Saargummi-Insolvenz

Heimes & Müller mit Schultze & Braun in einem Boot

Zwei Insolvenzverwalter kümmern sich um den Autozulieferer Saargummi aus Wadern. Das Amtsgericht Saarbrücken bescherte dabei der Insolvenzszene ein kurioses Hin und Her. Es bestellte mit seinem ursprünglichen Beschluss zwei Verwalter für eine einzige Gesellschaft, die Saargummi Deutschland GmbH: Udo Gröner von Heimes & Müller für das operative Geschäft im Inland sowie Jean-Olivier Boghossian von Schultze & Braun für das operative Auslandsgeschäft – ein Irrtum, wie sich kurze Zeit später herausstellte.

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Boghossian zog sich noch am Tag der Bestellung wieder zurück, so dass Gröner alleiniger Insolvenzverwalter war. Eine Woche später, am 12. November, wurde Schultze & Braun-Verwalter Boghossian dann doch Teil der Saargummi-Insolvenz – als Verwalter für die Muttergesellschaft Saargummi GmbH.

Die Saargummi Deutschland stellt mit rund 850 Mitarbeitern unter anderem Dichtungen für Autos her. Der Umsatz lag im Vorjahr nach deutlichen Einbrüchen bei 120 Millionen Euro. Gröners Saargummi Deutschland GmbH sowie Boghossians Saargummi (Holding) GmbH gehören zur in Luxemburg ansässigen Saargummi-Gruppe, seit Anfang 2008 ein Portfolio-Unternehmen der Berliner Private-Equity-Gesellschaft Odewald & Compagnie (mehr…). Die Luxemburger Holding selbst und weitere deutsche Tochtergesellschaften haben, soweit bekannt, keinen Insolvenzantrag gestellt. Der Gruppen-Umsatz liegt bei rund 300 Millionen Euro, insgesamt sind 3.300 Mitarbeiter für die Gruppe tätig. Volkswagen, Daimler und BMW stehen für knapp zwei Drittel des Umsatzes. Presseberichten zufolge haben die kreditgebenden Banken um die Landesbank Baden-Württemberg Saargummi vor wenigen Wochen sehr enge Vorgaben zu Ergebnis und Liquidität gemacht.

Gröner und Boghossian gehören im kleinen saarländischen Insolvenzbezirk zu den etablierten Verwaltern. Nicht zum ersten Mal hat das Saarbrücker Amtsgericht die beiden in verwandten Fällen bestellt, vor einigen Jahren etwa im Anlagebetrugsfall CTS/Intervelas beziehungsweise Klaus Josef Keiser. In der Regel sind deutsche Insolvenzrichter zurückhaltend bei der Aufteilung von Insolvenzverfahren auf mehrere Verwalter. Nicht nur Arcandor ist prominentes Beispiel für die Ein-Verwalter-Politik der meisten Gerichte. Andererseits gab es zuletzt bei dem Farbenhersteller Dystar mit Anwälten der Kanzleien Jaffé, Pluta und Hermann gleich drei Verwalter, denen eine Rettung gelang. Auch in der Insolvenz von Egana Goldpfeil beziehungsweise Junghans gab es eine erfolgreiche Kooperation zwischen Ottmar Hermann und Dr. Georg Bernsau.

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