Untreuevorwurf: Hohe Haftstrafe für Ex-Aegis-Chef
Aleksander Ruzicka, ehemaliger Deutschlandchef der Media-Agentur Aegis, muss wegen schwerer Untreue in 68 Fällen für elf Jahre und drei Monate in Haft. Das entschied die 6. Strafkammer des Landgerichts Wiesbaden.Der ehemalige Aegis-Einkaufschef David Linn wurde zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Staatsanwaltschaft hatte für Ruzicka eine Haftstrafe von 13 Jahren und 6 Monaten gefordert, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Ruzicka zwischen 2002 und 2006 rund 35 Millionen Euro Werbegelder in die eigene Tasche gesteckt hat. Das Geld hätte jedoch der Agentur zugestanden.
Über Scheinrechnungen und Briefkastenfirmen, so das Gericht, habe er Rabatte, die Fernsehsender Aegis eingeräumt hatten, nicht an die Agentur weitergegeben. Stattdessen habe er diese für seinen aufwändigen Lebensstil verwendet. Umstritten zwischen Verteidigung und Anklage war, ob er das Geld überhaupt an Aegis hätte weitergeben müssen. Ruzicka stellte sich auf den Standpunkt, diese Rabatte – unter anderem für eingekaufte Werbezeit eingeräumte kostenlose Sendezeit und Rückvergütungen – seien im Sinne und mit Einverständnis der Kunden verwendet worden, etwa um Anreize für Neukunden zu schaffen. Das sahen Staatsanwaltschaft und Gericht nach mehr als 60 Verhandlungstagen und mehr als zweijähriger Untersuchungshaft von Ruzicka anders.
Revision ist durch die Verteidigung bereits eingelegt. Das Landgericht München II hat in einem parallel laufenden Zivilprozess, in dem Danone die Auszahlung von Rabatten von einer Aegis-Tochter verlangt, geurteilt, die Rabatte und Rückvergütungen stünden dem Kunden, nicht aber der Agentur zu. (Astrid Jatzkowski)
Vertreter Ruzicka
Dierlamm & Traut (Wiesbaden): Marcus Traut
Vertreter Linn
Döring & Waldek-Bürkle (Darmstadt): Manfred Döring
Roos & Karst (Wiesbaden): Harald Roos
Staatsanwaltschaft Wiesbaden
Wolf Jördens
LG Wiesbaden, 6. Strafkammer
Jürgen Bonk (Vorsitzender Richter)
Dierlamm & Traut gehört zu den etablierten Wirtschaftsstrafkanzleien, zuletzt vertrat sie unter anderem Manfred Kanther in seinem Revisionsverfahren. Die Verteidiger von Linn sind nach Informationen aus dem Markt eher im allgemeinen Strafrecht als in Wirtschaftssachen engagiert.