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06.06.2018

Arcandor-Pleite: Insolvenzverwalter schließt Vergleich mit Esch-Fonds

Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch, der seit neun Jahren die Insolvenz der ehemaligen Karstadt-Mutter Arcandor betreut, hat einen millionenschweren Vergleich mit den Esch-Fonds geschlossen. Der sieht vor, dass die Esch-Fonds dem Verwalter knapp 22 Millionen Euro zahlen. Im Gegenzug melden die Fonds allerdings 81,4 Millionen als Forderung zur Insolvenztabelle an.

Hans-Gerd Jauch

Hans-Gerd Jauch

Kern des Streits war ein kompliziertes Sales-and-lease-back-Geschäft. Kurz nach der Jahrtausendwende hatte Karstadt fünf Warenhausobjekte an die Oppenheim-Esch-Fonds verkauft – deutlich unter deren Marktwerten. Esch modernisierte die Häuser und vermietete sie dann wieder zurück an Karstadt – deutlich über den marktüblichen Bedingungen.

Ein Geschäft zum Schaden des Arcandor-Konzerns, meint der Insolvenzverwalter Jauch und pochte bislang darauf, dass die aus seiner Sicht zu hoch angesetzten Mieten für den Zeitraum vom Oktober 2008 bis zum Insolvenzantrag am 9. Juni 2009 zurückgezahlt werden. Insgesamt gut 34 Millionen Euro versuchte Jauch in einem Verfahren gegen die Esch-Fonds einzuklagen. Dabei wurde er von den beiden Görg-Counseln Michael Dahl und Frank Linnenbrink vertreten.

Doch auch die andere Seite machte bis vor Kurzem eine hohe Rechnung auf: So klagten die Esch-Fonds ihrerseits Mietschulden ein, die sich aus der Differenz der von Esch geforderten und der von Jauch gezahlten Mieten aus den Monaten September bis Dezember 2009 ergibt. Rund 12 Millionen Euro ließen die Esch-Fonds als Masseschuld bei den jeweiligen Landgerichten eintragen. Mit Zinsen beläuft sich die Summe mittlerweile auf knapp 20 Millionen Euro. Zudem hatten die Fonds 245 Millionen Euro zur Insolvenztabelle angemeldet, das Geld wollten sie für die Kompensation von Zukunftsschäden, da Mietverträge nicht erfüllt worden waren und Jauch von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht hatte. Dabei hatten die Fonds vor den Landgerichten in München, Karlsruhe, Leipzig und Wiesbaden Dr. Torsten Arp von Busse Miessen auf ihrer Seite. Vor dem Landgericht Potsdam wurden sie von Dr. Tobias Quilisch von KKP Rechtsanwälte vertreten.

Mit dem nun geschlossenen Vergleich kann Insolvenzverwalter Jauch einen Strich unter diese Verfahren machen.

Streit mit Wirtschaftsprüfern und Managern hängt noch in der Luft

Ein Ende der Streitigkeiten in dem komplexen Insolvenzverfahren ist trotzdem nach immerhin neun Jahren noch lange nicht in Sicht. Denn auch gegen ehemalige Manager des Konzerns klagt der Verwalter vor dem OLG Hamm weiterhin, unter anderem, weil sie die wirtschaftlich nachteiligen Mietverträge für diverse Karstadt-Immobilien ohne die erforderliche rechtliche Prüfung abgeschlossen hatten. Für rund 175 Millionen Euro sollen die Ex-Manager und ihr Versicherer, die Allianz, geradestehen. Zudem wirft der Insolvenzverwalter dem ehemaligen Vorstand und Teilen des Aufsichtsrats vor, Boni- und Abfindungszahlungen noch genehmigt zu haben, als die Schieflage des Unternehmens längst offenkundig war. Vergleichsvorschläge des Gerichts scheiterten bislang allerdings.

Auch ein Streit mit den Wirtschaftprüfern von KPMG, die Arcandor 2008 noch die Sanierungsfähigkeit beschieden, ist nicht ganz ausgestanden. Von ihnen wollte Jauch Schadensersatz in Höhe von 81 Millionen Euro. Das OLG Frankfurt gestanden ihm allerdings nur die (Teil-)Rückzahlung der Honorare zu. Gegen den Richterspruch aus dem Januar dieses Jahres haben beide Parteien zwischenzeitlich eine Nichtzulassungsbeschwerde vor dem Bundesgerichtshof eingereicht. Die Frankfurter Richter waren in der Entscheidung – für Marktbeobachter überraschend – zu dem Urteil gekommen, dass die Prüfung der Insolvenzreife nicht Gegenstand des Sanierungsgutachtens gewesen sei.

Und auch Abschlussprüferin BDO ist noch nicht aus dem Schneider. Von ihr fordert Jauch rund 12 Millionen Euro, weil die Wirtschaftsprüfer drei Bilanzen uneingeschränkt bestätigt hatten. KPMG lässt sich in den Verfahren wie so häufig von Allen & Overy-Partner Dr. Marc Zimmerling vertreten, BDO setzt auf Stefan Bank, Partner bei Bock Legal. Insolvenzverwalter Jauch hat für diese Verfahren Thomas Rieger von Anchor mandatiert. (Ulrike Barth)

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