Aber bitte mit Sahne

Coppenrath & Wiese geht mit White & Case-Hilfe an Dr. Oetker

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Der Oetker-Konzern hat den Bieterkampf um Deutschlands bekanntesten Tiefkühltortenhersteller Coppenrath & Wiese für sich entschieden. Bis zum Ende mit im Rennen waren außerdem die Beteiligungsfirmen Montagu und Cinven. Presseberichten zufolge hatten zudem auch der Nestlé-Konzern, die beiden Investoren CVC, EQT und der Hamburger Unternehmer Peter Möhrle Interesse bekundet. Als aussichtsreichster Interessent für den europaweiten Tiefkühltorten-Marktführer galt aber stets Dr. Oetker.

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Stilcken_Andreas
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Coppenrath & Wiese erzielte zuletzt mit 2.000 Beschäftigten einen Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro. Die Oetker-Gruppe betritt mit dem Erwerb des Spezialisten für Torten und Aufbackbrötchen ein neues Marktsegment. Bisher war das Bielefelder Familienimperium, zu dem 400 Firmen aus verschiedenen Branchen gehören, in der Tiefkühlsparte vor allem durch seine Fertigpizzen bekannt. Dr. Oetker sagte zu, eine im vergangenen Jahr zwischen Alteigentümern und Betriebsrat ausgehandelte Beschäftigungsgarantie bei Coppenrath & Wiese einhalten zu wollen. Bis 2018 sollen die Arbeitsplätze gesichert sein. Das Bundeskartellamt muss der geplanten Übernahme noch zustimmen.

Berater Dr. Oetker
Inhouse Recht (Bielefeld): Dr. Thomas Mai – aus dem Markt bekannt

Berater Coppenrath & Wiese
White & Case (Frankfurt): Dr. Andreas Stilcken, Dr. Tim Arndt (beide Corporate/M&A), Dr. Bodo Bender (Steuern), Frank-Karl Heuchemer (Arbeitsrecht); Associates: Ingrid Knollmeyer, Daniel David, Silke Jurczyga (alle Corporate/M&A/Corporate), Andreas Kössel (Arbeitsrecht), Behnam Yazdani (Immobilien)

Berater Montagu
Linklaters (Frankfurt): Dr. Ralph Drebes, Dr. Jonas Herrmann (beide Corporate/M&A) – aus dem Markt bekannt

Berater Cinven
Hengeler Mueller: Dr. Emanuel Strehle (München), Dr. Christof Jäckle (Frankfurt; beide M&A) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Oetker-Gruppe hatte dem Vernehmen nach keine externen Berater eingeschaltet. Dies passt zur Strategie des Familienkonzerns, der sich auch schon in der Vergangenheit bei größeren Transaktionen regelmäßig ausschließlich auf interne Juristen verließ. Diese betreuten in den vergangenen Jahren den Kauf des Getränkeherstellers Bionade und die Trennung von der Versicherungsgruppe Condor ohne fremde Hilfe.

Interessantes Detail am Rande: Offiziell firmiert das Oetker-Inhouseteam auch unter Mai Rechtsanwälte. faktisch agiert es aber als Rechtsabteilung des Unternehmens und hat beispielsweise seine Adresse am Sitz der Konzernzentrale. Auch nach außen nimmt Mai die Funktion des Leiters Recht ein. Zu etwaigen externen Beratern äußerte sich Mai auf JUVE-Nachfrage nicht.

In einem jahrelang schwelenden Streit zwischen den zerstrittenen Oetker-Familienstämmen ging es dagegen nur mit externer Hilfe. Dort kamen die Kinder aus den ersten beiden Ehen des verstorbenen Patriarchen Rudolf-August Oetker und die Nachkommen aus der dritten Ehe allerdings kürzlich mithilfe eines Schiedsgerichts sowie den Sozietäten Hengeler Mueller und Haver & Mailänder einer Lösung näher.

Auch bei Coppenrath & Wiese herrschte in der jüngeren Vergangenheit nicht immer Eintracht zwischen den Erben des Familienimperiums, die sich nach dem Tod des Firmengründers Aloys Coppenrath nicht auf eine gemeinsame Zukunftsstrategie einigen konnten. Als sie das Unternehmen dann im vergangenen Sommer zum Verkauf stellten, lag wohl auch deshalb die Lösung nahe, dass die verschiedenen Gesellschafter sich für die Transaktion eine gemeinsame Beraterin suchten.

JUVE-Recherchen zufolge geschah dies mithilfe eines Beauty Contests, aus dem letztlich White & Case als Gewinnerin hervorging. Soweit bekannt ist es das erste Mal, dass die Kanzlei für Coppenrath & Wiese tätig wurde. Ansonsten vertrauen die Gesellschafter JUVE-Informationen zufolge vor allem regionalen Kanzleien.

Die unterlegenen Bieter verließen sich dagegen auf Kanzleien, die sie bereits aus früherer Zusammenarbeit kennen. So ist Linklaters schon seit mehr als einem Jahr immer wieder für Montagu tätig. Ursprünglich entstanden ist die Mandatsbeziehung aus dem Londoner Büro heraus, doch auch die hiesige Praxis begleitete den Investor schon bei einigen Deals, wie etwa 2009 beim Kauf der auf Flugfeldbeleuchtung spezialisierten ADB Airfield Solutions. Als engste Beraterin von Montagu galt hierzulande in den vergangenen Jahren gleichwohl Clifford Chance.

Cinven, der zweite Bieter, der lange noch mit im Rennen war, griff auf seine wohl engste Beraterin hierzulande zurück, Hengeler. Schon seit vielen Jahren stehen die beiden Partner Strehle und Jäckle dem Investor immer wieder zur Seite. (René Bender)

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