Das Nachsehen hatte eine Investorengemeinschaft aus der Bäckerei Höflinger und Evi Müller, Tochter des Firmengründers von Müller-Brot. 700 der bislang 1.100 Arbeitspläte bei Müller-Brot fallen nach dem Wiedereinstieg Ostendorfs weg, so Dr. Hubert Ampferls, vorläufiger Insolvenzverwalter der Bäckerei und Nürnberger Partner bei Dr. Beck und Partner. Mit dem Betriebsrat habe er schon Gespräche für einen Interessenausgleich und einen Sozialplan aufgenommen.
Müller-Brot war Ende Januar wegen massiver Hygiene-Probleme geschlossen worden und musste nach einem darauf folgenden Absatzeinbruch Mitte Februar Insolvenz anmelden (mehr…). Mit den Hygieneproblemen kämpfte das bayerische Unternehmen bereits seit Jahren.
Auch deswegen sorgt der Verkauf an den Alteigentümer Ostendorf in Firmenkreisen für harsche Kritik. Ostendorf hatte Müller-Brot nach einem Streit mit dem Unternehmensgründer 2003 übernommen. In den folgenden Jahren sollen vor allem vernachlässigte Investitionen zu den Hygienemängeln im Unternehmen geführt haben.
Die Verkaufsentscheidung fiel unter großem Zeitdruck, da das Insolvenzgeld für die 1.100 Mitarbeiter mit dem Abschluss des vorläufigen Insolvenzverfahrens Ende März ausläuft. Nach Presseberichten soll Ampferl das Duo Höflinger/Müller bevorzugt haben, Ostendorf soll es aber geschafft haben, den Gläubigerausschuss auf seine Seite zu ziehen.
Im Gläubigerausschuss hatte die Commerzbank den größten Einfluss und soll sich nach Unternehmenskreisen sehr für Ostendorf eingesetzt haben. Ostendorf soll nun allein die bestehenden Schulden von 19 Millionen Euro übernehmen, die Müller-Brot bei der Commerzbank hat. Die Bank war erst im Oktober bei Müller-Brot eingestiegen.
Ostendorfs Einfluss bei Müller-Brot dürfte künftig noch größer sein, sein früherer Geschäftspartner, der Investor Michael Philips beteiligt sich nun nicht. Er hielt früher 40 Prozent an der Kette. Die Staatsanwaltschaft Landshut hat unterdesen Vorermittlungen wegen einer möglichen Insolvenzverschleppung eingeleitet. Zudem prüft sie nach eigenen Angaben, ob Kautionen von Pächtern veruntreut wurden. Müller-Brot hat 151 Pächter, ihre jeweilige Pacht wird durchschnittlich auf 12.000 Euro geschätzt.
Müller-Brot betrieb zuletzt weit über 200 Filialen, beliefert aber auch in großem Umfang Handelsketten an mehr als 3.000 Verkaufsstellen. Der Jahresumsatz lag laut Unternehmen vor der Insolvenz bei mehr als 100 Millionen Euro.
Berater Ostendorf/Huhn
P+P Pöllath + Partners (München): Otto Haberstock – aus dem Markt bekannt
Vorläufiger Insolvenzverwalter
Dr. Beck & Partner (Nürnberg): Dr. Hubert Ampferl
Interessengemeinschaft Pächter
Bengen (München): Dr. Wolfgang Bengen
Pächter-Interessengemeinschaft (PIG)
SSP Schiessl (München): – aus dem Markt bekannt
Hintergrund: Mit Pöllath wählte Ostendorf für seinen Wiedereinstieg bei Müller-Brot die gleiche Kanzlei, die er auch schon für sein erstes Engagement bei der Großbäckerei mandatiert hatte.
Für Hubert Ampferl ist die Müller-Brot-Pleite die in der Öffentlichkeit meist beachtete Insolvenz, die er bislang betreut hat. Zuvor begleitete er schon größere Verfahren, etwa die Insolvenz von Schmack Biogas (mehr…). Zuletzt verwaltete er die Wittenbauer-Gruppe und den Tank- und Behälterhersteller Raum Inox. In beiden Fällen gelang es, große Teile der Unternehmen zu retten. Ampfersl Kanzlei Dr. Beck & Partner gilt vom Ansatz her als sanierungsorientiert und ist in Süddeutschland eine der ersten Adressen für Großinsolvenzen.
Im Zuge der finanziellen Verluste durch die Müller-Brot-Krise haben sich zwei Pächtergemeinschaften gegründet, die ihre Interessen durch die beiden örtlichen Kanzleien Bengen und SSP Schiessl vertreten lassen. (René Bender)