Customer Experience

Sullivan und Freshfields beraten zu Milliardenfusion in Callcenter-Branche

Die luxemburgische Majorel fusioniert mit ihrem doppelt so großen US-Konkurrenten Sitel. Zusammen werden sie mit 8,6 Milliarden Euro bewertet, heißt es. Mit der Fusion wird die französische Milliardärsfamilie Mulliez der größte Aktionär des kombinierten Unternehmens und auch die Majorel-Mutter Bertelsmann bleibt noch an Bord.

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Bertelsmann fand mit Sitel einen weiteren Partner für seine Callcenter-Geschäfte

Majorel und Sitel sollen fusionieren, um künftig gemeinsam klassische Callcenter-Funktionen, aber auch Maßnahmen zur Kundenakquise anzubieten. Nach dem Zusammenschluss werden sie mehr als 240.000 Mitarbeitende an über 300 Standorten weltweit beschäftigen und einen Umsatz von etwa 5,4 Milliarden Euro erzielen.

Die luxemburgische Majorel ist auf fünf Kontinenten aktiv und ist mit rund 75.000 Mitarbeitenden die kleinere Fusionspartnerin. Allerdings erwirtschaftete sie im Geschäftsjahr 2021 einen Nettoumsatz von 1,75 Milliarden Euro, 31 Prozent mehr als im Vorjahr. Neben Bertelsmann zählt auch die Saham Gruppe zu den größten Shareholdern von Majorel. Hinter Saham steht die einflussreiche Familie El Alamy, die tief in die marokkanische Wirtschaft und Politik involviert ist und eine Vielzahl an afrikanischen und arabischen Callcentern besitzt.

Börsengang als Teil-Exit

Bertelsmann arbeitet mit Saham bereits seit 2004 zusammen. 2018 hatte Bertelsmann die Callcenter seiner Tochter Arvato mit denen der Saham Gruppe zusammengelegt und unter dem Namen Majorel im September 2021 an die Amsterdamer Börse Euronext gebracht. 20 Millionen Aktien wurden zu einem Preis von 33 Euro je Aktie platziert. Der Bruttoemissionser­lös betrug seinerzeit 660 Millionen Euro.

Das kombinierte Unternehmen soll ebenfalls an der Euronext Amsterdam notiert sein, auch wenn der größere Fusionspartner Sitel seinen Hauptsitz in Miami hat. Sitel erzielte zuletzt einen Umsatz von über 4 Milliarden US-Dollar. Das 1985 gegründete Unternehmen bietet ausgelagerten Vertrieb, technischen Support, Kundendienst und andere Geschäftsprozesse für große Unternehmen an. Er gehört der französischen Milliardärsfamilie Mulliez, die etwa mit der Supermarktkette Auchan und dem Sportartikelhändler Decathlon reich geworden ist.

Laut Presseberichten soll Mulliez künftig mit 45 Prozent auch größter Aktionär des fusionierten Unternehmens werden. Gemeinsam mit dem Sitel-Management hätte die Milliardärsfamilie dann 56 Prozent der Anteile. Die bisherigen Majorel-Aktionäre kommen demnach auf 44 Prozent, wovon rund 17 Prozent auf Bertelsmann entfallen. Die Gütersloher werden auch mit einem Sitz im neuen Aufsichtsrat vertreten sein.

Erster Transaktionsschritt

Die Hauptgesellschafter und Callcenter-Ketten unterzeichneten zunächst ein unverbindliches Eckpunktepapier. Der Abschluss der Fusion ist für Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres geplant.

Carsten Berrar

Berater Majorel-Gesellschafter Bertelsmann/Saham Familie
Sullivan & Cromwell (Frankfurt): Dr. Carsten Berrar (Federführung), Krystian Czerniecki (beide Corporate/M&A), Dr. Michael Rosenthal (Kartellrecht; Brüssel), Olivier de Vilmorin (M&A; Paris), Gauthier Blanluet (Steuern; Paris), Dr. Max Birke (Finanzierung), Dr. Lars Rüve, Karoline König, Alexis Madec (Paris; alle drei M&A/Kapitalmarktrecht), Karen Verlinden, Kolja Ortmann (beide Kartellrecht; beide Brüssel), Daniel Roggenkemper, Jannis Rink (beide Corporate)
Arendt & Medernach (Luxemburg): Carsten Opitz, Laurent Schummer (beide Corporate/M&A)
Inhouse Recht (Bertelsmann; Gütersloh): Thomas Götz (General Counsel), Bettina Wulf (Senior Vice President Corporate Legal) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Majorel; Bielefeld): Ralf Süllwald (General Counsel), Christine Burgard (Corporate Legal Counsel; Luxemburg) – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Saham; Casablanca): Smahane Errachdi (Legal Director) – aus dem Markt bekannt

Berater Sitel Gruppe
Freshfields Bruckhaus Deringer (Paris): Hervé Pisani, Arnaud Mouton, Dirk-Jan Smit, Hanneke Rothbarth (beide Amsterdam; alle Corporate), Stéphanie Corbière, Kyle Lakin, David Almroth (beide New York; alle Finanzrecht), Doug Smith (Kapitalmarktrecht; London), Vincent Daniel Mayeur, Thomas Métayer (beide Steuern), Gwen Senlanne, Elodie Favre-Thellmann (beide Arbeitsrecht), Alan Ryan (Regulierung, Kartellrecht); Associates: Joaquim Traoré (Corporate), Jennifer Brokamp (Kapitalmarktrecht; London)

Hintergrund: Majorel setzte schon im vergangenen Jahr bei ihrem Börsengang auf das Frankfurter Team von Sullivan & Cromwell. Nun zogen die größten Shareholder von Majorel das Team um Partner Berrar für die milliardenschwere Transaktion hinzu und betrauten es mit der Strukturierung, der Erstellung der Dokumentation und Due Diligence, den Verhandlungen und weiteren rechtlichen Aspekten wie etwa Kartellrecht.

Zusammen mit den Syndikus-Anwälten

Wie auch beim Börsengang waren hierbei die Inhouse-Teams der Stakeholder sowie von Majorel selbst eng in den Abstimmungsprozess eingebunden. Zusätzlich waren für das luxemburgische Recht die auf Finanzrechtsthemen spezialisierte Kanzlei Arendt & Medernach mandatiert und bezüglich des Euronext-Listings die Amsterdamer Kanzlei Stibbe. Schon als Bertelsmann im September 2021 mit Majorel einen Teil seiner Dienstleistungssparte an die Börse brachte, wurde Majorel in Luxemburger Rechtsfragen von Arendt & Medernach beraten.

Die Sitel Gruppe vertraut weltweit bei Transaktionen regelmäßig auf Freshfields. Das US-Team der Magic-Circle-Kanzlei beriet Sitel etwa bei seiner 2,2 Milliarden Dollar-Fusion mit dem Tech-Unternehmen Sykes Enterprises. Bei der Fusion mit Majorel zog die Milliardärsfamilie ein Pariser Freshfields-Team hinzu, das von internationalen Kanzleikollegen unterstützt wurde. Fragen mit Luxemburg-Bezug ließ sie von der dortigen Sozietät Elvinger Hoss klären.

Als Bertelsmann mit seinem Venture Majorel an die Börse ging, war auf Seiten des Bankenkonsortiums die Frankfurter Kapitalmarktpraxis von Latham & Watkins involviert.

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