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Bernsau, übernehmen Sie!

In wirtschaftlicher Hinsicht sind wir bei JUVE meistens glücklich. Denn wenn an dieser Stelle Monat für Monat über insolvente Unternehmen und deren Verwalter geschrieben wird, erfahren wir von den Fällen meistens aus der Zeitung. Diesmal war es anders. Ein Tipp aus der Szene brachte uns erstens dazu, einmal in Frankfurt bei Dr. Georg Bernsau (Bernsau Rieger Lautenbach) anzuklingeln, und der Anruf brachte uns zweitens Gewissheit: Der Personaldienstleister Hudson Global Ressources GmbH hat im April beim Amtsgericht Frankfurt Insolvenz angemeldet. Fahler Beigeschmack: Hudson vermittelt auch Juristen und ist einer unserer Anzeigenkunden. Das Unternehmen steht noch mit einem fünfstelligen Eurobetrag bei uns in der Kreide. Doch der vorläufige Verwalter Georg Bernsau (Bernsau Rieger Lautenbach) aus Frankfurt, ein Spezialist für internationale Insolvenzfälle, gibt leichte Entwarnung. Zahlungsunfähig sei nur die deutsche Tochter (die übrigens von dem ehemaligen Haarmann Hemmelrath-Partner Dr. Hans-Joachim Fritz geleitet wird). Die englische Mutter und die amerikanische Großmutter in diesem gesellschaftsrechtlich ziemlich kompliziert verflochtenen Unternehmen würden weiter erfolgreich arbeiten. Und die Verträge seien in der Weise verfasst, dass man möglicherweise auf das Gesamtunternehmen zurückgreifen könnte. Das freut uns und vielleicht auch die 75 Arbeitnehmer, die in Frankfurt, München, Hamburg und Köln beschäftigt sind. Was Bernsau jetzt vorhat? Er will die verschiedenen Geschäftsfelder des Vermittlers in Einzelgesellschaften aufteilen und dann die Fortführung jeweils per übertragender Sanierung sichern. Vielleicht haben wir dann ja bald auch wieder einen Anzeigenkunden aus dem Legal-Recruitment-Segment mehr – und wir bleiben glücklich, wenigstens in wirtschaftlicher Hinsicht. Bernsau, übernehmen Sie!++++ Schon lange und geradezu Film(titel)reif einen Betrieb übernommen hat in Berlin Rolf Rattunde. Der wichtige Hauptstadtverwalter aus der wichtigsten Hauptstadtverwalterkanzlei Leonhardt & Partner leitet seit Anfang April die Geschicke bei der Senator Entertainment AG. Der Filmproduzent mit rund 70 Mitarbeitern hat trotz Kassenknüllern wie „Das Wunder von Bern“, „Good Bye Lenin“ oder „Comedian Harmonists“ zusammen mit drei Tochtergesellschaften rund 200 Millionen Euro Schulden angehäuft. Rattunde präsentierte in Windeseile einen Rettungsplan: Er will auf einer Hauptversammlung einen Kapitalschnitt bei dem Unternehmen vornehmen zu lassen, um einen möglichen zukünftigen Investor aufzunehmen. Das Kapital würde herabgesetzt und anschließend für die Muttergesellschaft erhöht. So könnten die Tochtergesellschaften aus der Insolvenz entlassen werden. In einem anschließenden Insolvenzplan würden diverse weitere Forderungen bereinigt. Stichwort Insolvenzplan: Dieses Instrument, das in Deutschland noch nicht allzu häufig eingesetzt wurde, steht – wie auch zum Beispiel die Eigenverwaltung – für die Möglichkeiten der neuen Insolvenzordnung. Und wie es der Zufall so will, hat sich Rattundes Berliner Kanzlei in der erfolgreichen Etablierung von derlei Plänen einen guten Ruf geschaffen. Der bei der Herlitz AG von Namenspartner Peter Leonhardt verwendete Insolvenzplan (JUVE 05/02) gilt bundesweit als Musterbeispiel zur Grundlage der effektiven Sanierung einer Aktiengesellschaft. ++++

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++++ Nur ein paar dutzend Kilometer weg von Berlin und doch meilenweit entfernt von einer Sanierung ist Rüdiger Wienberg. Der Dresdner Namenspartner der Insolvenzgroßkanzlei hww wienberg wilhelm muss derzeit einen seiner heikelsten Aufträge lösen: Schwarze Pumpe. So heißt im Volksmund der alte, in der Lausitz gelegene DDR-Braunkohlebetrieb, in dem seit 1995 Abfälle verwertet werden. Heute gilt das Sekundärrohstoff-Verwertungszentrum Schwarze Pumpe GmbH (SVZ) als moderner Betrieb. Hier wird aus synthetischen Abfällen sowie aus Holzresten und Klärschlamm ein Synthesegas erzeugt, unter anderem als Basis für den Chemiegrundstoff Methanol. Allein die Maschinen sollen knapp 200 Millionen Euro wert sein. Trotzdem musste das SVZ Ende April in Cottbus Insolvenz anmelden, denn es machte bislang nur Verluste. Und das obwohl von dem ehemaligen Eigentümer Berliner Wasserbetriebe im Laufe der Zeit 500 Millionen Euro in das Werk gepumpt wurden. 2002 verkauften die Berliner ihre Pumpe dann für den Symbol-Preis von einem Euro an die Ostdeutsche Gesellschaft für Reststoffverwertung (Oresto) und gaben dieser obendrein noch ein Gesellschafterdarlehen von 44 Millionen Euro für Sanierungs- und Anlaufverluste mit auf den Weg. Ein möglicherweise folgenreicher Fehler. Denn es scheint so, als hätte Oresto beziehungsweise deren Hamburger Muttergesellschaft NordGB, die Begriffe ‚Pumpen’ und ‚Sekundärverwertung’ etwas überinterpretiert: Nach dem preiswerten Erwerb nun die Zerschlagung, Verkauf der Maschinen und zurück zum Ausgangspunkt: Kohle machen. So haben sich laut Zeitungsberichten die neuen Manager das wohl gedacht. Nebenbei würden dabei rund 350 Mitarbeiter des SVZ ihre Arbeitsplätze verlieren, plus 650 in Zuliefererfirmen. Für die ohnehin schwachbrüstige Region eine Katastrophe – die Rüdiger Wienberg nun verhindern will. Als eine seiner ersten Taten warf er einen der vermeintlichen Übeltäter, Geschäftsführer Hans-Helmut Naumann, hochkant aus der Firma: fristlose Kündigung, Hausverbot. Denn Naumann hatte hinter dem Rücken von Wienberg beim Dresdner Regierungspräsidium die Stilllegung der gesamten Anlage mitgeteilt. Folge: Das SVZ hätte wahrscheinlich nie wieder eine Genehmigung erhalten, die Bemühungen von Wienberg wären ins Leere gelaufen und NordGB-Mann Naumann – der das gleiche Spiel schon einmal vor ein paar Jahren bei einem Betrieb in Lübeck probiert hatte – wäre am Ziel gewesen. Doch vorerst hat er sich verpumpt. Und jetzt heißt es auch in der Lausitz endlich: Wienberg, übernehmen Sie! ++++

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