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03.03.2016

Vorwürfe nach Oktoberfest-Party: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Ex-Linklaters-Partner

Die Staatsanwaltschaft München hat gegen einen früheren Linklaters-Partner Anklage wegen Vergewaltigung und Körperverletzung erhoben. Die Anklageschrift basiert auf Vorkommnissen während einer Linklaters-Party am Rande des Oktoberfestes 2014. Er soll damals in einer Taverne eine studentische Hilfskraft vergewaltigt haben. Die Staatsanwaltschaft bestätigte die Anklage auf JUVE-Nachfrage. Sie hatte rund ein Jahr ermittelt (Az: 451Js115945/15) und JUVE-Informationen zufolge eine zweistellige Zahl an Zeugen befragt. Der Anwalt des Ex-Linklaters-Partners wies die gegen seinen Mandanten erhobenen Vorwürfe auf JUVE-Nachfrage zurück.

Für den Verteidiger des Beschuldigten, Dr. Alexander Betz, ist die Sache noch nicht zu Ende ermittelt. „Es stellt sich daher die Frage, ob die Anklage so unverändert zugelassen werden kann. Wir glauben, es muss noch nachermittelt werden.“

Linklaters hatte sich seinerzeit nur wenige Tage nach der Party von dem Partner getrennt, neben ihm musste einige Wochen später auch ein weiterer Partner, ein Prozessexperte, gehen. Dieser hatte unmittelbar nach dem vermeintlichen sexuellen Übergriff den mutmaßlichen Täter mehrfach geschlagen. Damit wollte er nach eigenen Angaben verhindern, dass sich der betreffende Partner der Studentin nochmals nähert. Der Prozessexperte war es auch, der einige Monate später Anzeige erstattet hatte.

Die Kanzlei hatte die Vorfälle zunächst intern untersucht und der Studentin psychologische und juristische Hilfe angeboten, auf eine Anzeige aber verzichtet. Dies geschah nach damaligen Angaben der Sozietät in Absprache mit der Studentin, die ihre Tätigkeit in der Kanzlei im Anschluss an den Vorfall aufgab. Nachdem der Fall publik wurde, machte er bundesweite Schlagzeilen in der Wirtschafts- und Boulevardpresse.

Der der Vergewaltigung bezichtigte Berater war seit 2008 Partner bei Linklaters und insgesamt 14 Jahre für die Kanzlei tätig. Er hat München bereits vor Längerem verlassen. Seit Ende 2014 ist er für eine Stuttgarter Steuerkanzlei tätig. Der Prozessexperte, der sogar fast 25 Jahre für Linklaters und deren Vorgängereinheiten tätig war, arbeitet seit gut einem Jahr in eigener Kanzlei. Gegen ihn hat das Amtsgericht München auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl wegen Körperverletzung erlassen. Dagegen hat er Einspruch eingelegt.

Eine Strafkammer des Landgerichts München I muss nun darüber entscheiden, ob sie in der Sache der vorgeworfenen Vergewaltigung die Anklage gegen den Ex-Linklaters-Partner zulässt.

Vertreter Beschuldigter
Lucas Stevens (München): Dr. Alexander Betz

Staatsanwaltschaft München I
Silke Bierl

Landgericht München I, 19. Strafkammer
Dr. Philipp Stoll (Vorsitzender)

Hintergrund: Der Ex-Linklaters-Prozessexperte, der seinen damaligen Kanzleikollegen geschlagen hat, hat keinen rechtlichen Beistand hinzugezogen. Pikant: Der der Vergewaltigung bezichtigte Partner trug als sogenannter Personalpartner bis zu dem Vorfall größere Personalverantwortung in der Kanzlei. Die Vorkommnisse auf der Oktoberfestparty 2014 beschäftigen seither nicht nur die Ermittlungsbehörden. Sie sorgten vor allem in den Monaten danach auch innerhalb von Linklaters für einige Unruhe sowie Veränderungen. Als direkte Folge beauftragte die Sozietät einen externen Anbieter, als Beratungs- und Betreuungsstelle für Mitarbeiter zu fungieren. Dorthin können sich alle Mitarbeiter der Sozietät mit allen Sorgen und Nöten wenden, ohne Wissen und Einfluss der Kanzlei. Daneben hat sie Vorsichtsmaßnahmen für ihre Partys getroffen: JUVE-Informationen zufolge finden Feiern rund um das Oktoberfest unterhalb der Woche und nicht mehr an Freitagen statt, zudem wird zumindest der offizielle Teil von Partys zeitlich quasi mit einer Sperrstunde begrenzt.

Die im aktuellen Fall verantwortliche Staatsanwältin Silke Bierl begann ihre Karriere beim Landgericht Augsburg, von dort wechselte sie als Strafrichterin zunächst nach Aichach. Seit 2013 ist sie für die Staatsanwaltschaft München tätig. (René Bender)

 

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