Das Angebot entspricht einem Transaktionswert von 2 Milliarden Euro – und kam für das Evotec-Management völlig überraschend. Es war vorab nicht darüber informiert worden. Entsprechend reserviert fiel die Reaktion aus. Man wolle nun „diese Interessenbekundung sorgfältig analysieren, über weitere Schritte entscheiden und den Kapitalmarkt entsprechend den rechtlichen Anforderungen weiter informieren“, gaben die Hamburger in einer Adhoc-Mitteilung bekannt. Evotec ist sowohl im SDax /TecDax als auch im Nasdaq gelistet.
Zudem wurde bekannt, dass auch Triton zuletzt seinen Anteil an Evotec innerhalb von nur drei Wochen auf 9,99 Prozent aufgestockt hat. Damit ist der Finanzinvestor aktuell größter Einzelaktionär von Evotec vor der Novo Holdings mit einem Anteil von 8 Prozent und der staatlichen Mubadala Investmentgesellschaft aus Abu Dhabi mit 7 Prozent. In der Presse wurde deshalb auch über ein mögliches eigenes Übernahmeangebot von Triton spekuliert. Dies wurde allerdings von keiner Seite bestätigt.
Insiderhandel-Affäre und Cyberattacke belasten Evotec
Die Evotec-Aktie reagierte nach der Veröffentlichung des Übernahmeangebots von Halozyme mit einem Kurssprung von rund 25 Prozent. Ende 2023 war das Papier mit rund 21,60 Euro allerdings noch etwa das Doppelte wert als aktuell. Der Rücktritt des langjährigen Vorstandschefs Werner Lanthaler im Zuge einer Insiderhandel-Affäre setzte die Evotec-Aktie Anfang des Jahres enorm unter Druck und machte das Unternehmen zum Übernahmekandidaten. Schon in den Monaten zuvor musste Evotec eine Krise aufgrund einer Cyberattacke bewältigen. Als Folge wurde das Unternehmen überraschend aus den Aktienindizes MDax und TecDax herausgenommen, weil es die Veröffentlichung seines Geschäftsberichts aufgrund des Angriffes verschoben hatte.
Mit der Übernahme will sich Halozyme nach eigenen Angaben am Biotech-Markt breiter aufstellen sowie Umsatz- und Ergebniswachstum bis mindestens ins kommende Jahrzehnt sichern. Halozyme wird aktuell mit etwa 5,5 Milliarden Euro bewertet. Etwa ein Viertel weniger als in der Woche vor dem Evotec-Übernahmeangebot.
Berater Halozyme
Weil Gotshal & Manges (München): Prof. Dr. Gerhard Schmidt, Dr. Barbara Jagersberger, Andreas Fogel, Michael Aiello (New York; alle Gesellschaftsrecht)
Berater Evotec
Freshfields (Hamburg): Prof. Dr. Christoph Seibt, Dr. Arne Constantin-Krawinkel (beide Gesellschaftsrecht)
Inhouse Recht (Hamburg): Dr. Christian Dargel (General Counsel)
Berater Triton
Kirkland & Ellis: Dr. Tobias Larisch (Frankfurt), Dr. Anna Schwander (München; beide Gesellschaftsrecht)
Hintergrund: Alle Berater sind aus dem Markt bekannt.
Weil Gotshal hat Halozyme bereits 2022 beim Kauf von Antares Pharma für 960 Millionen Dollar beraten. Die Federführung hatte dabei der New Yorker Partner Aiello, der die weltweite Corporate-Praxis der US-Kanzlei leitet und nun nach JUVE-Informationen neben dem Münchner Weil-Team ebenfalls an der Beratung von Haloyzme beteiligt ist.
Dass sich Evotec nun den erfahrenen Gesellschaftsrechtler Seibt an die Seite holt, überrascht wenig: Der Hamburger Freshfields-Partner kennt das Unternehmen bereits seit vielen Jahren und ist insbesondere für seine Erfahrung bei öffentlichen Übernahmen im Markt bekannt. Seibt hatte Evotec unter anderem auch 2020 beraten, als über eine Kapitalerhöhung der Staatsfonds von Abu Dhabi, die Clifford Chance-Mandatin Mubadala Investment, an Bord gekommen war. Auch die Novo Holdings hatte ihre Anteile an dem Hamburger Biotech-Unternehmen erhöht, damals beraten von Latham & Watkins.
Triton setzt hierzulande auf verschiedene Kanzleien, nun wird der Finanzinvestor nach JUVE-Recherchen zum Ausbau seiner Beteiligung von einem deutschen Kirkland-Team beraten. Die US-Kanzlei hat Triton in der Vergangenheit bereits bei Deals beraten, etwa 2018 aus London heraus beim Erwerb von Sunweb. Auch in dem Galapogos-Komplex stand zuletzt Mitte vergangenen Jahres ein deutsch-britisches Team dem Investor vor dem High Court zur Seite.
Aktualisierung vom 22.11.24: Halozyme hat sein Übernahmeangebot von 11 Euro pro Aktie zurückgezogen. Halozyme-CEO Helen Torley erklärte, der Aufsichtsrat von Evotec sei nicht bereit gewesen, mit dem US-Konzern über eine mögliche Transaktion zu sprechen.