Dämmen und Sparen

Wienerberger kauft mit E+H und Advant Beiten Dachsanierungskompetenz zu

Der Baustoffhersteller Wienerberger baut sein Geschäft mit Dach- und Solarlösungen aus. Dazu erwirbt der Konzern Geschäftsbereiche des französischen Unternehmens Terreal, die 2022 auf einen Umsatz von rund 740 Millionen Euro kamen. Aufsichts- und kartellrechtliche Freigaben sollen bis Anfang 2024 vorliegen.

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Die wesentlichen Teile der Transaktion sind das Terreal-Geschäft in Frankreich und in Deutschland. Dort sowie in den Beneluxstaaten ist das Unternehmen unter der Marke Creaton auf dem Markt. Rund 60 Prozent des Umsatzes entfallen bei den Zielgesellschaften auf Frankreich, 28 Prozent auf Deutschland. Insgesamt umfasst der Deal auch Tochtergesellschaften in Italien, Spanien und den USA. Mit dem Erwerb stoßen rund 3.000 Mitarbeitende an 29 Standorten zu Wienerberger.

Der börsenotierte Konzern verfolgt mit dem Kauf das Ziel, sein Geschäft mit Baustoffen für die Dachsanierung und die Errichtung von Solaranlagen auszubauen. Dachmaterialien machen rund 80 Prozent des Umsatzes der Zielgesellschaften aus. Auf der Basis der Geschäftszahlen für 2022 erhöht sich der Anteil der Sparte Renovierung am Gesamtumsatz mit dem Zukauf um fünf Prozentpunkte auf 34 Prozent.

Staatlich gefördert

Wienerberger setzt mit dieser Strategie unter anderem auf ein Förderprogramm in Frankreich, das bis 2026 rund 30,5 Milliarden Euro für den Ausbau der erneuerbaren Energien bereitstellt. In Deutschland hat die Bundesregierung das Ziel gesetzt, dass erneuerbare Energien im Jahr 2030 über 80 Prozent des Stromverbrauchs decken sollen.

Außen vor bleibt bei der Transaktion das Terreal- und Creaton-Geschäft in Österreich, Polen und Ungarn. Die Töchter in diesen Ländern halten weiterhin die Alteigentümer.

Wienerberger finanziert den Deal aus Barmitteln, bestehenden Kreditlinien und sechs Millionen eigener Aktien. Diese sind mit 26 Euro pro Anteilsschein bewertet. Sie tragen also rund 156 Millionen Euro zur Finanzierung bei.

Betriebergebnis fast verdoppelt

Der Umsatz des Konzerns belief sich in den ersten neun Monaten des aktuellen Geschäftsjahres auf gut 3,8 Milliarden Euro, ein Plus von 33 Prozent. Das operative Betriebsergebnis (EBIT) verdoppelte sich fast auf 629 Millionen Euro. Im Geschäftsjahr 2021 beschäftigte das Unternehmen rund 17.000 Mitarbeitende.

Den bayerischen Dachziegelhersteller Creaton hatte Terreal im Herbst 2020 gekauft. Bereits damals gehörte das Unternehmen verschiedenen Beteiligungsvehikeln, darunter Park Square Capital, Goldman Sachs Merchant Banking Division und Barings.

Josef Schmidt

Berater Wienerberger
Inhouse Recht (Wien): Dr. Karl Wagner (General Counsel) – aus dem Markt bekannt
E+H Rechtsanwälte (Wien): Josef Schmidt (Federführung), Dr. Peter Winkler, Dr. Dominik Juster, Dr. Philipp Schrader; Associates: Dr. Steve Jeitler (Graz), Alina Holzer, Alexander Koschell (letztere beide Rechtsanwaltsanwärter; alle Corporate/M&A)
Latham & Watkins (Paris): Alexander Benedetti, Thomas Forschbach; Associates: François Blanchet, Eliott Fourcade (alle Corporate/M&A)
Advant Altana (Paris): Gilles Gaillard, Géraldine Malfait (beide Corporate/M&A), Frédéric Manin, Lucie Giret (beide Kartellrecht), Louis des Cars, Elise Mommessin (beide Öffentliches Recht), Laura Beserman (Arbeitsrecht); Associates: Olivier Carmès (Corporate/M&A), Kevin Bellolo (Arbeitsrecht), Jean-Guy de Ruffray (IP/IT-Recht), Etienne Nicolet (IP-Recht)
Michelez Notaires (Paris): Arnaud Bayart (Immobilienrecht)
Advant Beiten (München): Uwe Wellmann (Berlin), Christoph Heinrich (beide Federführung; beide Kartellrecht), Dr. Mario Weichel (Corporate/M&A), Anja Fischer (Real Estate), Michael Ziegler, Petra Fendt (beide Finanzierung), Katrin Lüdtke (Öffentliches Recht), Christian Hess (IP-Recht), Wolf Reuter (Arbeitsrecht), Dr. Ariana Loof (Datenschutzrecht; letztere beide Berlin); Associates: Maximilian Matusewicz (Corporate/M&A), Cathleen Laitenberger (Kartellrecht), Philipp Früh (Öffentliches Recht), Chiara Peterhammer, Nima Valadkhani (Berlin; beide Commercial)
Binder Grösswang (Wien): Christine Dietz; Associates: Christoph Raab, Stefanie Syrch (Rechtsanwaltsanwärterin; alle Kartellrecht)

