Die R-Pharm Germany blickt auf eine Firmengeschichte zurück, die bis ins Jahr 1849 reicht. Das Unternehmen entwickelt, produziert und versendet Arzneimittel für Kunden in rund 150 Ländern. 2014 war das Unternehmen von Pfizer an den russischen R-Pharm-Konzern verkauft worden.
Vordringliche Aufgabe des Verwalters ist einer Mitteilung zufolge neben der Investorensuche die Sicherstellung der Löhne und Gehälter über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten führt das Unternehmen auf den Gesellschafterkreis zurück, der einem russischen Konsortium angehört. Infolge internationaler Russland-Sanktionen sei es zunehmend zu Unsicherheiten bei Kunden und Geschäftspartnern gekommen.
Verkaufsbemühungen gab es Medienberichten zufolge bereits seit 2023. Sämtliche Ansätze scheiterten dem Vernehmen nach, Namen von potenziellen Verkäufern wurden nicht öffentlich. Schlüsse auf den Unternehmenswert ließen russische Medienberichte über eine Klage der Moskauer Konzernmutter gegen die russische Dependance der Raiffeisenbank Österreich zu: Hier sollen laut Gerichtsunterlagen im Zusammenhang mit dem gescheiterten Verkauf der Anlage von R-Pharm in Deutschland 337,5 Millionen Euro an Schadensersatz gefordert worden sein.
Verwalter Fröhlich strebt eine übertragende Sanierung an und hat ein M&A-Beratungsunternehmen mit der Suche nach Investoren beauftragt. Erste Interessenten hätten sich bereits gemeldet. Im Fokus stehen insbesondere die technologische Ausstattung, der internationale Kundenstamm und die qualifizierte Belegschaft, heißt es.
Die Berater im Überblick
Insolvenzverwaltung
Fröhlich (Friedrichshafen): Markus Fröhlich (Vorläufiger Insolvenzverwalter)
Berater R-Pharm Germany
Wilken (Köln): Dr. Klaus Felke (Federführung), Nico Weis (beide Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt
Berater Betriebsrat
Konopatzky (Augsburg): Alexander Nerlinger (Arbeitsrecht) – aus dem Markt bekannt
Hintergrund: Fröhlich ist seit rund 20 Jahren als Restrukturierer tätig, seit 2003 in eigener Kanzlei, die auch Steuerberatung anbietet. Mit Verwaltermandaten wird er vorwiegend im süddeutschen Raum betraut.
Die Kölner Einheit Wilken kam dem Vernehmen nach sehr kurzfristig in das Mandat, das, soweit bekannt, aus einer punktuellen Beratung zur Stellung des Insolvenzantrags bestand. Im StaRUG-Verfahren des börsennotierten Wohnimmobilieninvestors Accentro Real Estate 2025 stand ein Wilken-Team um den Namenspartner und unter Beteiligung von Felke und Weis dem Aufsichtsrat zur Seite.
Marktbekannt ist Wilken als Vertreterin der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) im Verfahren um den VW-Dieselskandal.
Der Betriebsrat vertraut auf den erfahrenen Arbeitsrechtler Nerlinger von der Augsburger Kanzlei Konopatzky. Er ist seit 2019 Sozius der Einheit, war vorher seit 2000 in Augsburg Partner von Benning Reinecke Nerlinger Treu. Die in Illertissen involvierte DGB-Gewerkschaft IGBCE vertritt Nerlinger langjährig.
Berater von R-Pharm beim Kauf der Illertisser Produktionsstätte von Pfizer 2014 war Simmons & Simmons, die danach aber nicht mehr für den Konzern tätig wurde.