Artikel drucken
28.08.2018

Verschleppte Insolvenz: Verwalter fordert Millionen von Ex-Managern der KTG Agrar

Ab Donnerstag wird die Klage des Insolvenzverwalters Stefan Denkhaus gegen den früheren KTG Agrar-Chef Siegfried Hofreiter sowie sieben weitere Vorstände und Aufsichtsräte des mittlerweile abgewickelten börsennotierten Agrarunternehmens vor dem Landgericht Hamburg verhandelt. Denkhaus fordert von den ehemaligen, bei der Allianz versicherten Managern insgesamt 189 Millionen Euro.

Stefan Denkhaus

Stefan Denkhaus

Insolvenzverwalter Denkhaus wirft den Managern vor, die tatsächliche Lage des Unternehmens verschleiert und die Insolvenz so mehr als ein Jahr lang verschleppt zu haben. Dadurch seien die Gläubiger massiv geschädigt worden.

Mittlerweile ist bekannt, dass auch die Hamburger Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung sowie der falschen Darstellung finanzieller Verhältnisse gegen ehemalige Manager der KTG Agrar eingeleitet hat. Ende April hatten Ermittler Wohnungen und Geschäftsräume von ehemaligen Vorständen durchsucht. Unter den 13 Beschuldigten war auch ein ehemaliges Aufsichtsratsmitglied. Betroffen waren bei der Aktion laut Staatsanwaltschaft 19 Objekte in sieben Bundesländern.

Der Verdacht: Bei KTG Agrar soll es lange Zeit ‚Luft-Buchungen‘ gegeben haben. Inhouseverkäufe sollen genutzt worden sein, um die Bilanz zu schönen. Die vermeintlichen Umsätze wurden an anderer Stelle als Darlehen geführt. Nach der Pleite des Unternehmens im Juli 2016 hatten die Wirtschaftsprüfer der Hamburger Prüfungsgesellschaft Möhrle Happ Luther ihre Testate für den Jahresabschluss sowie den Konzernabschluss 2015 widerrufen.

KTG Agrar war bis zur Pleite vor zwei Jahren mit 800 Mitarbeitern und mehr als 46 000 Hektar bewirtschafteter Fläche vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg der größte deutsche Agrarkonzern. Anfang Juli 2016 musste das börsennotierte Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen. Im Oktober desselben Jahres beschlossen die Gläubiger, KTG Agrar abzuwickeln. Einen Großteil der einstigen Firma übernahm die Gustav-Zech-Stiftung aus Bremen.

Vertreter Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus
BRL Boege Rohde Luebbehuesen (Hamburg): Björn Schwencke

Vertreter der 3 Ex-Aufsichtsratsmitglieder
GvW Graf von Westphalen (München): Dr. Wolfram Desch; Associate: Uli Schmidt
Hogan Lovells (München): Dr. Heiko Tschauner, Dr. Maximilian Baier (Counsel); Associate: Dr. Markus Huber
Heussen (München): Markus Neumaier

Vertreter Siegfried Hofreiter
Spliedt (Berlin): Dr. Jürgen Spliedt

Vertreter weitere Ex-Vorstandsmitglieder
BRRS Rechtsanwälte (Hamburg): Ulrich Rosenkranz
BEMK Blazek Ellerbrock Malar Kronsbein (Bielefeld)
Martin Stritz (Reinbek)

Landgericht Hamburg, 7. Kammer für Handelssachen
Heike Hummelmeier (Vors. Richterin)

Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt. 

Insolvenzverwalter Denkhaus geht mit Vertretern aus dem eigenen Haus in den Prozess, für den er zwei umfangreiche Gutachten zur Insolvenzreife der KTG Agrar intern erstellen ließ. Hofreiter-Vertreter Spliedt führt seit Mitte 2017 seine eigene Kanzlei, nachdem sich Feser & Spliedt aufgelöst hatte.

Wie aus dem Markt bekannt ist, wird der involvierte D&O-Versicherer, die Allianz, in dem Fall von Stefan Bank von der Kanzlei Bock Legal beraten. (Ulrike Barth)

  • Teilen