Berater Verkäufer
Weil Gotshal & Manges (Paris): Jean Beauchataud, Pierre-Alexandre Kahn (beide Corporate/M&A), Edouard de Lamy (Steuerrecht), Olivier Jauffret (Finanzierung); Associates: Vincent Chaudet, Hayk Keshishian (beide Corporate/M&A), Fabienne Hauf (Finanzierung)

Berater Terreal
Orrick Herrington & Sutcliffe (Paris): Patrick Hubert (Federführung); Associate: Maxence Jonvel (beide Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Für die rechtliche M&A-Beratung war aufseiten der Käuferin die Kanzlei E+H zuständig, die den Baustoffhersteller in verschiedenen Rechtsbereichen immer wieder berät. Ein Beispiel dafür aus den Jahren 2021/22 ist der Erwerb der Sparte für Fertigteil-Ziegelwände von Walzer Bausysteme. In der aktuellen Transaktion lag die Federführung gemeinsam bei dem Partner Schmidt und dem Anwalt Jeitler. Letzterer kehrte im Herbst 2021 zu E+H zurück, nachdem er mehrere Jahre bei dem Venture-Capital-Fonds Plug & Play in den USA und in Wien gearbeitet hatte. Zuvor hatte er seine Anwärterzeit bei E+H absolviert.

Im M&A-Strang griff E+H für die Transaktion in Frankreich auf ein Team um die Transaktionsanwälte Benedetti und Forschbach im Pariser Büro von Latham & Watkins zurück, das aus früheren Deals Erfahrung in der Bauzulieferbranche mitbrachte. Als ersten Schritt schlossen beide Seiten ein Put-Option-Agreement, das gemäß französischem Recht im weiteren Verlauf in ein Share-Purchase-Agreement münden soll.

Uwe Wellmann

Daneben waren allein im Heimatmarkt von Terreal zusätzlich Advant Altana für die Due Diligence und das Notariat Michelez für immobilienrechtliche Fragen einbezogen. In mehreren weiteren Ländern berieten lokale Kanzleien zur Due Diligence, darunter Garrigues in Spanien, Masotti Cassella in Italien, Stibbe in Belgien und Holland & Knight in den USA.

Fusionskontrolle im Fokus

Für die kartellrechtlichen Angelegenheiten war Advant Beiten die zentrale Beraterin. Deren Team führten die Berliner Anwälte Wellmann und Heinrich. Wellmann ist seit vielen Jahren als Berater bei Wienerberger etabliert und beriet das Unternehmen bereits vor seinem Wechsel zu Beiten Ende 2013.

Christine Dietz

In Österreich war im Kartellrecht Binder Grösswang mandatiert, mit Partnerin Dietz arbeitete das Beiten-Team bereits früher zusammen. Gleichwohl hat E+H selbst eine breit aufgestellte und renommierte Praxis in diesem Bereich. Fusionskontrollrechtliche Belange übernahmen außerdem in Polen Woźniak Legal und in Südosteuropa Radovanović Stojanović & Partner.

Die Terreal-Eigner setzten bei dem Teilverkauf in der M&A-Beratung auf ein Team von Weil Gotshal aus Paris. Im Steuerrecht hat die Kanzlei angekündigt, in Frankreich den Transaktionsspezialisten Benjamin Pique zum Ende des Monats an Bord zu holen. Er war seit 2018 Partner bei EY und arbeitete für die Big-Four-Gesellschaft in Paris und New York.

Für die kartellrechtlichen Angelegenheiten ist aufseiten der Zielgesellschaft eine Orrick-Mannschaft um Hubert und Jonvel aus dem Büro in Paris zuständig.

Aktualisiert am 18. Jänner 2023.

 

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