Entsprechend schnellte das Transaktionsvolumen 2016 in Osteuropa insgesamt deutlich nach oben. Die Deals der Top-15 summierten sich auf 98,6 Milliarden Dollar, mehr als das Doppelte des Vorjahreswerts. Zu den Gewinnern zählten neben der traditionell in Osteuropa starken Kanzlei White & Case ihre internationalen Wettbewerber: Linklaters, Allen & Overy, Hogan Lovells und Cleary Gottlieb Steen & Hamilton. Sie alle legten jeweils um über 250 Prozent zu.
Unter den Einheiten mit Büros in Wien profitierten vor allem zwei: Freshfields Bruckhaus Deringer und DLA Piper. Sie schafften es zwar nach Zahl der Transaktionen nicht unter die Top-15. Unter dem Gesichtspunkt der Dealgröße betrachtet gehörten sie jedoch zu den wichtigsten. Freshfields erreichte einen zweiten Platz hinter White & Case mit einem Volumen von insgesamt 24,8 Milliarden Dollar, der sich zu einem guten Teil aus der Verschmelzung des Osteuropageschäfts der Unicredit von der österreichischen Tochter Bank Austria auf das Mailänder Mutterhaus speist. Dennoch ein schöner Erfolg, nachdem die Kanzlei vor einem Jahr aus beiden Rankings rausgefallen war.
Überraschend ist das Abschneiden von DLA Piper und Eversheds Sutherland. DLA Piper vervielfachte mit Transaktionen in Höhe von knapp 3,7 Milliarden Dollar ihr Geschäft in Osteuropa. Eversheds schaffte es mit 13 M&A-Mandaten in einer Gesamthöhe von 148 Millionen Dollar neu in das Ranking. Im Vorjahr lag die Kanzlei auf Platz 19.
Die österreichischen Kanzleien mit starken Standbeinen in Ost- und Südosteuropa behaupteten ihre Positionen im Mittelfeld der Rangliste von Mergermarket. Schönherr, Wolf Theiss und Baker & McKenzie Diwok Hermann Petsche hielten die Transaktionszahlen ziemlich stabil; bei CMS Reich-Rohrwig Hainz stehen deutlich weniger Deals auf der Liste, das genügt dennoch für einen zweiten Platz im Ranking. Der jeweilige Wert der Transaktionen ging im Mittel jedoch bei allen zurück, allerdings erlauben die veröffentlichten Zahlen aus dem Vorjahr nur einen eingeschränkten Vergleich mit den aktuellen.
Fast verdoppelt: Chinesische Investitionen in Osteuropa
Ein Grund für die verstärkte M&A-Aktivität in Osteuropa sind chinesische Investitionen. Auch wenn ihr Anteil am Gesamtaufkommen noch überschaubar ist: Die Summe hat sich innerhalb eines Jahres auf mehr als 4,35 Milliarden Euro fast verdoppelt, so der Überblick des ‚Emerging Europe M&A Report‘ von CMS vom Januar 2017. Damit gehört die Volksrepublik in der Region zu den fünf wichtigsten Quellländern von Auslandsinvestitionen.
2016 entfiel der Löwenanteil der chinesischen Investitionen auf Russland und Tschechien. Ein Branchenfokus ist bei diesen Übernahmen bislang nicht zu erkennen. Im nördlichen Nachbarland kaufte sich beispielsweise CEFC China Energy in ganz unterschiedlichen Bereichen ein, darunter dem Gebäudekomplex Florentinum im Stadtzentrum von Prag und der Bankengruppe J&T Finance. Im Bankensektor sind auch die ‚Bank of China‘ und die ‚Industrial & Commercial Bank of China‘ (ICBC) in Osteuropa tätig. Die Bank of China eröffnete vergangenes Jahr ein Büro in Wien, das an die Budapester Niederlassung angegliedert ist. Und die ICBC verwaltet einen milliardenschweren Fonds für Investitionen in Osteuropa.
Beobachter erwarten deshalb mehr, sowohl von privaten wie staatsnahen Unternehmen aus China. Dafür spricht, dass die Regierungschefs von 16 osteuropäischen Ländern, darunter Polen, Tschechien und Ungarn, im November mit Premierminister Li Keqiang eine Investitionsmesse vereinbarten, die für Juni in der chinesischen Hafenstadt Ningbo angesetzt ist.