Restrukturierung

Löwen Play mit Latham vollständig saniert

Der deutsche Spielhallenbetreiber Löwen Play wurde finanziell restrukturiert und rekapitalisiert. Kern der umfangreichen Maßnahmen ist die Ausgabe zweier Anleihen.

Teilen Sie unseren Beitrag
Eine Spielhalle des traditionsreichen Glücksspielkonzerns. - Foto: Tupungato/stock.adobe.com

Mehrere Lockdowns haben die Spielautomatenindustrie schwer gebeutelt, darunter die börsennotierte Safari Holding, zu der auch die bekannte Spielhallenmarke Löwen Play gehört.

Der Spielhallenbetreiber mit Sitz in Bingen am Rhein zählt rund 2.500 Mitarbeiter, die an 370 Spielstätten eingesetzt sind. Seit 2008 wird Löwen Play von der Safari Holding gehalten, die selbst zum Portfolio des französischen Private-Equity-Fonds Ardian gehört.

Mit der Restrukturierung wurden die operativen Gesellschaften bilanziell entschuldet, die Laufzeit der Finanzierung durch die Emission zweier Anleihen verlängert, neue Mittel bereitgestellt sowie die Eigentümerstruktur der Gruppe neu gestaltet. Damit haben die Anleihegläubiger eine Mehrheitsbeteiligung an der Löwen Play-Gruppe übernommen. Die besicherte Schuldverschreibung beträgt 350 Millionen Euro. Die Transaktion wurde unter anderem durch ein englischrechtliches Scheme of Arrangement umgesetzt, das auf einen Ausgleich zwischen der Gesellschaft und ihren Anleihegläubigern abzielte. Mit dieser Transaktion soll das Unternehmen für die jüngsten regulatorischen Veränderungen und die Auswirkungen der Corona-Pandemie gerüstet werden.

Verbindlichkeiten neu strukturiert

Den Verhandlungen vorausgegangen war eine 2017 beschlossene Bond-Emission: Ardian, Hauptgesellschafterin der Safari Holding, und Löwen Play hatten vorrangig besicherte Papiere (Senior Secured Notes) in Höhe von 350 Millionen Euro und mit einem Kupon von 5,375 Prozent begeben. Diese wurden 2022 fällig. Ebenfalls zu berücksichtigen war eine vorrangig zu bedienende Kreditfazilität (Super Senior) über 40 Millionen Euro, die gemeinsam durch ING und Bank of Ireland bereitgestellt wurde. 

Frank Grell

Berater Safari Holding/Löwen Play
Latham & Watkins (Hamburg): Frank Grell (Restrukturierung), Dr. Rüdiger Malaun (Kapitalmarktrecht; München; beide Federführung), Bruce Bell (Restrukturierung; London), Dr. Alexander Lentz (Kapitalmarktrecht), Tobias Klass (Steuerrecht), Oliver Browne (Konfliktlösung; London), Dr. Daniel Splittgerber (Restrukturierung; Frankfurt; Federführung), Gregory Walker, Rainer Adlhart; Associates: Jan Penselin (alle Kapitalmarktrecht), Dr. Marcel Endrich (alle Frankfurt), Maria Holzhammer, Theon Benmar Chalklen, Hafza Hussein, Hongbei Li, Tom Davies (alle London), Dr. Jan-Philipp Praß, Dr. Jan-Mark Steiner (alle Restrukturierung), Robin Selwyn Spedding (Konfliktlösung; London)

Berater Management Löwen Play
Wellensiek (Frankfurt): Dr. Richard Scholz (Federführung), Friedrich Birnbreier, (beide Restrukturierung), Prof. Dr. Markus Stadler (Steuern; München); Associate: Dominik Neef

Leo Plank

Berater Anleihegläubiger
Kirkland & Ellis (München): Dr. Leo Plank (Federführung; Restrukturierung), Wolfgang Nardi (Finanzierung), Daniel Hiemer (Steuern), Dr. David Huthmacher (Private Equity/M&A), Tim Volkheimer, Deirdre Jones (beide Kapitalmarktrecht), Hannah Crawford (Restrukturierung; alle London); Associates: Dr. Marlene Ruf (Federführung), Dr. Michael Berger, Dr. Donatus Wang, Sophia Rossi (London; alle Restrukturierung), Philipp Büchler (Finanzierung), Dr. Tim Löper (Steuern)

Berater Banken
White & Case: Florian Ziegler (Finanzierung; Frankfurt), Riaz Janjuah (Hamburg; beide Federführung), Ben Davies, James Green (alle Restrukturierung), Richard Lloyd (Finanzierung; beide London), Béla Knof; Associates: Jonas Tangermann (beide Hamburg), Ellen Campbell (alle Restrukturierung), Janam Nagra (Finanzierung; beide London)

Berater Ardian
Willkie Farr & Gallagher (Frankfurt): Dr. Wolfram Prusko (Restrukturierung), Dr. Maximilian Schwab; Associate: Sebastian Brenner (beide Corporate/Finanzierung – aus dem Markt bekannt

Florian Ziegler

Hintergrund: Nach JUVE-Informationen war dieser Deal einer der ersten nach dem Brexit, bei dem für ein deutsches Unternehmen wieder ein Scheme of Arrangement angewendet wurde. Dieses Restrukturierungsverfahren ist seit dem Brexit wesentlich aufwendiger.

Eingespielte Teams auf allen Seiten

Die Safari Holding setzte dafür mit Latham & Watkins auf vertraute Berater. Schon bei der vorangegangenen Schuldverschreibung waren die Partner Malaun und Grell mit ihren Teams involviert. Bei der Refinanzierung zogen sie wegen der sanierungsrechtlichen Komplexität auch Kollegen aus London hinzu. 
Hauptgesellschafterin Ardian griff nach JUVE-Informationen ebenfalls auf langjährige Berater zurück: Seit rund 16 Jahren berät Willkie das Unternehmen unter anderem hinsichtlich Löwen Play, damals noch durch Mario Schmidt, mittlerweile im Wesentlichen durch Willkie-Partner Schwab.
Das Management der Löwen Play zog für die restrukturierungs- und insolvenzrechtliche Beratung Wellensiek-Partner Scholz hinzu, der das Management – damals noch in einem anderen Unternehmen tätig – schon seit vielen Jahren bei Transaktionen berät.

Das Anleihegläubiger-Konsortium aus englischen und amerikanischen Finanzinvestoren vertraute auf langjährige Kontakte aus den eigenen Reihen und beauftragte Kirkland & Ellis für ihre Gesamtberatung. Auch Kirkland-Partner Plank und die Associate Ruf, die gemeinsam die Federführung innehatten, zogen Londoner Kollegen hinzu.

Bekannte Berater haben auch die Banken angeheuert: Schon bei der 2017 beschlossenen Bond-Emission hatten sie White & Case mandatiert. Die federführenden Partner Ziegler und Janjuah waren beispielsweise vor einigen Jahren – ebenfalls bankenseitig – mit der Restrukturierung des Recyclingunternehmens Scholz befasst.

Artikel teilen

Lesen sie mehr zum Thema

Österreich Deals Milliardenpaket

Steinhoff nutzt englisches Recht für Restrukturierung

Markt und Management Immobilienkonzern

Größte Gläubigergruppe von Adler ruft Hengeler zu Hilfe

Verfahren Glücksspiel vorm Verfassungsgericht

Länder gewinnen mit Görg gegen Spielhallenbetreiber

Deals Recycling

Scholz bringt Restrukturierung mit internationalen Anwaltsteams in Gang