dr. Daniel Krause

Vertreter Ralph S.
@AHLENSTORF SCHEFFLER DAUM (Hamburg): Reinhard Daum

Vertreter Dirk W.
BROCKMANN-WIESE JACOBI PATETT VOGES (Hamburg): Annette Voges

Vertreter Michael B.
DR. MICHAEL GUBITZ (Kiel)
DR. VOLKER BERTHOLD (Kiel)

Staatsanwaltschaft Hamburg
Heyner Heyen, Nana Frombach

Landgericht Hamburg, 20. große Strafkammer
Dr. Nikolas Berger (Vorsitzender Richter), Dr. Immo Graf, Rolf Bernheim

Auf der Verteidigerbank saßen vor allem neben Falk und Reidel bundesweit anerkannte Verteidiger. An der Seite von Reidel hatte im Verlauf des Prozesses Gross immer mehr Aufgaben übernommen, so dass Feigen und Krause nicht durchgängig präsent waren. Falks Verteidiger Strate und Thomas waren ebenfalls nicht durchgehend mit dabei. Langrock ist Adlatus von Prof. Dr. Erich Samson von der Bucerius Law School, der wiederum of Counsel bei DLA Piper ist.

Zwei weitere Angeklagte setzten auf eher regionale Prominenz: Daum ist Präsident des Anwaltsgerichtshofs in der Freien und Hansestadt Hamburg, Voges Vizepräsidentin der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer. Neben den genannten Anwälten waren auch Pflichtverteidiger beigeordnet. Zivilrechtlich ist die Auseinandersetzung für Reidel inzwischen mit Vergleich beendet.

Aus dem Markt bekannt ist, dass er zivilrechtlich von Dr. Matthias Siegmann aus Karlsruhe, inzwischen BGH-Anwalt, beraten wurde. Falk wiederum, auch das ist aus dem Markt bekannt, setzt zivilrechtlich auf Freshfields Bruckhaus Deringer (Dr. Jan Willisch) und Renzenbrink Raschke von Knobelsdorff Heiser (Dr. Ulf Renzenbrink). Renzenbrink betreut eine Reihe von Prozessen, in denen sich Falk gegen Schadensersatzforderungen unter anderem des Ision-Insolvenzverwalters wehrt. In den Auseinandersetzungen mit Energis vertritt ihn Willisch.

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