Insolvenz

Gentings Krise bringt Werften an Nord- und Ostsee ins Schlingern

Auf die Insolvenzanträge der Werften MV und Lloyd hin haben die Amtsgerichte Schwerin und Bremerhaven vorläufige Insolvenzverwalter ernannt. Mit den Hamburgern Dr. Christoph Morgen von Brinkmann & Partner und Dr. Per Heerma von FRH Fink Rinckens Heerma übernehmen erfahrene Verwalter die Sanierung der Töchter des chinesischen Genting-Konzerns, dessen Kreuzfahrtsparte coronabedingt unter Druck steht.

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picture alliance/dpa/ Jens Büttner
Christoph Morgen

Brinkmann-Partner Morgen wurde für alle acht Gesellschaften der MV Werften bestellt, für die zu Wochenbeginn ein Insolvenzantrag beim Amtsgericht Schwerin eingegangen war. Konkret handelt es sich dabei um die MV Werften Fertigmodule, die MV Werften Stralsund, die MV Werften Wismar, die MV Werften Rostock, die MV Werften Holdings Limited und drei Liegenschaftsgesellschaften.

Alle Unternehmen, auch die Lloyd Werft aus Bremerhaven, sind Töchter oder Schwestern der britischen MV Werften Holdings. Bei den MV Werften sind 1.900 Mitarbeiter, bei der Bremerhavener Lloyd Werft 300 Mitarbeiter von den Insolvenzen betroffen.

Mit Steuergeld finanzierte Kreuzfahrtschiffe für Asien

Die MV Werften und die 1857 gegründete Lloyd Werft gehören seit 2016 dem Hongkonger Mischkonzern Genting, der wiederum der malaysischen Genting-Gruppe um den Milliardär Tan Sri Lim Kok Thay gehört. Seitdem werden auch mit finanzieller Hilfe der KfW Ipex Bank schwerpunktmäßig Kreuzfahrtschiffe für den asiatischen Markt gebaut. 

Die MV Werften bauen mit der Lloyd Werft als Zulieferer derzeit für Genting das rund 1,5 Milliarden Euro teure Kreuzfahrtschiff ‚Global Dream‘. Das Schiff ist das größte seiner Art und offenbar zu drei Viertel fertig. Aber die weitere Finanzierung ist unsicher, auch weil der Kreditversicherer Euler Hermes wegen der darbenden Kreuzfahrtindustrie vorsichtshalber die Kreditversicherung gekündigt hatte, was bei Genting eine Liquiditätslücke verursachte, die schlussendlich in die Insolvenz mündete, heißt es.

Genting verklagt Mecklenburg-Vorpommern

Per Heerma

Presseberichten zufolge sieht Genting beim Bund und beim Land Mecklenburg-Vorpommern die Schuld für die Insolvenzen. Mit beiden hatte Genting im Vorfeld der Insolvenz verhandelt, mit dem Land sogar vor Gericht wegen eines Darlehens über 78 Millionen Euro. Das Landgericht will nächste Woche entscheiden, ob das Land den im Juni 2021 gewährten Kredit zurückhalten darf.

Der Bund hatte den MV Werften im Oktober 2020 193 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes ausgezahlt. Die Verhandlung über weitere 600 Millionen Euro waren dann gescheitert, weil Genting aus Sicht des Bundes nicht bereit war, eigenes Kapital zuzuschießen und Bürgschaften auszuhändigen.

Insolvenzverwaltung MV Werften (vier Gesellschaften)
Brinkmann & Partner (Hamburg): Dr. Christoph Morgen (Verwalter; Insolvenzrecht)

Insolvenzverwaltung Lloyd Werft Bremerhaven
FRH Fink Rinckens Heerma (Hamburg): Dr. Per Heerma (Verwalter), Christopher Rohde (beide Insolvenzrecht)

Sabine Vorwerk

Berater Genting-Gruppe
Linklaters (Frankfurt): Dr. Sabine Vorwerk (Federführung), Tobias Klupsch; Associate: Dr. Julian Dust (alle Insolvenzrecht) – aus dem Markt bekannt

Berater Bundesrepublik Deutschland/Finanzagentur
Inhouse Recht (Frankfurt): Bernd Giersberg (Bereichsleiter Recht und Privatkundengeschäft), Dr. Arnd Düker (Syndikus)  – aus dem Markt bekannt
CMS Hasche Sigle (Hamburg): Dr. Christian von Lenthe (Federführung; Gesellschaftsrecht), Dr. Thomas de la Motte (Bank- und Finanzrecht), Joachim Kühne (Insolvenzrecht; Frankfurt) – aus dem Markt bekannt

Berater Land Mecklenburg-Vorpommern
Esche Schümann Commichau (Hamburg): Dr. Klaus Kamlah (Bank- und Finanzrecht), Dr. Meinhold (beide Federführung), Eva Homborg (beide Litigation), Marc Heinrich (Insolvenzrecht); Associates: Dr. Jens-Christian Schott (Bank- und Finanzrecht), Dr. Karsten Heudtlass, Julian Leucht, Dr. Christian Kube, Vinzenz Koch (alle Litigation) – aus dem Markt bekannt

Christian von Lenthe

Hintergrund: Die bestellten Verwalter verfügen über viel Erfahrung bei Insolvenzen in der maritimen Wirtschaft. Brinkmann-Partner Morgen verwaltete die Insolvenz der Reederei Hansa Heavy Lift, Heerma war 2019 Sachwalter im Eigenverwaltungsverfahren der Elsflether Werft. In dem Verfahren beriet der Sozius von Morgen, Dr. Tobias Brinkmann, die Geschäftsführung. Heerma kennt allerdings auch die Lloyd Werft aus seiner Verwaltertätigkeit von 2004, als die Werft ebenfalls Insolvenz anmelden musste.

Weltweites Linklaters-Team im Einsatz

Linklaters berät die Genting-Gruppe seit 2020 umfassend zur weltweiten Restrukturierung ihrer Finanzen. Angeführt wird das internationale Team vom Honkonger Restrukturierungspartner James Warboys. Für die Verhandlungen mit den deutschen Geldgebern ist seit dieser Zeit bereits die Frankfurter Partnerin Vorwerk im Mandat.

Klaus Kamlah

Auf der Seite des Bundes und der Finanzagentur berät seit 2020 ein CMS-Team um von Lenthe. Von Lenthe führte auch das Team, das dem Land Niedersachsen bei der Rettung der NordLB half.

Mecklenburg-Vorpommern sicherte sich für die Kreditvergabe an Genting, die mittlerweile das Landgericht Schwerin beschäftigt, die Dienste des Esche Schümann Commichau-Partners Kamlah und seines Teams.

Schifffinanzierung aus Hamburg

Nach JUVE-Informationen stand der Hamburger Finanzrechtspartner Timo Noftz 2019 an der Spitze des Teams von Norton Rose Fulbright, das die KfW Ipex-Bank und die anderen Kreditgeber bei der Finanzierung von zwei Kreuzfahrtschiffen für die Genting Hong Kong und ihre Marke Dream Cruises beriet. Der Bau der Schiffe bei den MV Werften begann 2018. Das Finanzierungsvolumen lag bei rund 2,6 Milliarden Euro. (mit Material von dpa)

 

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