Region Mitte: Frankfurt bleibt Gravitationszentrum – mit neuem Zug
Frankfurt dominiert die Region Mitte nach wie vor, doch Kanzleien in Mainz, Koblenz, Darmstadt und Trier behaupten ihre Positionen. Was sich verändert hat, ist die Nachfragesituation: Klassische Wachstumstransaktionen bleiben verhalten, Restrukturierung und Insolvenzberatung boomen. Kanzleien wie Act Legal und Baker Tilly verzeichnen deutlich gestiegene Mandate in diesem Bereich. Das Immobiliengeschäft hat seine alte Stärke nicht zurückgewonnen.
Private Equity hält das M&A-Geschäft am Laufen. Klassische Bankrechtsthemen werden derweil von digitalen Regulierungsfeldern überlagert: DORA, Krypto, Distributed-Ledger-Technologie und KI-Governance bestimmen die Agenda. Deloitte Legal hat Frankfurt zum Krypto-Hub ausgebaut, PricewaterhouseCoopers Legal macht das Frankfurter Büro zur Drehscheibe für globale Regulierungsprojekte. Frankfurt entwickelt sich dabei zum Inkubator spezialisierter Boutiquen: Allein 2025 eröffneten Gruengold und Rombach, Reischauer & Partner, ALM Partners, Hübner sowie Manner Masser – und 2026 folgte Lutz Abel mit einem Team von Advant Beiten.
Region Süden: Krise und Aufbruch als zwei Seiten einer Medaille
Im Süden zeigt der Markt ein Bild schroffer Gegensätze. Die konjunkturelle Lage drückt sich in einer gestiegenen Zahl von Sanierungen und Insolvenzanmeldungen aus. Kanzleien wie Baker Tilly, KPMG Law oder Theopark punkten mit ihrer multidisziplinären Aufstellung – Steuer- und Gesellschaftsrechtler sind bei Umstrukturierungen meist mit im Boot.
Auf der anderen Seite weckt die neue Marktdynamik in den Sektoren Technologie, Sicherheit und Forschung Interesse von Privatinvestoren. München ist durch die wachsende Gründerszene rund um die Technische Universität sowie die Inkubatoren von Bundeswehr und NATO für den Aufschwung im Rüstungs- und Verteidigungssektor gut positioniert. Die neue Konjunktur rund um das Thema Sicherheit betrifft potenziell die gesamte bayerische Kanzlei-Community – vorausgesetzt, lokale Berater können die nötige Fachexpertise in diesem regulatorisch anspruchsvollen Sektor aufbieten.
Schärfer wird der Wettbewerb um die attraktivsten Mandate: Fokussierte Boutiquen wie Gütt Olk Feldhaus oder Honert setzen sich mit Spezial-Know-how und internationaler Vernetzung zunehmend durch – und stechen dabei auch breiter aufgestellte Stammberater aus. Unter Druck geraten dagegen mittelständische Kanzleien mit einem traditionellen Selbstverständnis als Rundumberater. Zugleich werden MDPs und regionale Steuerberaterkanzleien von Private-Equity-Häusern auf mögliche Beteiligungen angesprochen – prominentestes Beispiel sind die hartnäckigen Gerüchte über einen PE-Einstieg bei Baker Tilly.
Region Osten: Strukturdebatte und Neuausrichtung
Der Kanzleimarkt im Osten Deutschlands galt lange als vergleichsweise stabil. Den deutlichsten Impuls setzte Dirk Rose, Vorsitzender der Steuerberaterkammer Sachsen, der im November 2025 sein Amt als Vizepräsident der Bundessteuerberaterkammer niederlegte – nachdem er seine Leipziger MDP-Kanzlei an die von Partners Group gestützte Afileon-Gruppe verkauft hatte. Die Transaktion löste eine grundsätzliche Debatte aus: Ist die Unabhängigkeit der Beratung in investorengetragenen Strukturen noch gewährleistet?
Auch Petersen Hardrath Pruggmayer geht neue Wege: Die Kanzlei firmiert nun als Petersenpartners und wird von einem Unternehmensberater gemanagt – ein Konzept, das sie zur Vorreiterin in der Region macht. Für Gesprächsstoff sorgt zudem der neu eröffnete Commercial Court am Oberlandesgericht Dresden, der ausschließlich auf Deutsch und unter Anwendung deutschen Rechts verhandelt. Angesichts internationaler Neuansiedlungen etwa aus der Halbleiterindustrie erscheint das widersprüchlich. Die Reaktion in den Sozietäten ist eindeutig: „Ich empfehle meinen Mandanten wieder ausschließlich Schiedsklauseln.“
Inhaltlich wächst die Arbeit in zwei Feldern: Gesellschafterkonflikte und Krisensituationen bescheren Litigatoren wie Lindenpartners mehr Mandate. Parallel bauen spezialisierte Kanzleien wie Ypog gezielt Defence-Kompetenzen aus, während große multidisziplinäre Einheiten wie Forvis Mazars sowie die Rechtsarme von KPMG Law und PricewaterhouseCoopers Legal konsequent die Schnittstellen zur öffentlichen Hand besetzen.
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