Strittige Insolvenz

Eyemaxx geht mit Urbanek Lind Schmied Reisch in die Sanierung

Das Landesgericht Korneuburg hat ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über die Eyemaxx Real Estate eröffnet. Zur Insolvenzverwalterin wurde Ulla Reisch bestellt. Die Höhe der Passiva ist noch unbekannt, die von dem Unternehmen emittierten Anleihen belaufen sich allerdings auf rund 140 Millionen Euro. Dass das Verfahren in Österreich beantragt wurde, sorgt bei Anleihegläubigern für Unmut.

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Obwohl der Hauptsitz der Aktiengesellschaft in Aschaffenburg liegt, brachte das Unternehmen den Antrag in Österreich ein, was es mit einem abweichenden operativen Hauptsitz im niederösterreichischen Leopoldsdorf begründete. Das Immobilienunternehmen soll während des Insolvenzverfahrens weitergeführt und saniert werden.

In der deutschen F.A.Z. wurde über einen möglichen Grund für ein Insolvenzverfahren in Österreich spekuliert. Denn das Misstrauen vieler Anleger gegenüber dem Firmenchef Michael Müller sei groß. Grund dafür seien unter anderem kritisch gesehene Aktienverkäufe. Mit einem Insolvenzverfahren in Österreich, so heißt es, würde nun versucht, mögliche Verpflichtungen gegenüber den Anlegern zu verringern.

Parallelverfahren in Deutschland beantragt

Ulla Reisch

Inzwischen wurde bekannt, dass der Sanierungsberater One Square Advisors am 2. November einen Fremdinsolvenzantrag gegen Eyemaxx  vor dem Amtsgericht Aschaffenburg gestellt hat. Mit diesem Schritt möchte One Square die Rechte der Anleihegläubiger schützen, wie es von der Gesellschaft hieß. Daneben wurde hilfsweise ein Antrag gestellt, mit dem die Eröffnung eines Sekundärinsolvenzverfahrens in Deutschland erreicht werden soll. Sollte dies eröffnet werden, würden die sich in Deutschland befindlichen Vermögenswerte von Eyemaxx in Deutschland verwertet und damit nicht unter den in Österreich vorgelegten Sanierungsplan fallen. 

Darüber hinaus verlangt One Square gemeinsam mit anderen großen Anleihegläubigern die Einberufung einer Gläubigerversammlung von Eyemaxx. Hier soll ein gemeinsamer Vertreter gefunden werden, der die Interessen der Anleihegläubiger vertritt. 

Auch One Square äußerte die Vermutung, dass ein Insolvenzverfahren in Österreich dem Zweck diene, sich im Rahmen des Insolvenzverfahrens Vorteile zu verschaffen, die es in einem deutschen Verfahren nicht gäbe. Der enge Zeitplan des Verfahrens in Österreich, den das LG Korneuburg festgelegt hat, deute zudem darauf hin, dass die Insolvenz in Österreich von langer Hand geplant worden sei. Auf Grund der Fristen müssten Anleihegläubiger bis zum 1. Dezember ihre Ansprüche anmelden. Das geht jedoch nur einzeln. Anders als in Deutschland, hier können Anleihegläubiger ihre Ansprüche durch einen gemeinsam gewählten Vertreter gebündelt anmelden.

Thorsten Kuthe

Zur Holdinggesellschaft Eyemaxx gehören mehrere Tochtergesellschaften in Österreich und Deutschland sowie im europäischen Ausland, darunter Polen und Tschechien. Dabei handelt es sich zumeist um Projektentwicklungsgesellschaften. Gelistet ist Eyemaxx sowohl an der Frankfurter Börse als auch seit Jänner 2019 an der Börse in Wien. 

Die Immobilienprojekte, die das Unternehmen entwickelt, reichen von Hotel- und Büroimmobilien bis hin zu Studenten-, Micro- sowie Wohnappartements. Laut Geschäftsbericht aus dem Jahr 2019 beschäftigte das Unternehmen rund 60 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 8,5 Millionen Euro. 

Pandemie als Insolvenzursache

Der Grund für die Insolvenz liegt nach Angaben des Unternehmens vor allem in der Corona-Pandemie. So hätten sich verschiedene Projekte verzögert, zum Beispiel durch Lieferengpässe sowie erschwerte Arbeitsbedingungen auf Baustellen auf Grund von Coronamaßnahmen. Weiters hätten  sich verschiedene Covid-Szenarien negativ auf die bilanzielle Bewertung von Immobilien niedergeschlagen, insbesondere der von Hotels und Bürogebäuden. 

Laut Kreditschutzverband KSV 1870 sind rund 65 Gläubiger von der Insolvenz betroffen. Hinzu kommen die Zeichner der verschiedenen Anleihen, die das Unternehmen emittiert hat. 

Masseverwalter
Urbanek Lind Schmied Reisch (Wien): Dr. Ulla Reisch, Georg Hampel (Masseverwalterstellvertreter) 

Schuldnervertreter
Dr. Günther Hödl (Wien)

Generalbevollmächtigter Eyemaxx in Deutschland
Dirk Eichelbaum (Stuttgart)

Berater One Square Advisors
Heuking Kühn Lüer Wojtek (Köln): Dr. Thorsten Kuthe (Kapitalmarktrecht), Prof. Dr. Georg Streit, Dr. Kai Büchler (beide Restrukturierung; beide München)

Hintergrund: Als Masseverwalter bestellte das Gericht die bekannte Wiener Insolvenzrechtlerin Reisch. Reisch war an einer Vielzahl bedeutender Insolvenzverfahren in Österreich beteiligt. Unter anderem wurde sie zur Insolvenzverwalterin der österreichischen Fluggesellschaft Niki bestellt. Zu Reischs Stellvertreter wurde Hampel bestellt.

Schuldnervertreter ist der Wiener Anwalt Hödl, der in eigener Kanzlei mit Schwerpunkt Insolvenzrecht tätig ist. Hödl ist auch als Masseverwalter bekannt und wurde unter anderem bei der österreichischen Tochter von Thomas Cook bestellt. 

One Square Advisors setzte auf eine Team von Heuking um den Kölner-Partner Kuthe. Der Sanierungsberater One Square begleiteten unter anderem die Anleiherestrukturierung von Takko und Eterna. Bei letzterem setzte One Square ebenfalls auf Heuking und Kuthe. 

Zum Generalbevollmächtigten in Deutschland machte Eyemaxx den Stuttgarter Insolvenzrechtler Dirk Eichelbaum.

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