Das Unternehmen strebt nach eigener Aussage aber weiterhin eine Inbetriebnahme noch im Dezember an und will in diesem Winter rund 5,2 Milliarden Kubikmeter Gas in das deutsche Netz einspeisen. Dafür sind noch einige Genehmigungshürden zu nehmen. Unter den deutschen Import-Terminals für LNG ist das Projekt derzeit das einzige, das ohne Unterstützung durch die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) plant. Veranschlagt ist dafür zunächst Eigenkapital in Höhe von 100 Millionen Euro.
Staatlich geförderte Anlagen in unterschiedlichen Realisierungsphasen gibt es in Wilhelmshaven und Stade in Niedersachsen sowie im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel. Zudem wird in Lubmin für 2023 ein zweites Terminal anvisiert, das die Energiekonzerne RWE und Stena mit KfW-Support als Offshore-Anlage realisieren wollen.
,Neptune‘ vor Reiseantritt
Die Deutsche Regas hatte im Juli vom französischen Energieriesen Total ein schwimmendes Terminal gechartert, die ‚Neptune‘ ist eine sogenannte ‚Floating Storage and Regasification Unit‘ (FSRU). Hier soll das stark gekühlte flüssige Gas in seine ursprüngliche Form verwandelt und in das bestehende Netz eingespeist werden. Netzbetreiber Gascade hat das dazu notwendige 450 Meter lange Anbindungsstück fertiggestellt.
Die schwimmende Einheit ankert derzeit im Hafen Mukran auf Rügen und soll sich zeitnah auf den Weg nach Lubmin machen. Gascade ist eine Tochter der Wiga, einem Gemeinschaftsunternehmen der Wintershall Dea AG und der SEFE Securing Energy for Europe, der ehemaligen Gazprom Germania.
Der Transport des LNG zur FSRU im Lubminer Industriehafen erfolgt in einem aufwendigen Prozess. Vor dem flachen Greifswalder Boden lagert ein Zwischenlager-Schiff. An diese ‚Floating Storage Unit‘ (FSU) liefern die hochseetauglichen Transporteinheiten zunächst ihre wertvolle Fracht, bevor kleine Shuttle-Schiffe sie aufnehmen und an die Küste zur Weiterverarbeitung in der FSRU verfrachten.
1.100 Einwendungen noch abzuarbeiten
Bis Ende November nahm die zuständige Landesbehörde in Mecklenburg-Vorpommern, das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) in Stralsund, Einwendungen gegen das Projekt an, nach einem Bericht des NDR sollen es rund 1.100 gewesen sein. Eine konkrete Frist für die Abarbeitung nennt das mecklenburg-vorpommersche Umweltministerium nicht.
Schnell gehandelt hatte die Bundesnetzagentur, die der Regas eine Ausnahmegenehmigung erteilte. Das Unternehmen ist ab Inbetriebnahme zwei Jahrzehnte lang von der Tarif- und Netzzugangsregulierung gemäß dem Energiewirtschaftsgesetz freigestellt. Hierzu muss allerdings noch die Europäische Kommission Stellung beziehen.
Nach Angaben von Regas seien „private Family-Offices aus UK und US“ beteiligt. Öffentlich ist die im September verkündete Minderheitsbeteiligung des australischen Infrastrukturinvestors und -entwicklers Macquarie Capital an der Deutschen Regas. Die Regas verfolgte seit Jahren vergleichbare Planungen im Zusammenhang mit Wasserstoff und stellte sich nun rasch auf die veränderte Marktsituation ein.
Berater Deutsche Regas
Hengeler Mueller: Dr. Nicolas Böhm (M&A/Energierecht), Dr. Jan Bonhage (beide Federführung; beide Berlin), Prof. Dr. Dirk Uwer (Düsseldorf; beide Öffentliches Wirtschaftsrecht/Energierecht); Dr. Jörg Meinzenbach (Düsseldorf; Energierecht/Kartellrecht); Associates: Dr. Ingo Berner, Dr. Sebastian Bauer (beide Corporate/M&A; beide Berlin), Dr. Michael Schramm, Paul David Rieger, Dr. Rebecca Klein (alle Düsseldorf), Dr. Thomas Ruthemeyer, Dr. Kevin Marschhäuser (beide Berlin; alle Öffentliches Wirtschaftsrecht/Energierecht)
Milbank: Chris Taufatofua (Federführung; London), Dan Bartfeld (New York; beide Bank-/Finanzierungsrecht); Markus Muhs (Corporate/M&A; München); Associates: Kilian de Cintré, Jacob Panagi (beide Bank-/Finanzierungsrecht; beide London)
Berater Total Energies
Clifford Chance: Anna Thwaites (Finanzierung; Frankfurt), Dr. Mathias Elspaß (Energierecht; Düsseldorf) – aus dem Markt bekannt
Hintergrund: Hengeler Mueller um Partner Böhm berät die Deutsche Regas seit dem Beginn der LNG-Projektplanungen für die Anlage in Lubmin und kam durch eine Empfehlung ins Mandat. Im August wurde die Praxis einmal mehr bei der Neuformation des Panels des dänischen Energieunternehmens Ørsted für die wichtigste Sektion ‚Full Service/M&A‘ mandatiert. Neben Böhm ist hier der Frankfurter Partner Dr. Sebastian Schneider tätig.
Das marktführende deutsche Energie- und Infrastrukturteam von Clifford Chance um Leiter Mathias Elspaß berät auch die Betreibergesellschaft des Terminals in Brunsbüttel. Aufseiten der Deutsche Regas-Minderheitsanteilseignerin Macquarie war die Praxis 2021 an der Übernahme von Thyssengas beteiligt.
Gascade vertraute beim Bau des Netz-Anschlussstücks auf die eigene Rechtsabteilung. Zur juristischen Federführung bei diesem Projekt wollte sich das Unternehmen auf JUVE-Anfrage nicht äußern.