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12.02.2019

Loveparade-Prozess: Gericht setzt Verfahren mit nur noch drei Angeklagten fort

Mit nur noch drei Angeklagten ging heute in Düsseldorf der Prozess um das tödliche Gedränge bei der Loveparade 2010 weiter. Das Verfahren gegen sieben andere Beschuldigte war vergangene Woche wegen geringer Schuld ohne Auflagen eingestellt worden. Aus Platzgründen wird der Prozess auch weiterhin in einer Düsseldorfer Kongresshalle abgehalten, geführt wird er allerdings vom Duisburger Landgericht.

Ingo Bott

Ingo Bott

Zwar sind sieben Angeklagte mit jeweils bis zu drei Verteidigern ausgeschieden, doch müssen für die Nebenkläger und ihre Anwälte weiterhin knapp 100 Plätze vorgehalten werden. Hinzu kommen jeweils rund 85 Plätze für Besucher und Presse.

Bei dem Techno-Festival waren im Juli 2010 in Duisburg in einem Gedränge 21 junge Menschen zu Tode gedrückt und mehr als 650 verletzt worden. Die Hauptverhandlung hatte im Dezember 2017 begonnen. Allen Angeklagten waren ursprünglich unter anderem fahrlässige Tötung und schwere Planungsfehler vorgeworfen worden.

Das Gericht hatte Mitte Januar die Einstellung nach Paragraph 153a Strafprozessordnung vorgeschlagen. Die individuelle Schuld der Angeklagten sei gering oder allenfalls als mittelschwer anzusehen. Neben Planungsfehlern sieht das Gericht ein kollektives Versagen vieler Personen am Veranstaltungstag als mitverantwortlich für das Unglück. Mehrere Nebenklage-Anwälte hatten die Einstellung vorab kritisiert. Nach wie vor bestehe ein öffentliches Interesse an einer Aufklärung, argumentierten sie.

Unter den sieben Beschuldigten, für die der Prozess nun endet, sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg sowie ein Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters Lopavent. Die drei Angeklagten, für die der Prozess weitergeht, waren ebenfalls bei Lopavent beschäftigt.

Als einen Grund für ihre Zustimmung zur Einstellung hatte die Staatsanwaltschaft den Umstand genannt, dass am 28. Juli 2020 die Verjährung eintritt. Das nach dem Gesetz für ein Urteil erforderliche Beweisprogramm könne bis dahin auch bei größter Anstrengung nicht absolviert werden. So müssten die meisten der im zentralen Sachverständigengutachten genannten 575 Zeugen noch vernommen werden. In den vergangenen 14 Monaten hat das Gericht 59 Zeugen und 8 Sachverständige vernommen.

Verteidiger eingestellte Verfahren

Porträt Tobias Eggers

Tobias Eggers

Vertreter J. D.
Dr. Ingo Bott (Düsseldorf): Dr. Ingo Bott; Associate: Dr. Maximilian Kohlhof
Julia Vogt (Düsseldorf; Pflichtverteidigerin)

Vertreter A. G.
Park (Dortmund): Dr. Tobias Eggers; Associate: Dr. Julia Geschke

Vertreter R. D.
Kaps + Lützenkirchen (Wuppertal): Michael Kaps, Manuela Lützenkirchen
Thomas Deckers Wehnert Elsner (Düsseldorf): Dr. Stephan Voigtel

Vertreter R. J.
Albert + Piel (Düsseldorf): Joachim Albert, Hannah Piel
Luther (Essen): Dr. Gerd-Ulrich Kapteina

Vertreter P. G.
Dierlamm (Wiesbaden): Katharina Kolbe, Prof. Dr. Alfred Dierlamm; Associates: Dr. Manuel Lorenz, Sarah Moritz

Porträt Katharina Kolbe

Katharina Kolbe

Vertreter U. B.
Verte (Köln): Christof Püschel; Associate: Dr. Alexander Paradissis

Vertreter K. S.
Gercke Wollschläger (Köln): Dr. Kerstin Stirner, Prof. Dr. Björn Gercke; Associate: Andreas Grözinger
Carolin Warner (Bonn)

Verteidiger fortgesetzte Verfahren

Vertreter L. W.
Römermann: Prof. Dr. Volker Römermann (Hannover)
Ioannis Zaimis (Berlin)
Göbel & Partner (Düsseldorf): Karl-Matthias Göbel
Olfen Meinecke Völger (Berlin): Dr. Fabian Meinecke

Vertreter G. S.
Dr. Marc Kaulfuß (Essen)
Ruth Fischer (Essen)
Lina Schuster (Essen)

Vertreter J. S.
Hoemann Schmitt Schwab Schenk Muzikant (Duisburg): Heinz Schmitt
Oliver Ufermann (Duisburg)
Wolfram Hemkens (Krefeld)

Porträt Kerstin Stirner

Kerstin Stirner

Nebenklagevertreter (Auswahl)
Baum Reiter & Kollegen (Düsseldorf): Prof. Dr. Julius Reiter, Gerhart Baum
Janssen + Maluga (Düsseldorf): Prof. Dr. Gerhard Janssen
Prof. Dr. Thomas Feltes (Bochum)

Staatsanwaltschaft Duisburg
Jens Hartung (Oberstaatsanwalt), Uwe Mühlhoff (Oberstaatsanwalt), Christian Seiffge

Landgericht Duisburg, 6. Große Strafkammer
Mario Plein (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: Seit Beginn des Verfahrens haben sich einzelne Änderungen ergeben, im wesentlichen ist die Verteidigerphalanx des Großverfahrens jedoch stabil geblieben. Bott, ehemals Partner bei Wessing & Partner, hat sich im Laufe des Prozesses selbstständig gemacht. Die Kanzlei mit inzwischen drei Berufsträgern tritt unter dem Markennamen Plan A in Düsseldorf auf. Associate Kohlhof ist seit September ebenfalls neu im Verteidigerteam.

Auch unter den Verteidigern aus der Kanzlei Dierlamm gab es Wechsel: Partnerin Dr. Eva Racky schloss sich zum Jahresende 2018 mit Kathie Schröder in Frankfurt zu einer Strafrechtsboutique zusammen und schied soweit bekannt aus dem Loveparade-Mandat aus.

Die Kölner Kanzlei Strafverteidigerbüro hat sich im Laufe des vergangenen Jahres in Verte umbenannt.

Fortgesetzt wird das Verfahren unter anderem gegen den Angeklagten L. W., der ebenfalls mit einem leicht veränderten Verteidigerteam antritt. Ausgeschieden sind die Hamburger Dr. Ole-Steffen Lucke von Gubitz und Partner und Dr. Philip von der Meden. Von der Meden hat sich aus der Kanzlei Römermann verabschiedet und ist nun mit Arbeitsrechtler Prof. Dr. Michael Fuhlrott und dem Strafrechtler Mayeul Hiéramente in Hamburg mit FHM Fuhlrott Hiéramente & von der Meden in einer Strafrechts- und Compliance-Boutique tätig. Neu hinzu kamen dafür nach JUVE-Informationen der Düsseldorfer Strafverteidiger Göbel und der Berliner Anwalt Meinecke. Dieser hat gemeinsam mit dem Hamburger Steuerstrafrechtler Michael Olfen und Stefan Völger von Kullen Müller Zinser die Boutique Olfen Meinecke Völger gegründet.(Christiane Schiffer, mit Material von dpa)

Wir haben den Artikel am 14.02.2019 ergänzt.

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