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Thyssenkrupp übernimmt mit Görg Werftenstandort in Wismar

Thyssenkrupp Marine Systems hat den Wismarer Standort der insolventen MV Werften übernommen. Dort könnte die Thyssenkrupp-Tochter zukünftig U-Boote bauen.

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Die MV Werften in Wismar gehen in neue Hände.

Die MV Werften hatten Anfang 2022 einen Insolvenzantrag gestellt. Durch die Corona-Pandemie war das Unternehmen allerdings schon 2020 finanziell in Schieflage geraten und erhielt Ende 2020 einen Brückenkredit vom Wirtschaftsstabilisationsfonds des Bundes.

Wegen des Rückgangs des Kreuzfahrtgeschäfts war auch der Mutterkonzern Genting unter Druck gekommen und stellte selbst einen Antrag auf Abwicklung, kurz nachdem die MV Werften den Insolvenzantrag gestellt hatten. Seit 2016 war der Hongkonger Mischkonzern über die MV Werften Holdings Mehrheitseigentümer der deutschen Werftengruppe. Hinter dem Hongkonger Unternehmen wiederum steht die malaysische Genting-Gruppe um den Milliardär Tan Sri Lim Kok Thay.

Neben Wismar bauten die MV Werften auch in Rostock und Stralsund Passagierschiffe, unter anderem für Reedereien, die zur Genting-Gruppe gehören. Im Zuge des seit März 2022 laufenden Insolvenzverfahrens wurde entschieden, die MV Werften zu zerschlagen und ihre Geschäftseinheiten einzeln zu verkaufen.

Kriegszeiten bringen Kehrtwende

Käuferin Thyssenkrupp Marine Systems mit Sitz in Kiel baut und entwickelt U-Boote und Schiffe für militärische Einsätze. Am neuen Standort könnten – nach einem entsprechenden Umbau – ab 2024 U-Boote gebaut werden, sofern eine Beauftragung durch den Bund erfolgt.

Zudem gilt es auch, das weitere Schicksal des 1,5 Milliarden Euro teuren Kreuzfahrtschiffs ‚Global Dream‘ zu klären, das die Genting-Tochter Dream Cruises bei den MV Werften in Auftrag gegeben hatte. Das für knapp 9.000 Passagiere ausgelegte Schiff ist aktuell zu drei Viertel fertiggestellt, allerdings fehlt nun ein Käufer, der den Weiterbau des Schiffs finanziert.

Mit dem Kauf weiterer Produktionsflächen in Wismar reagiert Thyssenkrupp Marine Systems auf die gestiegene Nachfrage durch den Ukraine-Krieg. Der Mutterkonzern hingegen justiert die Strategie: Die Marinesparte bereitete Thyssenkrupp in der Vergangenheit immer wieder Sorgen und sollte laut Presseberichten sogar verkauft werden. Ein geplanter Verkauf der Sparte an Rheinmetall war seinerzeit jedoch wohl wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen nicht zustande gekommen.

Der jetzt unterzeichnete Vertrag ist soweit bekannt das Resultat eines mehrmonatigen offenen Beteiligungsprozesses für die Wismarer Werft.

Thorsten Bieg

Berater Thyssenkrupp Marine Systems
Görg (Hamburg): Dr. Thorsten Bieg, Dr. Karl-Friedrich Curtze (beide Federführung), Johannes Bitter-Suermann (alle M&A/Insolvenzrecht), Dr. Christoph Mönig, Dr. Sergio Binkowski (beide Immobilienrecht), Kersten Wagner-Cardenal, Dr. Henning Wendt (beide Öffentliches Recht), Burkhard Fabritius (Arbeitsrecht), Björn Epler (Steuern); Associates: Konstantin Horn (Immobilienrecht), Ceren Smajgert (Arbeitsrecht)

Insolvenzverwaltung MV Werften
Brinkmann & Partner (Hamburg): Dr. Christoph Morgen (Insolvenzverwalter), Dr. Tobias Brinkmann (Federführung), Dr. Annika Schinkel (alle Insolvenzrecht), Daniel Arends (Finanzierung), Thomas Kühn (Berlin), Jan-Philipp Koslowski (Hannover; beide Arbeitsrecht); Associates: André Erckens, Maria Richter, Gvantsa Balanchivadze (alle Insolvenzrecht), Hartmut Krangemann (Steuerrecht)

Stefan Denkhaus

Berater Insolvenzverwalter
BRL Boege Rohde Luebbehuesen (Hamburg): Stefan Denkhaus (Federführung), Ilja Schneider (M&A), Alexander Oberreit (Arbeitsrecht), Victor von dem Bussche (Insolvenzrecht), Andrea Ringle (IP/IT), Dr. Felix Baum, Dorthe Severitt, Dr. Verena Schepers (Berlin; alle Immobilienrecht); Associate: Melanie Strauß (Insolvenzrecht)
Freshfields Bruckhaus Deringer (Düsseldorf): Dr. Peter Niggemann; Associate: Dr. Alexander Arfert (beide Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Hintergrund: Die Transaktionspraxis von Görg kommt nun bereits zum zweiten Mal bei einem deutschen Werftenkauf aus dem Bestand der Genting-Gruppe zum Zuge. Nachdem jüngst ein Bremer Görg-Team den Kauf der Loyd Werft in Bremerhaven käuferseitig für die Rönner-Zech-Gruppe begleitete, kam nun ein Team aus Hamburg für Thyssenkrupp Marine Systems zum Zuge.

Christoph Morgen

Distressed M&A im Schiffsbausektor

Für Insolvenzverwalter Morgen von Brinkmann & Partner sind die MV-Werften nicht die erste Insolvenz im maritimen Sektor, die er verwaltet. So kam er beispielsweise auch 2018 als Verwalter der Hamburger Reederei Hansa Heavy Lift zum Einsatz.

Für die M&A-Beratung zog Morgen erneut ein Team von BRL Boege Rohde Luebbehuesen hinzu. Gemeinsam mit BRL verkaufte Morgen bereits den Standort Stralsund der MV Werften, der für rund 16,5 Millionen Euro in den Bestand der Stadt wechselte. BRL wirkt zudem beim Verkauf der Lloyd Werft in Bremerhaven mit. Dem Vernehmen nach beriet der Düsseldorfer Freshfields-Partner Niggemann den Insolvenzverwalter der MV Werften kartellrechtlich im Zusammenhang mit dem Verkauf.

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