Rettung in Sicht

Insolvenzverwalter Köhler-Ma findet Investoren für dapd

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  • JUVE

Die Nachrichtengruppe dapd ist so gut wie gerettet. Ulrich Ende, Ex-Chef des Senders N24 übernimmt mit weiteren Investoren den Betrieb der insolventen Gesellschaften. Sie schießen einen Millionenbetrag als neues Eigenkapital zu. Im Januar wollen sie dapd übernehmen.

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Christian Köhler-Ma
Christian Köhler-Ma

Das Amtsgericht Berlin hatte für die Gesellschaften erst Anfang Dezember das Insolvenzverfahren eröffnet, das zum Großteil in Eigenverwaltung stattfindet. Presseberichten zufolge sollen Monat für Monat Verluste in siebenstelliger Höhe angefallen sein. Betroffen sind acht Gesellschaften und rund 300 Mitarbeiter. Die dapd-Gruppe hat insgesamt 26 Gesellschaften und 515 Mitarbeiter sowie zahlreiche freie Journalisten. Eigentümer sind Martin Vorderwülbeke und Peter Löw.

Christian Köhler-Ma von der Berliner Kanzlei Leonhardt wurde Insolvenzverwalter der dapd nachrichtenagentur GmbH und Sachwalter der sieben weiteren Gesellschaften. Wolf von der Fecht wurde im Auftrag der Eigentümer zum Insolvenzgeschäftsführer aller acht Gesellschaften. Er ist Partner im Düsseldorfer Büro der Kanzlei Metzeler von der Fecht und hatte bereits vor offizieller Insolvenzeröffnung mit dem Betriebsrat einen Sozialplan ausgehandelt, der den Abbau von rund 100 Stellen vorsieht.

Mit der US-Nachrichtenagentur Associated Press (AP) schloss Köhler-Ma darüber hinaus einen Vergleich, sodass die dapd weiterhin bis Ende Januar Auslandsnachrichten von der AP erhält. AP hatte kurz nach der Insolvenzanmeldung den Liefervertrag wegen verspäteter Zahlungen gekündigt, woraufhin von der Fecht erfolgreich eine einstweilige Verfügung vor einem New Yorker Gericht durchsetzte.

Wolf von der Fecht
Wolf von der Fecht

Zwischenzeitlich wechselte zudem eine Schwestergesellschaft der Nachrichtenagentur den Besitzer. Der PR-Dienstleister ddp direct ging an das norwegische Medienunternehmen NHST Media. Verkäuferin war die Münchner HQTA AG. Sie hieß bis vor Kurzem dapd media holding und ist nicht von der Insolvenz betroffen.

Berater Investoren: Nicht bekannt

Berater Köhler-Ma: Keine Berater

Berater von der Fecht
KMPG Law (Düsseldorf): Dr. Thomas Peschke (für Streitigkeit mit AP) – aus dem Markt bekannt

Berater AP
DLA Piper: Peter Jark (Berlin), Dr. Isaschar Nicolaysen (Hamburg) – aus dem Markt bekannt

Berater HQTA
Inhouse (BluO; München): Dr. Casper von Schnurbein

Berater NHST
Raue (Berlin): Prof. Dr. Andreas Nelle (Federführung), Dr. Friedemann Eberspächer (beide Corporate), Dr. Wolfram Hertel (Öffentliches Recht), Dr. Robert Heine (Markenrecht)

Berater Management ddp direct
Gruendel (Leipzig): Dr. Mirko Gründel (Federführung; Corporate), Steffen Tietze (Arbeitsrecht), Florian Helbig (Commercial)

Hintergrund: Die Investoren um Ende verhandeln direkt mit Köhler-Ma und lassen sich soweit bekannt nicht anwaltlich vertreten. Köhler-Ma zog in dem Gesamtkomplex um die dapd keine weiteren Berater hinzu. Er kennt die Agentur bereits aus dem Jahre 2004, damals hat er sich als Verwalter um die Vorläufer-Agentur ddp gekümmert. 

DLA Piper kennt ihre Mandantin auch gut. Sie war schon 2010 für die AP tätig, als diese ihr deutsches Nachrichtengeschäft an die dapd-Vorgängerin ddp verkaufte (mehr…). Den Vergleich aufseiten der dapd handelte Köhler-Ma aus. Medienberichten zufolge wollte von der Fecht hingegen weiter um die Lizenz für Text und Fotos kämpfen.

Inhouse-Jurist von Schnurbein steuerte den Verkauf der ddp direct für HQTA. Er ist in München General Counsel für M&A bei BluO, deren Fondsgesellschafter wiederum an HQTA beteiligt sind. Raue war erstmals transaktionsrechtlich für die norwegische NHST tätig. Zuvor betreute die Kanzlei IP-Mandate für das Unternehmen.

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