Hintergrund Datenanalyse

Mehr Kanzleien setzen im Management auf Millennials

Gleich mehrere Top-Wirtschaftskanzleien setzen bei ihren Führungspositionen auf Partnerinnen und Partner der Millennial-Generation. Die Ernennungen stehen für einen bemerkenswerten Generationswechsel in einer Branche, die durch KI und neue Arbeitsmodelle vor tiefgreifenden Veränderungen steht.

von Martin Ströder

Innerhalb weniger Monate haben gleich drei der JUVE-Top-50-Kanzleien Führungspositionen an Partner und Partnerinnen vergeben, die der Generation der Millennials angehören – also den zwischen Anfang der 1980er und Mitte der 1990er Jahre Geborenen.

Den jüngsten Wechsel meldete Baker McKenzie. Die Partnerschaft wählte Dr. Anahita Thoms (Jahrgang 1981) zur neuen Managing-Partnerin für Deutschland. Sie übernimmt die Nachfolge von Dr. Alexander Wolf und wird damit eine der sichtbarsten Führungsfiguren im deutschen Anwaltsmarkt. Bereits zuvor hatte Latham & Watkins bekannt gegeben, dass Dr. Stefan Rieger (Jahrgang 1982) die Leitung der deutschen Büros übernimmt. Zum Juli folgt bei Hengeler Mueller Dr. Sebastian Schneider (Jahrgang 1981), der gemeinsam mit Dr. Jens Wenzel als Co-Managing-Partner die Führung der Sozietät übernimmt.

Bislang eher Ausnahme als Regel

Damit treten also Partner aus der Nachwuchsgeneration in Führungsfunktionen an, bevor sie das 45. Lebensjahr vollendet haben. Im traditionell eher konservativen Kanzleimarkt ist das alles andere als selbstverständlich. Noch stellen Millennials nicht die Mehrheit in den Führungsetagen deutscher Wirtschaftskanzleien. Doch der Trend zu einem insgesamt jüngeren Management ist unübersehbar: Während die Führungsriegen von zehn führenden Wirtschaftskanzleien in Deutschland vor wenigen Jahren noch stark von Babyboomern geprägt waren, hat sich das Gewicht innerhalb weniger Jahre in Richtung Generation X und nun erstmals sichtbar zu den Millennials verschoben. Auch das Durchschnittsalter der Managing-Partner der zehn Kanzleien ist auf den tiefsten Stand seit Jahren gesunken, liegt aber noch knapp über 50 Jahren.

Nach unten treiben den Altersdurchschnitt die Millennials, die spätestens zum Juli das Management ihrer Organisationen übernehmen.

Zwar gab es auch in der Vergangenheit vergleichsweise junge Kanzleichefs. Ein amtierender ist Dr. Wolf Bussian (Jahrgang 1977), der 2020 mit 43 Jahren die Führung der deutschen Praxis von A&O Shearman beziehungsweise deren Vorgängereinheit Allen & Overy übernahm. Bei DLA Piper war 2014 mit Dr. Benjamin Parameswaran ein Partner an die Spitze der deutschen Praxis gerückt, der damals noch keine 40 Jahre alt war. Baker hatte bereits einmal zuvor auf ein deutliches Zeichen gesetzt. 1999 wählte sie Christine Lagarde, derzeit Präsidentin der Europäischen Zentralbank, mit damals 43 Jahren zur weltweiten Chefin der Kanzlei. Ernennungen dieser Art müssen jedoch als Ausnahme verbucht werden. Die Regel ist, dass gewählte Managing-Partner den Zenit ihrer Karrieren überschritten haben.

Die aktuellen Management-Neubesetzungen fallen in eine Phase, in der sich die Branche grundlegend verändert. Künstliche Intelligenz verändert Arbeitsabläufe, Mandanten erwarten technologiegestützte Lösungen, und zugleich wandeln sich die Vorstellungen jüngerer Juristinnen und Juristen von Karriere, Zusammenarbeit und Führung.

In einer solchen Transformationsphase, so scheint die Überzeugung in einigen Sozietäten zu sein, ist eine neue Führungsgeneration gefragt. Millennials haben den digitalen Wandel nicht erst als Partner oder Manager erlebt, sondern bereits als Associates.

Gerade darin könnte ein wichtiger Vorteil liegen. Die Einführung neuer Technologien oder Organisationsformen ist nicht allein eine Frage der Strategie, sondern auch der Akzeptanz innerhalb der Kanzlei.

Für die Betroffenen selbst bedeutet die Beförderung allerdings keineswegs nur Prestige. Branchenintern wird für Managing-Partner großer Einheiten teilweise mit bis zu 1.000 Stunden Managementarbeit pro Jahr gerechnet. Strategie, Recruiting, Personalführung und Innovationsprojekte kommen zusätzlich zur anwaltlichen Tätigkeit hinzu.

Gerade darin liegt eine besondere Herausforderung für die neue Generation von Kanzleiführern. Anders als viele Vorgänger übernehmen sie Führungsverantwortung häufig noch in einer Phase, in der sie ihre Praxis aktiv ausbauen und Mandantenbeziehungen entwickeln. Die verschiedenen Rollen als Unternehmer, Manager und Spitzenanwalt verlangen ein hohes Maß an Organisation und Priorisierung.

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