Streit der Radiovermarkter

Latham & Watkins geht für RMS in Berufung

Der Streit um Preise für Radiowerbung geht in die nächste Instanz. Der größte private Werbezeitenvermarkter Radio Marketing Service (RMS) hat gegen das Urteil des Landgerichts Hamburg Berufung zum Oberlandesgericht eingelegt. Zuvor war RMS mit seiner Klage gegen den Wettbewerber AS&S Radio, der vorwiegend öffentlich-rechtliche Sender vertritt, vor dem Landgericht gescheitert. Die Richter wiesen die Klage aus formellen Gründen ab.

Teilen Sie unseren Beitrag
Sebastian Seelmann-Eggebert
Sebastian Seelmann-Eggebert

Streitpunkt der Parteien sind die Preise für Radiowerbung. RMS warf AS&S vor, das Angebot ,Deutschland-Kombi‘ auf Grundlage der Reichweite der Hörer zwischen 14-49 Jahren berechnet zu haben, obwohl diverse Radiosender für ein älteres Hörerpublikum in der Kombination vertreten seien.Darin sah die Klägerin einen Verstoß gegen das Gebot der Marktkonformität, welches in Paragraph 16a des Rundfunkstaatsvertrag formuliert ist. Ihre Klage stützte die RMS auf ein Rechtsgutachten des Münsteraner Rechtsprofessors Bernd Holznagel.

Die Preise für Radiowerbung werden festgelegt nach der Anzahl der erreichten Hörer. Als Einheit gilt der Tausendkontaktpreis (TKP), der über die Kosten pro 1.000 Zuhörer Auskunft gibt .RMS betreut 158 private Rundfunksender, die 2012 mit Werbezeiten einen Umsatz von rund 926 Millionen Euro erwirtschafteten. AS&S konzentriert sich im Wesentlichen auf die Hörfunkwerbezeiten öffentlich-rechtlicher Sender und erwirtschaftete im vergangenen Jahr 849 Millionen Euro.

Nachdem die Hamburger Richter die Klage abgewiesen hatten, legte RMS nun vor wenigen Tagen Berufung beim Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg ein.

Vertreter Radio Marketing Service
Latham & Watkins (Hamburg): Dr. Sebastian Seelmann-Eggebert

Vertreter AS&S
Haver & Mailänder (Stuttgart): Prof. Peter Mailänder

Landgericht Hamburg, 12. Zivilkammer
Michael Perels (Vorsitzender Richter)

Hintergrund: RMS ist eine langjährige Mandantin des Hamburger Büros von Latham & Watkins. Seelmann-Eggebert berät das Unternehmen regelmäßig bei streitigen Verfahren unter anderem im Vertriebs- und Wettbewerbsrecht. Ansonsten hat sich der Litigation-Partner in den vergangenen Jahren vor allem einen Namen als Parteivertreter in internationalen Schiedsverfahren gemacht.

Auch dass AS&S auf Haver & Mailänder setzt, überrascht nicht. Der Namenspartner der Stuttgarter Kanzlei ist regelmäßig für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Einsatz, wie zuletzt beim Streit um die Einspeiseentgelte (mehr…).

Artikel teilen