Entscheidung mit Folgen

Aushängeschild Stephan Frotz verlässt Schönherr

Schönherr verliert Ende Juli einen ihrer profiliertesten Gesellschaftsrechtspartner: Dr. Stephan Frotz (55) macht sich mit seinem Team selbstständig.

Teilen Sie unseren Beitrag
Stephan Frotz
Stephan Frotz

Frotz steht bei Schönherr wie kein Zweiter für das breitere Corporate-Geschäft jenseits von M&A-Transaktionen, wie etwa Umgründungen. Weiters wird er im Markt vor allem für sein wissenschaftliches Interesse wahrgenommen.

„Ich will mich mehr bewegen, mehr publizieren und mich stärker an der Universität engagieren“, so Frotz. Zudem sei er jung genug, um in eigener Kanzlei nochmal durchzustarten. Mit ihm gehen seine engsten Mitarbeiter, die beiden Anwälte Dr. Clemens Spitznagel und Dr. Paul Schörghofer, sowie Rechtsanwaltsanwärter Roman Gruber. Frotz war insgesamt fast 20 Jahre bei Schönherr, seit seiner Rückkehr aus einer kleineren Kanzlei 1997 war er dort Partner.

Für Kanzleikenner kommt der Weggang überraschend. Vor nicht allzu langer Zeit hatte Frotz für Schönherr die Strategie ausgegeben, sich neben dem Transaktionsgeschäft im Gesellschaftsrecht deutlich breiter aufzustellen. „Ich bin davon überzeugt, dass wir das Niveau der Beratung durch mehr Veröffentlichungen und Lehrveranstaltungen weiter heben können. Das kommt dann auch der gesamten Gesellschaftsrechts-Praxis zugute“, sagte Frotz gegenüber JUVE Ende 2011.

Im Zuge dessen hatte die Kanzlei seinerzeit ein dreiköpfiges Partnerteam gebildet, das neben Frotz die Partner Dr. Peter Konwitschka und Dr. Thomas Wenger umfasste. Beide bleiben Schönherr erhalten, gelten aber im Markt bislang als nicht so präsent wie Frotz. Der führende Gesellschaftsrechtler hatte unter anderem 2010 die Immofinanz bei ihrer rund 7,9 Milliarden Euro schweren Fusion mit Immoeast beraten. Zudem ist er für seine guten Beziehungen zur Bawag bekannt.

Einvernehmliche Trennung

Schönherr und Frotz trennen sich nach eigenen Angaben im Guten. Am gestrigen Dienstag Abend unterrichteten Schönherr-Managing-Partner Christoph Lindinger und Stephan Frotz in einer gemeinsamen Erklärung die Mitarbeiter über die Trennung: „Wir gehen in besten Einvernehmen ohne Streit oder Meinungsverschiedenheit auseinander“, so Frotz gegenüber JUVE. „Ich habe fast mein gesamtes Berufsleben bei Schönherr verbracht und empfinde mich als Schönherr-Mann.“

Frotz ist nicht der erste renommierte Gesellschaftsrechtler von Schönherr, der sich selbstständig macht. 2007 hatte sich das damalige Aushängeschild der Praxis, Prof. Dr. Dr. Hellwig Torggler, mit einem Team von der Kanzlei abgespalten. Der heute 74-jährige ehemalige Namenspartner galt als Identifikationsfigur.

„Seit dem Ausscheiden von Barfuss und Torggler ist der Laden ein anderer“, analysierte noch 2011 ein Kenner der Kanzlei. Womöglich kann nach dem Weggang von Frotz bald das Gleiche  gelten. (Jörn Poppelbaum)

Artikel teilen