Anschlussfinanzierung

ELL setzt wieder auf K&L Gates

Die European Locomotive Leasing (ELL) hat sich frisches Geld besorgt: Die Vermietungsgesellschaft für elektrische Lokomotiven, die gerade bei Siemens 50 neue Triebwagen bestellt hat, erhält von einem Konsortium aus sechs Banken ein stattliche Anschlussfinanzierung mit drei Kreditlinien. Angeführt wird das Konsortium von der DVB Bank.

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Frank Thomas
Frank Thomas

Die ELL European Locomotive Leasing wurde 2014 mit Mitteln aus Infrastruktur-Fonds des US-Investmenthauses Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und einem Team an erfahrenen Flottenmanagern aufgesetzt. Rund 50 Lokomotiven hat ELL schon in Deutschland, Österreich und Osteuropa im Einsatz. Hauptsitze der Firma sind München und Wien.

Anfang Juni schloss ELL mit Siemens einen Rahmenvertrag über die Lieferung von weiteren 50 Vectron-Lokomotiven. Die Wechselstrom- und Multisystem-Lokomotiven werden sowohl im Güter- als auch Personenverkehr eingesetzt und sind auch für den grenzüberschreitenden Schienenverkehr geeignet.

Bahnindustrie als Geldanlage

Die Frankfurter DVB Bank, die das Bankenkonsortium für die Anschlussfinanzierung anführt, hat sich auf die Finanzierung von Transport- und Infrastrukturprojekten spezialisiert, sei es im Bereich Schifffahrt, Flugzeugverkehr, bei Offshore-Projekten oder im Schienenverkehrsmarkt. Sie ist Teil der DZ-Bank-Gruppe und unterstützte seinerzeit schon den Start der ELL, indem sie mit der Siemens Financial Services (SFS) einen ersten Kreditrahmen bereitstellte. Mit dessen Modifikation und Ausweitung wurde das Konsortium auf sechs Banken erweitert, darunter auch die Erste Group aus Wien.

Dass das Waggon- und Lok-Vermietungsgeschäft häufig auf sehr komplexen Finanzierungskonstrukten beruht, zeigte beispielsweise auch der Sanierungsweg des Wiener Waggonverleihers ERR Rail Rent und jüngst die Refinanzierung der Hamburger Großlogistikfirma VTG. Bei VTG stieg kürzlich der Investor Klaus-Michael Kühne als Großaktionär ein, indem er ein Aktienpaket von Fonds des US-Investors Wilbur Ross übernahm.

Berater European Locomotive Leasing
K&L Gates (Frankfurt): Dr. Frank Thomas, Dr. Christian Büche (beide Federführung;Transport & Finanzierung), Volker Gattringer (Corporate); Associates: Eiko Grieger, AnneThümmel (Finanzierung), Kerstin Hanke (Corporate)
Eisenberger & Herzog (Wien): Dr. Marcus Benes; Associate: Karoline Hofmann (beide Bank- und Finanzrecht)
Clifford Chance (Luxemburg): Marc Mehlen (Bank- und Finanzrecht) – aus dem Markt bekannt

Wolfgang Melzer
Wolfgang Melzer

Berater DVB Bank und Bankenkonsortium
Allen & Overy (Frankfurt): Wolfgang Melzer (Federführung), Pierre Schleimer (Luxemburg); Associates: Dr. Tobias Wintermantel, Frederik Jahn, Nora Buol (Luxemburg; alle Bank- und Finanzrecht)
Schwarz Schönherr (Wien): Dr. Winfried Schwarz; Associate: Markus Platzl

Berater Siemens 
Inhouse Recht (Wien): Lukas Trautsamwieser – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die federführenden K&L Gates-Partner Thomas und Büche hatten bereits die erste Finanzierung für ELL beziehungsweise KKR verhandelt. Seinerzeit kam der Kontakt durch einen direkten Draht zum ELL-Management zustande. Der Frankfurter Partner Thomas stand auch schon an der Seite der DVB-Bank, als vor einigen Monaten die VTG-Refinanzierung anstand.

Bei ELL gibt es Gesellschafter, die über Luxemburg investieren – daher die Einbindung des Clifford-Büros im Großherzogtum. K&L Gates ist dort nicht mit einer eigenen Repräsentanz vertreten. Clifford hatte 2014 das Bankenkonsortium beraten, dieses Mal kam dort allerdings nach einer Empfehlung und einem Pitch Allen & Overy zum Zug.

Für österreichische Aspekte der Transaktion war Eisenberger & Herzog eingebunden, die schon bei der ursprünglichen Finanzierung von KKR mandatiert worden war. Als Local Counsel auf Bankenseite fungierte die Wiener Kanzlei Schwarz Schönherr, die regelmäßig mit dem Frankfurter Team von Allen & Overy zusammenarbeitet, vor allem wenn es um die Finanzierung von Flugzeug- und Eisenbahnprojekten geht. Für die Erste Group, die neu einstieg, war soweit bekannt Erich Mascheker, Leiter der Transportfinanzierungen, involviert.

Der Siemens-Jurist Trautsamwieser fungiert sozusagen als Sales Manager für die Region Österreich. Er verhandelte nach JUVE-Informationen mit der ELL den Liefervertrag für weitere 50 Waggons. Im März verkaufte die Siemens AG Österreich auch eine Vectron Lokomotive an PIMK Rail, ein in Bulgarien ansässiges Transportunternehmen. Auch dieser Kunde erhielt eine Anschaffungsfinanzierung von dem Siemens-Finanzdienstleistungsbereich.

Als die Fonds der US-Beteiligungsgesellschaft Wilbur Ross jüngst ihre VTG-Anteile verkauften, vertrauten sie auf das Jones Day-Team um Ansgar Rempp und Sandra-Christiane Kamper.

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