In eigener Sache

Jubiläumsausgabe: JUVE Österreich wird 10 Jahre alt

Seit 2012 bearbeitet der JUVE Verlag auch den österreichischen Rechtsmarkt. Wie ging es damals los? JUVE-Chefredakteur Jörn Poppelbaum versucht sich zu erinnern. Als redaktioneller Initiator und Mitglied des Startteams des JUVE Magazins für Wirtschaftsjuristen in Österreich war er von Anfang an dabei.

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Wir waren jung, naiv und brauchten das Geld. So beginnt ein guter Rückblick darauf, dass man aus dem Nichts kommend etwas ganz Großes geschaffen hat. Aber: So war es nicht.

Jörn Poppelbaum damals

JUVE hat die Ausweitung der Berichterstattung auf den österreichischen Anwalts- und Juristenmarkt relativ langfristig vorbereitet. Denn sicher waren wir nicht, ob wir als „Piefkes“ ausreichend Akzeptanz finden würden, ein Magazin für den österreichischen Markt herauszugeben, das sich für die Zielgruppe – also die Juristinnen und Juristen in Österreich – wirklich wie „ihr“ Magazin anfühlt. Für uns war jedenfalls von Anfang an klar: Wir wollten nicht das Gefühl vermitteln, aus dem großen Deutschland heraus aufzutreten und von oben herab über einen vergleichsweise kleinen Rechtsmarkt berichten, sondern aus der Mitte des österreichischen Marktes heraus.

Wir-Gefühl

Die Frage war also: Wie können wir ein „Wir-Gefühl“ schaffen? Meine Kolleginnen, Kollegen und ich sind praktisch auf Road-Show gegangen, um das herauszufinden. Wir sind über mehrere Jahre hinweg bei Kanzleien vorstellig geworden und haben in unserem deutschen Monatsmagazin JUVE Rechtsmarkt über verschiedene Facetten des österreichischen Marktes berichtet, um zu verstehen, wie (anders) die Kanzleien und Rechtsabteilungen in Unternehmen in unserem Nachbarland ticken. Und so sind im JUVE-Rechtsmarkt Artikel entstanden über die Wiener Kartellrechtsszene (Trautes Heim, 2010) und über die Rechtsmärkte in Zentral- und Osteuropa (Das späte Ende des Ostblocks, 2011). Die Reaktionen waren sehr ermutigend.

Schon bald kam die Frage auf: „Wann gibt es eigentlich die JUVE auch bei uns?“ (Warum es überall „die“ JUVE heißt, egal ob in Deutschland oder Österreich, hat sich mir bis heute nicht erschlossen. Aber das ist ein anderes Thema.) Gestärkt durch die positiven Reaktionen beschlossen wir Ende 2011 schließlich, mit einer eigenständigen Publikation an den Markt zu gehen.

Doch die Zweifel blieben: Selbst wenn wir glaubten, mit offenen Armen empfangen zu werden, blieben wir eine Redaktion von außen – so dachten wir jedenfalls. Wir führten mit einer damals in der Rechtsszene gut bekannten Wiener Journalistin sehr ernsthafte Gespräche, um eine ständige Ansprechpartnerin vor Ort zu haben. Doch sie entschied sich letzten Endes statt für uns für eine sehr große österreichische Tageszeitung. Wer will es ihr verdenken? JUVE war ein kleiner deutscher Fachverlag mit ungewohntem Konzept.

Auch die Kooperation mit einem Wiener Verlag, der zum selben Zeitpunkt seine Berichterstattung über juristische Themen ausbauen wollte, haben wir erwogen und am Ende verworfen. Die Vorstellungen waren zu unterschiedlich.

Rund um den Ring

Und so kam es wie es bei JUVE eigentlich immer kam (und kommt). Wir machten es einfach alles selbst. Der Kollegin Geertje de Sousa (die damals noch einen anderen Nachnamen trug, bevor sie auf einem unserer vielen Köln-Wien-Flüge ihren späteren Mann kennenlernen sollte) und mir als Gründungsredakteuren bescherte das ein- bis zweimal im Monat eine drei- oder viertägige Reise nach Wien. Und lange Aufenthalte in der Stadt mit anfangs wenigen Terminen.

Doch wir erarbeiteten uns Wien: den 7. und 8. Bezirk um den Westbahnhof (wo wir immer im Motel One residierten), die verschiedenen Museen (besonders beeindruckend die Ausstellung „Vermeer: Die Malkunst“ im Kunsthistorischen Museum), den Karls- und den Stephansplatz, die Rotenturmstraße – eben dort, wo man sich aufhielt in unserem Job: Der spielte sich rund um den Ring zwischen Cerha Hempel, Wolf Theiss, Dorda, Fellner Wratzfeld, DLA Piper Weiss-Tessbach und dann seinerzeit rein in die Altstadt zu Schönherr bis zu KWR Karasek Wietrzyk zunächst praktisch ausschließlich im 1. Bezirk ab.

Besonderes Highlight – um das manche uns beneideten, aber viele auch auf eine Art bedauerten – war der erste (und der für uns bislang einzige) Juristenball in der Hofburg, den Geertje und ich besuchten: im Jahr 2015 auf die Einladung von bpv Hügel hin. Trotz des Wiener-Walzer-Intensivkurses, der in der Einladung inkludiert war, ist aus mir leider nie ein großer Tänzer geworden. Jedenfalls hatten wir damals das Gefühl: Jetzt sind wir angekommen!

Jörn Poppelbaum heute

Angekommen sind wir mit einer eigenen Publikation und der entsprechenden Online-Begleitung nun bereits seit zehn Jahren. Meine Redaktionskolleginnen und -kollegen, die heute das JUVE-Österreich-Kernteam bilden – Annette (Kamps), Claudia (Otto), Michael (Forst) und Raphael (Arnold) – arbeiten im vielleicht glücklichsten Team bei JUVE. Denn sie sind immer noch (abgesehen von der unfreiwilligen Unterbrechung durch Corona) laufend in Wien oder den Bundesländern, auf Jus-Messen und Inhouse-Events, auf Kanzleipartys oder in einem der vielen schicken Wiener Restaurants, um sich mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, über den Markt der Wirtschaftsjuristen auszutauschen. Und um den Markt transparenter, die Marktmechanismen begreifbarer und dadurch in gewisser Weise vielleicht auch ein bisschen besser zu machen.

Als „Piefke“ wurde ich in meinen ganzen Österreich-Jahren übrigens nur einmal bezeichnet: Von dem angetrunkenen Namenspartner bei der Preisverleihung einer Kanzlei. Was lernen wir daraus? Ein guter Rückblick hört mit einer guten Geschichte auf.

Vielen Dank, dass Sie uns über die ganzen Jahre gewogen geblieben sind!

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